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US-Ostküste: Gut versorgt nach dem Hurrikan

dw.com-Logo dw.com 25.09.2018 Lisa Hänel
Notarzt David Callaway © Atrium Health Notarzt David Callaway

Ein Hurrikan ist ein Kraftakt: Noch immer leidet die Ostküste der USA unter den Fluten, die Sturm Florence gebracht hat. Mediziner und Apotheker haben alle Hände voll damit zu tun, den Menschen Hilfe zukommen zu lassen.

David Callaway wurde gerufen, als nichts mehr ging. Als Sturmfluten, nicht enden wollender Regen und Windböen es unmöglich machten, das örtliche Krankenhaus geöffnet zu halten. Callaway ist Notarzt und führt derzeit ein Team aus Ärzten, Krankenschwestern und Technikern in einem Gebiet, das unwegsam und kaum passierbar ist. Es sind die Wassermassen, die das Leben im Pender County lahm gelegt haben. Der Bezirk im US-Bundesstaat North Carolina ächzt unter den Folgen des Wirbelsturms Florence, der seit zwei Wochen die Ostküste der USA im Griff hat.

Callaway und sein Team sind mit einem mobilen Krankenhaus gekommen - ein Lastwagen ausgestattet mit allem, was Callaway braucht: OP-Tisch, Röntgengerät, Medikamente. "Mittlerweile wissen die Menschen, dass wir hier sind. Sie kommen zu uns, um Medikamente zu holen. Aber wir fahren auch zu denen hin, die Hilfe brauchen", sagt Callaway der DW. Eine Frau habe sogar schon im mobilen Krankenhaus ein Kind geboren.

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Versorgung trotz Warnung

Wirbelstürme wie Florence fegen mit Windstärken von über 100 km/h über Landstriche und hinterlassen massive Verwüstungen. Um die Auswirkungen auf die Menschen vor Ort so gering wie möglich zu halten, tritt ein ausgeklügeltes System in Kraft, sobald der zuständige Gouverneur des Bundesstaates eine Notstandswarnung herausgegeben hat. Das betrifft ganz besonders die medizinischen Fachkräfte: Apotheken, Krankenhäuser, Altenheime. Sie alle müssen die Evakuierungsaufforderungen der Behörden beachten, sich aber trotzdem weiter um ihre Patienten kümmern.

Hurrikan Florence hat vor allem in North und South Carolina große Zerstörungen angerichtet © DW/L. Hänel Hurrikan Florence hat vor allem in North und South Carolina große Zerstörungen angerichtet

Vor diesem Dilemma stand Barbara Dunning, als der Gouverneur von South Carolina eine Notstandsmeldung herausgab. Sehr früh, Tage bevor der Sturm auf Land treffen sollte. "Das hat eine Verunsicherung ausgelöst. Sehr viele Menschen haben sich für die Evakuierung gerüstet und wollten genug Medikamente mitnehmen", sagt Dunning. Sie führt eine der ältesten Apotheken South Carolinas in dritter Generation.

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Fehler im System

Dunning sitzt in ihrer Apotheke Guerin's Pharmacy in Summerville zwischen modernen Kunststoffverpackungen und antiken Braunglasflaschen, die an die Zeit erinnern, als die Apotheke Ende des 19. Jahrhunderts eröffnet wurde. Nichts erinnert mehr an die Zwölf-Stunden-Schichten, die Dunning und ihre Mitarbeiter noch vor wenigen Tagen schieben mussten. Oder an die Warteschlange, die bis hinaus auf die Strasse führte. "Wir hatten 150 zusätzliche Patienten, jeden Tag. Wir mussten fast täglich neue Medikamente bestellen. Besonders Insulin und Antibiotika", sagt Dunning der DW. In diesem Umfang habe sie das vorher noch nie erlebt.

Apothekerin Barbara Dunning (li.) und ihr Team versuchen, ihre Kunden weiter mit Medikamenten zu versorgen. © DW/L. Hänel Apothekerin Barbara Dunning (li.) und ihr Team versuchen, ihre Kunden weiter mit Medikamenten zu versorgen.

Sie macht vor allem die großen Apothekenketten wie Walgreens und CVS dafür verantwortlich, dass sich die Patienten an ihre kleinere Apotheke wenden mussten: "Walgreens hat sehr schnell die Geschäfte geschlossen. Sogar Medikamente, die vorbestellt waren, verschwanden hinter geschlossenen Türen." Dunning habe die ersten Tage damit verbracht, Versicherungen anzurufen, damit Patienten nicht doppelt bezahlen müssen: Einmal für die Medikamente in den großen Ketten, an die sie nicht mehr herankamen und dann noch einmal für die Medikamente, die sie jetzt bei Dunning bestellten. Auf eine Anfrage der DW zu diesem Vorfall reagierte Walgreens nicht.

Gerüstet für den Ernstfall

Wenn nur ein Rädchen im Getriebe der medizinischen Versorgung nicht reibungslos läuft, merken das auch die Krankenhäuser. Vier Tage bevor ein Hurrikan auf Land treffen soll, setzen die Vorbereitungen ein. Fast alle Krankenhäuser würden versuchen, offen zu bleiben. Nur im absoluten Notfall würden selbst große Krankenhäuser geschlossen, sagt Juli Henry, Vizepräsidentin der "North Carolina Healthcare Association”, die 130 medizinische Einrichtungen vertritt.

Das Roper Hospital in Charleston, South Carolina © DW/L. Hänel Das Roper Hospital in Charleston, South Carolina

Genau dieses Ziel - möglichst lange für die Patienten da zu sein - verfolgt auch das Roper Hospital in Charleston, South Carolina. "Wir prüfen das ganze Jahr über, ob wir gut gerüstet sind, den Betrieb auch bei einem Hurrikan aufrechtzuerhalten", sagt Notfallmanager Josh Bates. Voraussetzung dafür sind: genügend Strom, Wasser, Medikamente und Mitarbeiter, die eine Notfallsituation stemmen können. Das alles konnte das Roper Hospital leisten. Um aber tatsächlich trotz Evakuierungsaufforderung die Patienten vor Ort versorgen zu dürfen, braucht das Krankenhaus die Genehmigung des Gouverneurs.

"Und auf diese mussten wir zwei Tage warten. Hätten wir wirklich evakuieren müssen, hätte uns das in Bedrängnis gebracht.Wir hätten es geschafft, natürlich, aber es wäre ein Kraftakt gewesen", sagt Bates.

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Nach dem Sturm

Apotheken, die zu früh schließen. Gouverneure, die zu spät reagieren - die medizinische Versorgung während eines Hurrikans ist eine wacklige Angelegenheit. Schnell kann ein eigentlich perfektes System in eine Schieflage geraten. Dennoch: Tausende Menschen arbeiten während eines Hurrikans daran, eine medizinische Versorgung aufrechtzuerhalten. Seien es Krankenhäuser etwas weiter weg vom Zentrum des Sturms, die Hunderte zusätzliche Patienten aus den evakuierten Gebieten aufnehmen, oder seien es Ärzte, wie Callaway, die ohne Pause arbeiten, um eingeschlossene Patienten zu versorgen.

Land unter heißt es noch immer in vielen Gebieten an der US-Ostküste © Reuters/J. Drake Land unter heißt es noch immer in vielen Gebieten an der US-Ostküste

Und die Arbeit endet nicht dann, wenn der Sturm auf Land getroffen ist: "Hurrikan Florence ist für unsere Mediziner deshalb so herausfordernd, weil er so lange dauert”, sagt Julie Henry von der North Carolina Healthcare Association. "Normalerweise dauert ein Hurrikan drei Tage. Dieser hier dauerte fünf Tage. Und dann kamen erst die Sturzfluten."

Es ist diese Zeit, die Notfallmanager Bates beschäftigt: "Ich sorge mich vor allem um die Versorgung der Patienten nach dem Hurrikan.” Es ist auch diese Zeit, in der die Arbeit des Notarztes Callaway erst richtig angefangen hat. Und es ist kein Ende in Sicht: Noch immer arbeitet er zwölf Stunden täglich.

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Autor: Lisa Hänel

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