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Tippfehler schafft Hunderte neue Studienplätze

SZ.de-Logo SZ.de vor 6 Tagen Von Andreas Glas, Regensburg
An die Ostbayerische Technische Hochschule werden mehr Studenten kommen, als geplant war. © Bereitgestellt von Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH An die Ostbayerische Technische Hochschule werden mehr Studenten kommen, als geplant war.

• Wegen einer Panne werden zum Wintersemester bis zu 450 zusätzliche Erstsemester ein Studium an der Ostbayerischen Technischen Hochschule in Regensburg beginnen.

• Eigentlich wollte die Hochschule nur 137 Erstsemester für das Fach Soziale Arbeit zulassen.

• Weil ein IT-Mitarbeiter einen Tippfehler machte, erhielten plötzlich mehr als 700 Bewerber ein Angebot für ein Studium.

Es sei "dramatisch", sagt Peter Endres. Er müsste das gar nicht sagen, man kann es an seinen Stirnfalten ablesen. Wenn bald das Wintersemester anfängt, werden deutlich mehr junge Leute als geplant ihr Studium an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) in Regensburg beginnen, bis zu 450 zusätzliche Erstsemester könnten es sein. Alles nur wegen dieser blöden Panne, wegen eines kleinen Fehlers. "Es ist ärgerlich", sagt Endres.

Was OTH-Kanzler Endres seit fünf Wochen weiß, das weiß seit Montagnachmittag auch die Öffentlichkeit. Da berichtete das Nachrichtenportal Regensburg Digital über einen Tippfehler, der die Hochschule "ins Chaos stürzen" könnte. Es geht um das Studienfach Soziale Arbeit und um das Online-Programm DOSV, das die Vergabe von Studienplätzen eigentlich einfacher machen sollte, nicht chaotischer. Maximal 150 Erstsemester wollte die OTH in dem Fach zulassen, doch weil ein IT-Mitarbeiter die Deckelung nicht korrekt in die DOSV-Datenbank eingetippt hatte, erhielten plötzlich mehr als 700 Bewerber ein Angebot für ein Studium in Regensburg. Der IT-Mitarbeiter, sagt Endres, sei "in der Zeile verrutscht".

Nun hat die OTH ein Problem. Es fehlt nicht nur am Lehrpersonal, um alle angehenden Sozialpädagogen zu betreuen, es fehlt auch an Hörsälen und Seminarräumen. Der Kanzler erwartet "die ein oder andere Unbequemlichkeit" - zum einen für die Dozenten, die sich auf Überstunden einstellen müssen; zum anderen für die Studenten, die in größeren Kursen enger zusammenrücken müssen. Immerhin: Von den mehr als 700 Bewerbern, die ein Studienangebot bekamen, haben sich weniger als 600 tatsächlich eingeschrieben. Um die Zahl noch weiter zu drücken, hat die OTH allen potenziellen Neulingen angeboten, ihr Studium auch noch im kommenden Sommer- oder Wintersemester beginnen zu dürfen. Erfahrungsgemäß treten zudem nicht alle eingeschriebenen Studenten ihr Studium auch an. Trotzdem rechnet die OTH mit rund 500 Erstsemestern.

"Wir werden alles tun, um auch in diesem Wintersemester ein hochwertiges Studium zu organisieren", verspricht Kanzler Endres. Dafür wurde inzwischen eine neue Vollzeitstelle geschaffen und eine weitere Fakultäts-Assistentin eingestellt. Auch zusätzliche Lehrbeauftragte hat die Hochschule verpflichtet, weitere Dozenten sollen noch folgen. Dazu werde man "alle verfügbaren Räume ausreizen", sagt OTH-Sprecherin Diana Feuerer. Für die Studenten könne dies bedeuten, dass sie zwischen dem Campus und anderen OTH-Standorten in der Stadt pendeln müssen.

Was dem IT-Mitarbeiter blüht, der die Sache verbockt hat, darüber will Endres nicht reden. "Ein blöder Fehler" sei das gewesen, andererseits "ein Fehler, der jedem passieren kann" und auch deshalb passiert sei, weil das Zulassungssystem DOSV nicht optimal funktioniere. Endres sagt: "Bei einer Online-Bestellung sehe ich, was in meinem Warenkorb liegt, bevor ich endgültig bestelle", beim DOSV-Programm dagegen fehle diese Funktion. Deshalb habe niemand mehr prüfen können, ob alle Eingaben korrekt waren. "Das muss dringend optimiert werden", sagt Endres.

Nicht das erste Mal, dass eine Hochschule über Pannen der Datenbank klagt. Seit sieben Jahren gibt es das Programm, doch die technischen Mängel werden nur langsam weniger. Dies dürfte auch ein Grund sein, weshalb im Wintersemester 2016/17 nur 103 der rund 180 staatlichen Hochschulen mit dem Programm arbeiteten, das irgendwann flächendeckend an allen deutschen Hochschulen eingesetzt werden soll, um Mehrfachbewerbungen von Studienanfängern zu koordinieren. "Ich gehe davon aus, dass unser Team im Dialog mit der OTH Regensburg steht", sagt Patrick Holtermann, Sprecher der Stiftung für Hochschulzulassung, die für die Datenbank verantwortlich ist. Man sei "bestrebt, die Anregung aufzunehmen", um das Zulassungssystem weiter zu verbessern.

Kurz nach Beginn der Bewerbungsfrist hatte die OTH Regensburg ihren Fehler zwar bemerkt, doch war es da bereits zu spät, die Sache zu stoppen. Der Grund: Jeder Bewerber, der ein Studienangebot über DOSV annimmt, wird von den Bewerberlisten anderer Hochschulen gelöscht, an denen er sich noch beworben hatte. Hätte die OTH das Bewerbungsverfahren also nachträglich korrigiert, hätte dies einen Wettbewerbsnachteil für manche Bewerber bedeutet. Die Zulassungshürde für das Fach Soziale Arbeit lag in Regensburg zuletzt bei einem Abiturschnitt von 2,1. Wegen des Tippfehlers steht das Studium nun denen offen, die das Abi nur mit Ach und Krach bestanden haben.

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