Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Wolf getötet: Notwehr oder ein illegaler Abschuss?

Berliner Kurier-Logo Berliner Kurier 22.01.2019 Jens Blankennagel
Der Wolf galt in Deutschland als ausgerottet. Doch er ist in seinem angestammten Gebiet längst wieder heimisch geworden – besonders in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. © Klaus-Dietmar Gabbert/ZB/dpa Der Wolf galt in Deutschland als ausgerottet. Doch er ist in seinem angestammten Gebiet längst wieder heimisch geworden – besonders in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen.

Der Abschuss eines Wolfes durch einen Jäger am Freitag sorgt für Diskussionen unter den Tierschützern und bei den Gegnern dieser streng geschützten Tiere. Die Gegner würden es nun sogar begrüßen, wenn sich der Jagdgast aus Holland vor Gericht für den Abschuss verantworten muss, weil dann von der Justiz geklärt ist, unter welchen Bedingungen der Abschusses eines Wolfes erlaubt und wann er verboten bleibt.

Wie die Polizei am Montag mitteilte, fand die Jagd bereits am Freitag statt in einem Waldgebiet zwischen Rädigke und Grubo (Potsdam-Mittelmark). „Die Polizei wurde am Freitagnachmittag vom Verantwortlichen einer Treibjagd darüber informiert, dass wenige Stunden zuvor, im Rahmen dieser Treibjagd ein Wolf von einem teilnehmenden Jäger erschossen wurde“, sagte Polizeisprecher Oliver Bergholz.

„Zum Schutz der Hunde geschossen“

Die Polizei hat den Schützen, aber auch andere Jäger als Zeugen befragt. „Sie sagten, dass der Wolf zuvor Jagdhunde, die die Treibjagd unterstützten, angegriffen haben soll“, sagte Bergholz. „Der Schütze sagte auch, dass er zum Schutz der angegriffenen Hunde geschossen zu haben.“ Zuvor habe er einen Warnschuss abgegeben, auf den der Wolf jedoch nicht reagiert haben soll.

Es wurde eine Anzeige wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen. Über den weiteren Verlauf entscheidet die Staatsanwaltschaft.

Die Details dieses Falls sind deshalb so wichtig und brisant, weil sich das Ganze zu einem bundesweiten juristischen Präzedenzfall entwickeln kann in der seit Jahren laufenden und immer heftiger werdenden Wolfs-Debatte.

Obwohl der illegale Abschuss eines streng geschützten Wolfes eine Straftat ist, die mit bis zu fünf Jahren Haft und in Brandenburg mit bis zu 50000 Euro Geldstrafe geahndet werden kann, werden immer wieder Wölfe geschossen. Meist geschieht dies illegal, dann gilt meist die alte 3-S-Regel: Schießen, Schaufeln, Schweigen.

Das könnte Sie auch interessieren:

Brandenburg: Jäger erschießt Wolf – Tier soll Hunde angegriffen haben

Schicksal: Welpe Rudolph wird eingeschläfert, doch dann passiert ein Wunder

Union fordert „wolfsfreie Zonen“

Die Wolfsgegner wollen nun aber, dass die Population der Wölfe begrenzt wird. Dies forderte im vergangenen Herbst auch die Union-Bundestagsfraktion. Sie plädiert dafür, dass der Schutzstatus des Wolfs gesenkt wird und dass es „wolfsfreie Zonen“ gibt, in denen Wölfe auch erlegt werden können.

Bislang dürfen im Land Brandenburg nur „Problem-Wölfe“, die Menschen und ihren Nutztieren zu nahe kommen, mit einer Sondergenehmigung erschossen werden. Doch Wolfsgegner wollen, dass dies auch im Falle von Notwehr erlaubt ist. Genau darauf beruft sich der Jagdgast aus Holland.

Auf der Internetseite des Jagdmagazins Jawina heißt es, dass es sich am Freitag um eine Drückjagd handelte. Dabei treiben Leute die Tiere durch einen Wald in Richtung der Jäger, die die Tiere dann erlegen können. Im Bericht hieß es, dass gleich am Anfang der Jagd ein Wolf gesichtet wurde. „Ein Wolf zog auf zehn Meter an einem holländischen Jagdgast vorbei“, heißt es bei Jawina. „Selbstverständlich schoss der Jäger in dieser Situation nicht.“

Mehrere Rehe waren auch zu sehen, der Wolf lief weiter. Dann kamen mehrere „Stöberhunde“. „Der Wolf machte sofort kehrt und griff die Jagdhunde an. Der Jäger versuchte, den Wolf durch lautes Pfeifen und Schreien zu vertreiben, gab schließlich einen Warnschuss ab.“ Doch der Wolf habe sich nicht beeindrucken lassen. „Der Jäger – selber Hundeführer – sah keine andere Chance mehr, um zu verhindern, dass Hunde getötet werden. Er sah einen rechtfertigenden Notstand gegeben und gab einen gezielten Schuss auf den Wolf ab.“

Ein andere Jäger habe alles genau gesehen. Mehrere Hunde mussten wegen ihrer Blessuren von Tierärzten behandelt werden.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Beim Potsdamer Landesamt will und kann man den Fall vorerst nicht bewerten. „Die Polizei führt das Ermittlungsverfahren und hat die Jäger befragt“, sagte Behördensprecher Thomas Frey, „deshalb können wir auch gar nicht beurteilen, ob es ein legaler oder illegaler Abschuss war. Da müssen wir die Ermittlungen abwarten.“

Bei den Wolfsgegner vom Bauernbund heißt es: Wenn alles so stattgefunden hat, wie bislang bekannt, „dann hat der Jäger absolut korrekt gehandelt“, sagte Verbandssprecher Reinhard Jung. „Egal, ob Jagdhund oder Zuchtkalb – es ist das Recht jedes Tierhalters, besonders wertvolle Tiere in Notwehr gegen angreifende Wölfe zu verteidigen. Der betroffene Jäger hat unsere volle Solidarität.“ Damit meint Jung, dass sie dem Jäger auch juristisch helfen werden. „Sollte es zu einem Prozess kommen, werden wir ihm unsere Hilfe anbieten.“

Der Bauernbund hat vom bekannten FDP-Politiker und Anwalt Wolfgang Kubicki ein Rechtsgutachten erstellen lassen, in dem aufgezeigt wird, in welchen absoluten Ausnahmen eine Notwehrsituation besteht und ein Jäger oder Tierhalter einen Wolf erschießen könnte, ohne dafür bestraft zu werden.

„Der Jäger hat sich genauso verhalten, wie es laut Rechtsgutachten nötig ist, damit es Notwehr ist“, sage Jung. „Es wäre eigentlich sogar gut, wenn es zu einem Prozess kommt, denn bislang haben wir nur das Gutachten und das ist nur eine mögliche Rechtsauffassung. Nach einem Prozess aber wäre klar, ob diese Sicht auch stimmt.“

Mehr auf MSN

Video wiedergeben
| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Berliner Kurier

Berliner Kurier
Berliner Kurier
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon