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Wichtige Beweisstücke im Fall Lügde verschwunden

SZ.de-Logo SZ.de 21.02.2019 SZ.de/dpa
Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. © dpa Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden.

NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einem "Polizeiskandal". Vier Sonderermittler sollen das Verschwinden aufklären.

• Bei den Ermittlungen im Missbrauchsfall von Lügde ist Beweismaterial verloren gegangen.

• 155 CDs/DVDs sind aus Räumen der Kriminalpolizei im Kreis Lippe verschwunden.

• NRW-Innenminister Herbert Reul spricht von einem "Polizeiskandal" und einem "Desaster".

Bereits seit mehreren Wochen ist bei den Ermittlungen im Missbrauchsfall Lügde Beweismaterial verschwunden. Ein Koffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern würden seit dem 20. Dezember in der Kreispolizeibehörde Lippe vermisst. Das teilte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Donnerstag in Düsseldorf mit. Vier Sonderermittler seien eingesetzt worden, um das Verschwinden aufzuklären.

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Das Fehlen der Asservate sei erst am 30. Januar bemerkt worden. Nur 3 CDs seien davon bisher ausgewertet worden. Ob auf den Datenträgern mit 0,7 Terabyte Speicherplatz auch kinderpornografisches Material war, sei daher unklar. "Man muss hier klar von Polizeiversagen sprechen", sagte Reul. Der größte Teil von 15 Terabyte Filmmaterial war von der Polizei aber bereits gesichert worden.

Der 56-jährige Dauercamper Andreas V. soll in Lügde mindestens zehn Jahre lang mindestens 31 Mädchen und drei Jungen im Alter zwischen vier und 13 Jahren in mehr als 1000 Fällen sexuell missbraucht haben, in einem alten Campingwagen, der von allen Seiten von selbstgebauten Holzverschlägen eingefasst ist. Die Parzelle liegt am Rande des Campingplatzes "Eichwald" im abgeschiedenen 9500-Einwohner-Städtchen Lügde im Teutoburger Wald.

Wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornografie sitzen neben Andreas V. als Hauptverdächtiger ein 33-Jähriger aus Steinheim und ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen in Untersuchungshaft. Bislang sind 31 minderjährige Opfer im Alter zwischen 4 und 13 Jahren identifiziert. Sie kommen zum Großteil aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine Anzeige im November 2018. Zusätzlich zu den Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen und mehrere Jugendämter steht auch die Polizei in der Kritik. Gegen zwei Beamte wird laut Reul wegen Strafvereitelung ermittelt. Es werde genau geprüft, ob sie die Tatverdächtigen möglicherweise persönlich kannten. Warum die Datenträger aus dem Raum in der Polizeibehörde Lippe verschwunden sind, konnte Reul zunächst nicht sagen. Er wollte Vorsatz nicht ausschließen.

Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Nach Telefongesprächen mit den Zeugen leiteten die Beamten die Hinweise an das Jugendamt weiter. Weitere Schritte blieben aber aus. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt daher auch gegen die Polizei. Gegen eine weitere Person wird wegen des Verdachts der Datenlöschung ermittelt. Gegen diesen Verdächtigen führt die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung. Geprüft wird, ob die Person Daten für einen der drei Hauptverdächtigen gelöscht hat und ob damit eine Bestrafung verhindert werden sollte.

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