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Was wir über den Öltanker-Stau am Bosporus wissen

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 07.12.2022 RP ONLINE

Washington. 20 Öltanker aus dem Schwarzmeer hängen vor der Türkei fest. Das hat Anlass zu Spekulationen über einen Zusammenhang mit dem Ölpreisdeckel der EU gegeben. Doch der Grund liegt anderswo.

Im Schwarzen Meer ankernde Frachtschiffe warten Mitte November auf die Durchfahrt durch die Meerenge Bosporus (Archivfoto). Im Schwarzen Meer ankernde Frachtschiffe warten Mitte November auf die Durchfahrt durch die Meerenge Bosporus (Archivfoto).

Der Stau im Tankerverkehr von den russischen Schwarzmeerhäfen zum Mittelmeer ist Vertretern der G7-Länder zufolge nicht das Ergebnis der Preisobergrenze für russisches Öl, sondern auf eine neue türkische Versicherungsvorschrift zurückzuführen. Von den 20 betroffenen Rohöltankern scheinen alle bis auf einen kasachisches - und nicht russisches - Öl zu transportieren und würden „in keinem denkbaren Szenario“ unter den Preisdeckel fallen, erklärte eine mit der Angelegenheit vertraute Person aus G7-Kreisen am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Seit Montag dürfen EU-Schifffahrtsunternehmen nach einem Beschluss der G7-Staaten und Australien russisches Rohöl nur noch befördern, wenn es unter oder zu der G7-Preisobergrenze von 60 Dollar pro Fass verkauft wird. Doch davon sind Öltanker mit einer Ladung aus anderen Ländern nicht betroffen.

Stattdessen ist offenbar eine Regelung der türkischen Regierung dafür verantwortlich, dass das Rohöl von den Schiffen aus dem Schwarzmeer kommend nicht weitertransportiert wird. Die türkischen Schifffahrtsbehörden haben im vergangenen Monat eine Mitteilung herausgegeben, in der sie von den Versicherern zusätzliche Garantien verlangen, dass die Durchfahrt durch den Bosporus ab dem 2. Dezember abgedeckt ist. „Wir werden weitere Verzögerungen erleben, wenn Eigentümer oder Betreiber nicht die erforderlichen Garantien bieten können“, sagte ein Insider.

Täglich werden Millionen von Barrel Öl von russischen Häfen durch die schmale türkische Meerenge am Bosporus in das Marmarameer und dann weiter durch die Dardanellen in das Mittelmeer transportiert. Die durchschnittliche Wartezeit am Bosporus in Richtung Süden liegt aktuell bei vier Tagen für Schiffe mit einer Länge von mehr als 200 Metern, während sie Mitte November noch bei einem Tag lag.

Der Schifffahrtsagentur GAC zufolge warteten derzeit 13 Schiffe auf die Durchfahrt durch den Bosporus in Richtung Süden - allesamt Öltanker, von denen zehn nach der Beladung im russischen Hafen Noworossijsk mit Rohöl gefüllt sind. Nach Angaben der Schifffahrtsagentur Tribeca warten zudem neun Öltanker darauf, die Dardanellen weiter in Richtung Süden passieren zu können.

„Die Preisobergrenze verlangt von den Schiffen nicht, dass sie sich für jede einzelne Reise um Versicherungsgarantien bemühen, wie es die türkische Regelung vorschreibt“, sagen mehrere Regierungsvertreter. „Die Störungen sind das Ergebnis der türkischen Regelung, nicht der Price-Cap-Politik“.

Der von der EU gegen Russland verhängte Ölpreisdeckel könnte allerdings andere negative Folgen haben. „Das Risiko eines Tanker-Unglücks ist so groß wie lange nicht mehr“, sagte der Leiter des Russland-Instituts am Londoner King's College, Adnan Vatansever, dem „Spiegel“ (Dienstag). Grund hierfür sei, dass Russland eine „Schattenflotte“ aus mindestens 100 gebrauchten Tankern zusammengekauft habe, um die Restriktionen des Westens zu umschiffen.

Die meisten dieser Schiffe sind laut Vatansever „ziemlich alt“. Er wisse nicht „in welchem Zustand zum Beispiel die Schiffe aus Iran und Venezuela sind – Staaten, deren Wirtschaft seit Jahren unter westlichen Sanktionen leidet“.

Vatansever bezweifelt aber, dass es Moskau gelingen wird, ohne westliche Schiffe auszukommen. „Die Schattenflotte“ sei nicht groß genug. Laut Insidern würde die russische Ölindustrie etwa 240 Tanker benötigen, um ihre Exporte vor Rohöl und Produkten wie Benzin und Diesel abzuwickeln.

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