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Tödlicher Sturz vom Riesenrad in Bonn: Inhaber wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger vor 5 Tagen ULRIKE SCHÖDEL

Beim Abbau des Riesenrads auf dem Pützchens Markt kam es beim Sturm zu dem Unfall.

An der Stelle, an der sich der tragische Unfall ereignet hatte, waren nach dem Unglück Blumen und Kerzen aufgestellt worden. (Archivfoto) © Böschemeyer An der Stelle, an der sich der tragische Unfall ereignet hatte, waren nach dem Unglück Blumen und Kerzen aufgestellt worden. (Archivfoto)

Am 13. September 2017 zogen Sturmböen mit 60 Stundenkilometern über Bonn. Dennoch musste das 55 Meter hohe Riesenrad – wie auch die anderen Gewerke – nach Ende der Großkirmes Pützchens Markt abgebaut werden. Zur Arbeiter-Crew einer Schaustellerfamilie gehörte ein 31-jähriger Rumäne, der an diesem stürmischen Mittwoch den Auftrag hatte, in schwindelnder Höhe die sogenannte Sonne vom Riesenrad abzukoppeln, die Verriegelung zu lösen und an einem Kran zu befestigen. Anschließend sollte die blaue Sonne mit den zehn Sternen herabgelassen werden, für die ein Transportfahrzeug bereit stand. Mit großem Geschick jonglierte der Rumäne, offenbar nicht gesichert, über die 1,50 Meter große Nabe und erledigte die beauftragten Handgriffe. Er war bereits auf dem Rückweg, als er offenbar den Halt verlor und ungebremst 27 Meter in die Tiefe stürzte. Der 31-Jährige starb an den schweren Verletzungen.

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Verteidiger widerspricht den Vorwürfen

Den Todessturz vom Riesenrad habe, so wurde zunächst spekuliert, der Arbeiter selbst verschuldet. Tatsächlich jedoch wird er – nach dem Ergebnis einer Untersuchung des Kölner Amtes für Arbeitsschutz – doch noch ein Fall fürs Gericht. Denn die Bonner Staatsanwaltschaft hat einen 25-jährigen Mitinhaber des Unternehmens wegen fahrlässiger Tötung angeklagt, wie gestern Amtsgerichtssprecherin Gabriele Wester mitteilte. Das Familienmitglied einer Schausteller-Dynastie habe arbeitsrechtliche Vorschriften verletzt, so der Vorwurf. Laut Anklage war der junge Mann für die Sicherheit der bei ihm angestellten Arbeitnehmer zuständig. Zum einen habe der Rumäne, so die Anklage, nur ein unzureichendes Sicherungsgeschirr getragen, auch sei die Steigschutzeinrichtung am Riesenrad, in die er sich hätte einklinken müssen, defekt gewesen.

Berufsgenossenschaft soll Defekt moniert haben

Der Angeklagte habe, so die Staatsanwaltschaft, von den Sicherheitsmängeln gewusst. Denn bereits im September 2016, also ein Jahr vor dem tödlichen Unfall, habe die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe nach einer Betriebsbesichtigung in einem Bericht den Defekt moniert. Zudem müsse bei dieser gefährlichen Arbeit in der Mitte des 55 Meter hohen Riesenrades ein Sicherungsgeschirr mit zwei Strängen angelegt werden, das habe für den 31-Jährigen nicht zur Verfügung gestanden.

Der Verteidiger jedoch wehrt sich bereits vor dem Prozess gegen den Vorwurf: Sein Mandant trage keine Schuld an dem Unfall, da er „ausreichend Sicherungsmittel zur Verfügung“ gestellt habe. Selbst wenn die Steigschutzeinrichtung an dem Fahrgeschäft kaputt gewesen sei, so hätte sich der 31-Jährige an zwei Schrägverstrebungen der Nabe einklinken können; um einen Absturz zu verhindern, hätte auch ein Sicherungsgeschirr mit einem Strang ausgereicht. Der Prozess findet in Kürze vor dem Bonner Amtsgericht statt, er ist noch nicht terminiert.

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