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Wahlleitung von Belarus: 80, 2 Prozent für Lukaschenko - 9,9 für Tichanowskaja

dw.com-Logo dw.com 10.08.2020 dw.com

Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja will den Sieg von Langzeit-Staatschef Alexander Lukaschenko nicht anerkennen. Aus Minsk und anderen Städten wurden Ausschreitungen gemeldet, ein Demonstrant kam ums Leben.

Hoffnungsträgerin vieler Belarussen: Swetlana Tichanowskaja © picture-alliance/dpa/TASS/N. Fedosenko Hoffnungsträgerin vieler Belarussen: Swetlana Tichanowskaja

Die Wahlkommission in Belarus (Weißrussland) hat Staatschef Alexander Lukaschenko zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt. Der 65-Jährige habe 80,23 Prozent der Stimmen bei dem Urnengang am Sonntag erzielt, teilte Wahlleiterin Lilija Jermoschina in Minsk als vorläufiges Ergebnis mit. Lukaschenkos Gegnerin, Swetlana Tichanowskaja, kam demnach nur auf 9,9 Prozent der Stimmen. Eine unabhängige Überprüfung der Ergebnisse ist nicht möglich, weil internationale Wahlbeobachter nicht zugelassen waren. Die Wahlbeteiligung in der Ex-Sowjetrepublik wurde mit rund 84 Prozent der 6,8 Millionen Stimmberechtigten angegeben.

Tichanowskaja kündigte bereits an, eine Niederlage nicht anzuerkennen. In mehreren Wahllokalen, in denen es keine Manipulationen gegeben haben soll, gewann sie nach Angaben ihres Stabs haushoch.

Mindestens 120 Festnahmen

Tichanowskajas Unterstützer hatten nachts im ganzen Land zu Tausenden gegen Lukaschenko und Wahlfälschungen protestiert. Sie stellten sich gegen die Sicherheitskräfte, die Wasserwerfer, Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten einsetzten.

Ein Großaufgebot an Polizisten geht in der Hauptstadt Minsk gegen die Demonstranten vor © Reuters/Tut.by Ein Großaufgebot an Polizisten geht in der Hauptstadt Minsk gegen die Demonstranten vor

Nach Auskunft der Menschenrechtsgruppe "Spring 96" starb in Minsk ein Demonstrant, als er von einem Polizei-Transporter überfahren wurde. Mindestens 120 Menschen seien festgenommen worden. Es soll zudem viele Verletzte geben. In den Morgenstunden beruhigte sich die Lage. Die Internetseite der Wahlleitung ist nicht mehr abrufbar - wie die meisten Webportale im Land. Es funktioniert aber noch der Nachrichtenkanal Telegram. Regierungsgegner kündigten in sozialen Netzwerken neue Proteste an.

Diese jungen Weißrussen haben genug von der nicht enden wollenden Herrschaft Lukaschenkos © DW/A. Boguslavskaya Diese jungen Weißrussen haben genug von der nicht enden wollenden Herrschaft Lukaschenkos

Von Staatschef Lukachenko selbst gab es zunächst keine Reaktion. Er hatte vor der Wahl am Sonntag angekündigt, seine Macht mit allen Mitteln zu verteidigen.

"Unfähige" Regierung

"Eine tiefe, noch nie dagewesene Krise zieht herauf", sagte Tichanowskajas Mitstreiterin Maria Kolesnikowa bei einer Pressekonferenz. Sie warf der Regierung Wahlbetrug vor. So habe die Beteiligung in mehreren Wahllokalen bei mehr als 100 Prozent gelegen. Die Regierung sei unfähig, das Land zu regieren. "Die Behörden sollten eingestehen, dass die Mehrheit auf der anderen Seite steht", sagte Kolesnikowa.

Alexander Lukaschenko herrscht bereits seit 26 Jahren in Belarus © picture-alliance/dpa/BelTA/N. Petrov Alexander Lukaschenko herrscht bereits seit 26 Jahren in Belarus

Tichanowskaja war angetreten, nachdem ihr Mann, der bekannte Blogger Sergej Tichanowski, inhaftiert und von der Wahl ausgeschlossen worden war. Die 37-Jährige hatte in den vergangenen Wochen massiv an Zustimmung gewonnen und zahlreiche Anhänger mobilisiert. Lukaschenko (65) regiert die frühere Sowjetrepublik Belarus bereits seit 26 Jahren mit harter Hand. Die nächste Amtszeit wäre schon seine sechste.

sti/se (dw, afp, ap, dpa, rtr)


Video: Präsidentenwahl in Belarus: Schlangen vor den Wahllokalen (Euronews)

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