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Aktivisten melden 15 Tote nach türkischen Angriffen in Nordsyrien

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 10.10.2019 RP ONLINE

Istanbul/Damaskus. Mit ihrer Offensive will die Türkei gegen Kurdenmilizen in Nordsyrien vorgehen. Geschosse schlagen auf beiden Seiten der Grenze ein. Die Offensive der Türkei wird international verurteilt – auch von Donald Trump, der die US-Truppen überraschend abgezogen hatte.

 Zivilisten fliehen aus der Region um Ras al-Ain in Syrien, die von der Türkei bombardiert wird. © DELIL SOULEIMAN Zivilisten fliehen aus der Region um Ras al-Ain in Syrien, die von der Türkei bombardiert wird.

In den ersten Stunden nach Beginn des türkischen Angriffs auf die Kurden im Norden Syriens sind nach Berichten von Aktivisten mindestens 15 Menschen getötet worden, darunter acht Zivilisten. Unter den zivilen Opfern seien auch zwei Kinder, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch. Bei den anderen Toten handele es sich um Kämpfer der von Kurden angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF). Die Menschenrechtler berichteten zudem von mehr als 40 Verletzten, darunter 13 Zivilisten.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigte den Beginn der Militäroffensive am Mittwochnachmittag per Twitter. „Unsere Streitkräfte haben zusammen mit der syrischen nationalen Armee im Norden Syriens die Operation Quelle des Friedens gegen die Terrororganisationen PKK/YPG und DEAS begonnen“, schrieb er.

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Türkische Kampfjets beschossen die Grenzstadt Ras al-Ain, die gegenüber dem türkischen Ort Ceylanpinar in der südosttürkischen Provinz liegt. Ziel der Operation ist die kurdische YPG-Miliz, die auf syrischer Seite der Grenze ein großes Gebiet kontrolliert. Die Türkei sieht in ihr einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und begreift die Angehörigen der Miliz als Terroristen.

Der Sprecher der von der Kurdenmiliz YPG angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), Mustafa Bali, schrieb auf Twitter: „Türkische Kampfflugzeuge haben damit begonnen, Luftangriffe auf zivile Gebiete durchzuführen. Die Menschen in der Region sind in großer Panik.“

Türkischen Medienberichten zufolge sind inzwischen mehrere Geschosse auch in der Türkei eingeschlagen. Zwei Mörsergranaten seien aus der von der YPG kontrollierten Stadt Ras al-Ain in Nordsyrien abgefeuert worden, aus der weiter im Nordosten Syriens gelegenen Stadt Kamischli seien sechs Raketen abgefeuert worden. Die syrischen Kurden hatten bereits vor Start der Militäroffensive eine Generalmobilmachung ihrer Truppen verkündet und dazu aufgerufen, sich an die Grenze zu begeben, um Widerstand zu leisten.

Die Türkei will die Kurdenmilizen aus der Grenzregion vertreiben und dort syrische Flüchtlinge ansiedeln, die derzeit in der Türkei und Europa leben. Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland Syrien rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aufgenommen. Mittlerweile kippt aber die anfangs von vielen gelebte Willkommenskultur, unter anderem wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage im Land.

Reaktionen zahlreicher Politiker

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat die Türkei zu einem sofortigen Stopp der neuen Militäroffensive in Nordsyrien aufgefordert. „Diese militärischen Aktionen werden nicht zu einem guten Ergebnis führen“, sagte Juncker am Mittwochnachmittag vor dem EU-Parlament.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) hat die türkische Offensive im Nordosten Syriens „auf das Schärfste“ verurteilt. Die Türkei nehme damit in Kauf, die Region weiter zu destabilisieren und riskiere ein Wiedererstarken der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS), erklärte er am Mittwoch in Berlin. Es drohten nun eine weitere humanitäre Katastrophe und neue Fluchtbewegungen. „Wir rufen die Türkei dazu auf, ihre Offensive zu beenden und ihre Sicherheitsinteressen auf friedlichem Weg zu verfolgen.“

Nach dem türkischen Einmarsch in Nordsyrien bereiten Senatoren im US-Kongress eine parteiübergreifende Resolution für Sanktionen gegen die Türkei vor. Der republikanische Senator Lindsey Graham schrieb am Mittwoch auf Twitter, er werde die Bemühungen im Kongress anführen, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „einen hohen Preis“ zahlen zu lassen. Der demokratische Senator Chris Van Hollen teilte mit, die Arbeiten an der parteiübergreifenden Resolution würden demnächst abgeschlossen.

Van Hollen, aber auch Graham übten harsche Kritik an US-Präsident Donald Trump. Trump hatte US-Truppen aus dem nordsyrischen Grenzgebiet abgezogen und Erdogan damit den Weg für den Einmarsch geebnet. Kritiker warfen Trump vor, die Kurdenmilizen im Stich zu lassen, die die Verbündeten der US-Streitkräfte im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) waren.

Graham - der eigentlich ein enger Vertrauter des republikanischen Präsidenten ist - schrieb: „Betet für unsere kurdischen Verbündeten, die von der Trump-Regierung schamlos im Stich gelassen wurden. Dieser Schritt stellt die Rückkehr des IS sicher.“ Van Hollen meinte: „Der IS feiert Trumps Verrat.“ Trump hatte argumentiert, er wolle die US-Truppen aus den „endlosen Kriegen“ zurückziehen. Der US-Präsident bezeichnete die Entscheidung des Nato-Partners Türkei für die Militäroffensive am Mittwoch als „schlechte Idee“.

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