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Tragödie mit elf Toten in Ägypten: Zehn Männer wollen Jungen retten – und ertrinken

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 11.07.2020 Sven Lemkemeyer

An einem Strand der Stadt Alexandria hat sich ein kaum vorstellbares Drama abgespielt. Ein Retter nach dem anderen springt in die Fluten. Keiner überlebt.

Die Strande von Alexandria gelten als gefährlich. © Archivfoto: Imago Images/Panthermedia/Baloncici Die Strande von Alexandria gelten als gefährlich.

Die Tragödie an dem Strand der nordägyptischen Alexandria begann damit, dass ein kleiner Junge ins Meer rannte und im Wasser offensichtlich in Schwierigkeiten geriet. Ein Mann Mann sprang ins Wasser, um ihn zu helfen, ging aber auch unter. Mehrere internationale Medien wie die „New York Times“ berichten, insgesamt seien dann weitere neun Männer ums Leben gekommen. Den Berichten zufolge sprangen sie am Strand Al Nakheel (auch Palm Beach) einer nach dem anderen ins Meer, ertranken aber ebenfalls, wie die Tourismusverwaltung der Stadt mitteilte.

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Notfallteams bargen sechs Leichen und suchten am späten Freitagabend noch nach den übrigen Opfern. Unklar blieb zunächst, ob es sich bei der Gruppe um Verwandte handelte.

Die Strände von Alexandria sind im Sommer sehr beliebt. Wie die englischsprachige Zeitung Egypt today am Samstag online berichete, wurde der Al-Nakheel-Strand 2018 von Nutzern in den sozialen Medien als „der Todesstrand“ bezeichnet, da die Zahl der Ertrinkenden stark zugenommen hatte.

In sozialen Medien heißt Palm Beach „der Todesstrand“

Das Blatt berichtet, dass nach Angaben des Gouverneurs von Alexandria, Moahmed al Sherif, damals dort rund 16 Menschen täglich ertranken. „Aufgrund der vielen Todesopfer und der starken Strömungen, die zum Ertrinken führen, ist es einer der gefährlichsten Strände, besonders für die, die nicht gut schwimmen können.“, sagte der Gouverneur demnach. Politiker haben bereits gefordert, den Strand zu sperren.

Dies ist zurzeit sogar der Fall, da wegen der Coronavirus-Pandemie alle Strände gesperrt und deshalb auch keine Rettungsschwimmer im Dienst sind. Offenbar hatte sich die Gruppe in der Morgendämmerung an den Strand begeben in der Hoffnung, nicht von der Polizei erwischt zu werden, die die Strandsperrungen überwachen soll.

Da die Temperaturen in Alexandria derzeit bei rund 30 Grad liegen, befürchten die Behörden, dass es an den Stränden zu weiteren Todesfällen kommen könnte, wenn die Menschen trotz der Sperrungen im Meer Abkühlung suchen.

Ägypten öffnet sich wieder für Touristen

Das bei internationalen Touristen populärste arabische Land hatte seinen ersten bestätigten Coronavirus-Fall am 14. Februar. Wegen der Pandemie wurden Museen, archäologische Sehenswürdigkeiten, Geschäfte, Cafés und Restaurants im Land geschlossen. Ägypten registriert nach Angaben der amerikanischen Johns Hopkins Universität bisher mehr als 80.200 Coronavirus-Infektionen und mehr als 3700 Tote.

Nach mehr als drei Monaten öffnet sich Ägypten nun langsam wieder, das gilt auch für Attraktionen wie die berühmten Pyramiden von Gizeh, die wieder besichtigt werden können. Das Land hofft so den angeschlagenen Tourismussektor wieder ankurbeln zu können.

Anfang des Monats wurde auch der reguläre internationale Flugverkehr wieder aufgenommen, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtete. Nach Angaben von Egypt Air gibt es zunächst Verbindungen zu mehr als 20 Zielen. Auf die Liste stehen einem Sprecher zufolge auch Frankfurt, München und Berlin. Allerdings gelten für Menschen aus Ägypten EU-weite Einreisebeschränkungen. Die Bundesregierung stuft das Land weiterhin als Coronavirus-Risikogebiet ein.

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