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Tödliche Schüsse in der Tanzbar

SZ.de-Logo SZ.de 08.11.2018 Von Jürgen Schmieder, Los Angeles
Besucherinnen der Borderline Bar in Thousand Oaks trösten sich nach der Schießerei mit zwölf Toten. © Ringo Chiu/Reuters Besucherinnen der Borderline Bar in Thousand Oaks trösten sich nach der Schießerei mit zwölf Toten.

• Bei dem Mann, der in einer Tanzbar im kalifornischen Thousand Oaks zwölf Menschen erschossen hat, handelt es sich nach Polizei-Angaben um einen 28-jährigen ehemaligen Soldaten.

• Der Schütze sei außerdem polizeibekannt gewesen, teilte der Sheriff der Kleinstadt mit.

• Bei einem Vorfall im April habe er "zornig" und "irrational" gewirkt. Experten hätten daraufhin seinen mentalen Zustand untersucht und ihn gehen lassen.

Los Angeles - Die Borderline Bar in Thousand Oaks, eine halbe Autostunde nordwestlich von Los Angeles, sieht genauso aus, wie sich jemand, der noch nie in den USA war, eine typisch amerikanische Bar vorstellt: Hinter der Theke schenken Cowgirl-Bedienungen reichlich Bier und Whiskey aus, in einer Ecke gibt es Billardtische, die zu Spielfeldern im Studenten-Trinkspiel Beerpong verwandelt werden können, und auf der rustikalen Tanzfläche sollen junge Leute einmal pro Woche auf der sogenannten Country College Night den Formationstanz Line Dance lernen.

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Mindestens 13 Tote bei Angriff auf Studenten-Party

So auch am Mittwochabend, die letzte Lehrstunde war um kurz nach 23 Uhr vorbei, es wurde getanzt, getrunken und gefeiert. Da betrat nach Angaben der Polizei ein 28 Jahre alter Mann in schwarzen Klamotten, schwarzer Gesichtsmaske und schwarzer Sonnenbrille die Bar, er hatte offenbar eine Großkaliberpistole und Nebelgranaten bei sich. Er tötete zwölf Menschen, darunter einen Polizisten, der nach dem Notruf in die Kneipe geeilt war - 18 weitere Menschen wurden mit teils schweren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Der Täter hat sich danach offenbar selbst getötet. Sein Motiv sei noch nicht bekannt. Er habe in der Marine-Infanterie gedient, sagte der Polizeichef des Verwaltungsbezirks Ventura, Geoff Dean. "Es ist völlig egal, wie sicher eine Gegend zu sein scheint und wie niedrig die Verbrechensrate ist", sagte Dean, auch Sheriff der Kleinstadt, die Filme gerne als spießiges Gegenstück zu L. A. zeigen und die laut FBI als eine der sichersten Städte der USA gilt.

"Es gibt überall Leute, die nicht richtig sind im Kopf, und die begehen so entsetzliche Verbrechen wie dieses", sagte Dean. Er schloss nicht aus, dass der Schütze aufgrund seiner Militärzeit an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden könnte. Seinen Angaben zufolge ist der Angreifer wegen "kleiner Vorfälle" in der Vergangenheit polizeibekannt. Darunter ein Autounfall und eine Beschwerde über Ruhestörung, deretwegen ihn die Polizei im vergangenen April aufgesucht habe. Bei diesem Vorfall habe er "zornig" und "irrational" gewirkt. Experten hätten daraufhin seinen mentalen Zustand untersucht und ihn gehen lassen. Zeugen aus Thousand Oaks berichteten, dass der Täter zuerst auf einen Wachmann geschossen und Rauchbomben geworfen habe, bevor er das Feuer auf die Gäste eröffnete. "Ich habe mindestens 30 Schüsse gehört", sagte Taylor Whittler der Los Angeles Times. Sie hatte ihren 21. Geburtstag im Borderline gefeiert und sich durch einen Sprung aus dem Fenster gerettet, als der Täter nachladen musste. Ihre Freundin Erika Siegmann ergänzte: "Diese Bar ist ein sicherer Ort. Beängstigend, dass so was hier passieren kann."

US-Präsident Donald Trump lobte am Donnerstagmorgen auf Twitter die Rettungskräfte, die drei Minuten nach dem Notruf am Tatort eingetroffen seien: "Die Beamten haben großen Mut gezeigt." Der getötete Polizist habe laut Sheriff Dean vor dem Einsatz seine Frau angerufen ("Ich muss da jetzt rein. Ich liebe dich"), dann die Bar betreten und sich einen Schusswechsel mit dem Täter geliefert. Er sei mehrfach getroffen worden und seinen Verletzungen im Krankenhaus erlegen.

Die Schießerei in einer der sichersten Gegenden der USA dürfte Debatten über Waffenbesitz neu entfachen. Es heißt aus dem Umfeld der Polizei, der Täter habe seine Pistole in einem Geschäft der Gegend gekauft. Verfechter des zweiten Zusatzartikels der US-Verfassung dürften wieder argumentieren, dass sich die Sicherheit an öffentlichen Orten erhöhen ließe, wenn auch Lehrer oder Bedienungen eine Waffe tragen würden.

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