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Biden beschwört Ära der Eintracht - Trump verspricht Jobs

WELT-Logo WELT 28.10.2020
Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: US-Präsident Donald Trump (l.) und sein Herausforderer Joe Biden Quelle: dpa/Evan Vucci © dpa/Evan Vucci Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: US-Präsident Donald Trump (l.) und sein Herausforderer Joe Biden Quelle: dpa/Evan Vucci

Donald Trump zog es in den Mittleren Westen, Joe Biden in den Süden: Eine Woche vor der US-Präsidentschaftswahl haben die Kontrahenten im Wahlkampfendspurt ihre unterschiedlichen Visionen für Amerika dargelegt. Biden versuchte am Dienstag mit einem Besuch in Georgia in einem Staat in die Offensive zu gehen, den seit 1992 kein demokratischer Kandidat gewinnen konnte.

Im Falle seines Sieges wolle er ein Präsident für alle Amerikaner jeglicher politischer Couleur sein, versprach er im Ort Warm Springs, wo sich in den 20er und 30er-Jahren der damalige Präsident Franklin D. Roosevelt in den warmen Quellen von einer Polioerkrankung erholte.

„Dieser Ort, Warm Springs, ist eine Erinnerung, dass jeder von uns geheilt werden kann, auch wenn er gebrochen ist“, sagte Biden mit Blick auf die Gesundheits- und Wirtschaftskrise und die politischen Gräben im Land. „Dass wir als Volk und als Land ein verheerendes Virus überwinden können. Dass wir eine leidende Welt heilen können. Dass, ja, wir unsere Seele wiederherstellen und unser Land retten können.“ Zwar nähmen „Wut und Misstrauen“ im Land zu und die Wunden würden tiefer. Doch weigere er sich zu glauben, dass „das Herz dieser Nation sich in Stein verwandelt“ habe.

Trump legte den Fokus mit Michigan, Wisconsin und Pennsylvania auf Staaten, die einst als „blaue Mauer“ und somit als Hochburgen der Demokraten galten, aber 2016 ins Lager des Republikaners wechselten. Bei einer Kundgebung in Lansing, der Hauptstadt von Michigan, hielt er Biden vor, das auf Betreiben seiner Regierung überarbeitete Abkommen Nafta – den sogenannten Nordamerikanischen Freihandelspakt – sowie Chinas Eintritt in die Welthandelsorganisation unterstützt zu haben.

Beides habe der Autoindustrie und anderen Branchen im Staat geschadet, erklärte Trump. „Die Wahl ist eine Angelegenheit des ökonomischen Überlebens für Michigan.“ Die Wirtschaft des Staates sei stark gewesen, ehe die Corona-Pandemie zugeschlagen habe. „Seht, was ich getan habe.“

Trump kritisierte Michigans demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer zudem scharf für das coronabedingte Herunterfahren der nahezu gesamten Wirtschaft in dem Staat. „Das Heilmittel darf nie schlimmer sein als das Problem selbst“, sagte der Präsident – und versprach den als wichtige Wählergruppe geltenden Frauen in den Vorstädten, ihre in der Corona-Krise erwerbslos gewordenen Männer wieder in Arbeit zu bringen.

Neben Lansing bereiste Trump am Dienstag West Salem in Wisconsin und Omaha in Nebraska. Während sein Rivale Biden selten mehr als einen Staat pro Tag besucht, behält der Amtsinhaber seinen geschäftigen Wahlkampfreiseplan bei. In den letzten 48 Stunden vor der Schließung der Wahllokale will der Präsident elf Kundgebungen abhalten.

Trump bekam am Dienstag zudem Unterstützung von First Lady Melania, die in Atglen in Pennsylvania ihren ersten Solo-Wahlkampfauftritt in diesem Jahr absolvierte. Ihr gehe es nach ihrer überstandenen Corona-Infektion „jetzt so viel besser“, sagte sie. In ihrer Rede prangerte Melania Trump zudem Bidens „sozialistische Agenda“ an, pries ihren Mann als einen „Kämpfer“ und äußerte sich über dessen Twitter-Leidenschaft. Sie sei nicht immer einverstanden mit der Art, wie er Dinge sage, räumte sie unter dem Gelächter der Menge ein. Doch sei es ihm wichtig, direkt mit den Menschen zu sprechen, denen er diene.

Aufseiten der Demokraten machte erneut Trumps Vorgänger Barack Obama Wahlkampf für Biden. In Orlando stichelte Obama, dass sein Nachfolger sich nur um das Coronavirus sorge, weil es gerade die Nachrichten dominiere. „Er ist eifersüchtig auf die Covid-Berichterstattung“, fügte er hinzu. „Wenn er sich von Anfang an auf Covid fokussiert hätte, würden die Fälle diese Woche im ganzen Land nicht immer wieder Rekordwerte erreichen.“

Trump beschwerte sich später vor Reportern, dass der ihm nahestehende Nachrichtensender Fox News Obamas Auftritt live übertrug. Der Sender habe Obamas „Fake-Rede“ für Biden, bei der keine Zuhörer gewesen seien, auch noch ausgestrahlt, twitterte er zudem.

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