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XXL-Trattoria : Ansturm auf größtes Restaurant Europas in Paris

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 05.09.2018 Axel Veiel
Die Mega-Bar im La Felicità © Axel Veiel Die Mega-Bar im La Felicità

Vergessen Sie alles, was Sie über Paris wissen. Nichts von dem, was man der Stadt nachsagt, findet sich in La Felicità wieder. Paris, ein altehrwürdiges Ensemble von Bürgerhäusern? Von wegen.

Das eine Straßenecke vom linken Seine-Ufer entfernte Restaurant hat in einer ehemaligen Bahnhofslagerhalle Quartier bezogen, gefertigt aus Beton, Zement und Glas.

Blick von der Mezzanine © Axel Veiel Blick von der Mezzanine

Feines Essen – das gibt es nur in feinsten Restaurants für reiche Gourmets? Oder im authentischen, kleinen Bistro für Insider? Falsch. Eine fröhliche Massenveranstaltung ist das hier, zugänglich für jedermann. Im Felicità kümmern sich 144 Angestellte um 1200 Gäste, die an knapp einem Dutzend Theken Bio-Pizza (8 Euro), Trüffelpasta (16 Euro) oder auch Feigen- und Haselnuss-Torte aus dem Piemont (5 Euro) ordern.

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4500 Quadratmeter Fläche

Mit 4500 Quadratmetern Bewirtungsfläche ist die Trattoria Europas größtes Restaurant. Und so groß es auch ist, voll ist es meistens auch.

Reservierungen nimmt das Felicità nicht entgegen. Das Ergebnis sind Warteschlangen. Wer sich einer der Essenstheken entgegenschiebt, kann den Weg säumenden Schildern entnehmen, nach wie vielen Minuten er voraussichtlich am Ziel sein wird.

Zimmerlinden, Fächerpalmen und Orangenbäume streben dem Gewölbedach entgegen. Im Hauptgang abgestellte Eisenbahnwagen erinnern an die ehemalige Bestimmung der Halle.

Bistrotische © Axel Veiel Bistrotische

Eine mit Büchern und Leselämpchen bestückte Mezzanine verbreitet Arbeitsatmosphäre, um die es freilich schnell geschehen sein dürfte, wenn Bands auf der nahen Bühne spielen.

Und dann ist da noch, was mit „Cocktail-Bar“ ein geradezu verniedlichendes Etikett erhalten hat. Über den Köpfen von Gästen und Barkeepern ragt ein fünfstöckiges Flaschenregal empor.

So verwirrend vielfältig sich La Felicità auch präsentiert, das Essen steht im Mittelpunkt. Denn welches Ambiente man auch immer aufsucht, überall stehen Tische und Stühle, überall wird gegessen.

Essen und Arbeiten © Axel Veiel Essen und Arbeiten

Die Italienerin Lara Migliaccio, Ärztin im nahen Pitié-Salpêtrière-Krankenhaus und Stammgast im Felicità, sitzt vor einer Kupferpfanne mit Trüffelpasta. Dass die aus Migliaccios Heimat stammende Spezialität hier derart authentisch gereicht wird, entzückt die 43-Jährige jedes Mal aufs Neue: „Wie bei uns, überhaupt nicht an den ausländischen Gaumen angepasst“, sagt sie.

Die Besitzer Victor Lugger und Tigrane Seydoux, beide 33 Jahre alt, empfehlen La Felicità als Ort, „wo man sich den ganzen Tag über wohlfühlt“. Geöffnet ist von acht Uhr morgens bis zwei Uhr morgens.

Alle Altersgruppen vertreten

Die beiden Unternehmer haben in den vergangenen drei Jahren bereits mehrere Trattorien in Paris eröffnet, alle mit demselben Prinzip und in trendigen Vierteln.

Verwirrend vielfältig wie das Interieur ist auch das Publikum. Sämtliche Altersgruppen sind vertreten. Nicht weit von der Italienerin trifft man auf den 24-jährigen Romain Carre und den 90-jährigen Michel Delaqueize.

Carre zählt zu den die XXL-Trattoria stürmenden Start-uppern des benachbarten Inkubators Station F, auch er in Europa der größte seiner Art. Rund 1000 junge Unternehmerinnen und Unternehmer entwickeln dort innovative Geschäftsideen. Er arbeite an einer App, die Personalchefs die Suche nach Arbeitskräften erleichtern solle, erzählt er.

Delaqueize erfreut sich an der Weltoffenheit des Orts. Als Seemann, Unternehmer und Maler hat er sich einst seinen Lebensunterhalt verdient. Der Mann im ausgebleichten rosa Anzug deutet nach draußen. „Ich wohne gleich nebenan“, erzählt er.

Kritik an Pasta-Disneyland

Für die Anrainer im 13. Pariser Arrondissement sei die Mammut-Trattoria gewöhnungsbedürftig. Habe man seine Berührungsängste aber erst einmal überwunden und hineingeschaut, werde man schnell Stammgast.

Für Platzhirsche der Pariser Gastronomie sind die Warteschlangen ein Unding und der Rest auch. La Felicità sei gastronomisches Disneyland, schimpft Minou Sabahi, die im Nobelrestaurant Le Bien Venu die Geschäfte führt.

Denn auch im Disneyland weiß man genau, was man kriegt. Und trotz aller Buntheit ist alles ganz genau kalkuliert. Und es stimmt ja auch. La Felicità ist so gar nicht, wie es sich für einen Pariser Gourmettempel gehört. Aber gerade deshalb für die Pariser eben ungeheuer faszinierend.

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