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Boris Johnsons Todfeind tritt an

WELT-Logo WELT 26.05.2019 Thomas Kielinger
Die britische Premierministerin Theresa May tritt zurück. Sie vermochte es nicht, die Brexit-Bemühungen erfolgreich abzuschließen. Doch ihr Nachfolger wird vor dem gleichen Problem stehen. Quelle: WELT/ Sebastian Hohnekamp © WELT/ Sebastian Hohnekamp Die britische Premierministerin Theresa May tritt zurück. Sie vermochte es nicht, die Brexit-Bemühungen erfolgreich abzuschließen. Doch ihr Nachfolger wird vor dem gleichen Problem stehen. Quelle: WELT/ Sebastian Hohnekamp

Um die Nachfolge Theresa Mays als Anführerin der Konservativen und damit zugleich Premierministerin hat sich am Sonntag ein achter Bewerber gemeldet: Umweltminister Michael Gove, 50. Man könnte ihn wohl als den „egg head“ unter den Kandidaten bezeichnen, den Intellektuellen par excellence, der sich hinter passender Hornbrille in der geschliffenen Syntax eines überlegenen Kopfes auszudrücken pflegt. Doch das professorale Image täuscht: Gove ist von zupackendem Instinkt, beherzt im Verfolgen seiner Ziele. Damit musste Boris Johnson nach der Referendumskampagne 2016 unangenehme Bekanntschaft machen.

Von Haus aus Journalist, Kolumnist und Leitartikler bei der „Times“, auch Mitproduzent diverser TV-Sendungen, gewann Gove 2005 einen Wahlkreis in Surrey, südlich von London, für die Tories. David Cameron ernannte ihn nach Bildung der Koalitionsregierung 2010 zum Erziehungs-, dann Justizminister. Also keine Ochsentour langsamer Anwärmung, sondern der direkte Sprung in hohe politische Ämter. Durch seine leitende Rolle bei der „Times“ war Gove im Establishment bestens vernetzt.

Umweltminister Michael Gove wuchs als Adoptivkind in einer Arbeiterfamilie auf © Getty Images/Peter Summers Umweltminister Michael Gove wuchs als Adoptivkind in einer Arbeiterfamilie auf

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Dabei gehört er nicht zu jener begünstigten Klasse, Eton-erzogen, die mit dem Anspruch auf die politische Macht in Großbritannien aufzutreten pflegt. In Edinburgh geboren, wurde Gove im Alter von vier Monaten von einer Arbeiterfamilie in Aberdeen adoptiert und auf öffentlichen Schulen unterrichtet. Kraft seiner Leistungen erhielt er ein Stipendium für Oxford, wo er englische Literatur studierte und sich unter anderem als Präsident der berühmten Oxford Union, dem rhetorischen Paukboden brillanter Köpfe, einen Namen machte. Sein scharfzüngiges Eintreten für Reformen brachte ihn als Erziehungsminister in Harnisch mit Schulleitungen, Eltern und Gewerkschaften; Letztere entzogen ihm offiziell das Vertrauen. Mit der Versetzung an die Spitze des Justizministeriums befreite Cameron seinen Kabinettskollegen damals aus der Hitze der Gefechte. 

Aber es ist der 30. Juni 2016, der jetzt die Erinnerung koloriert, wenn die Öffentlichkeit jetzt die Chancen Goves für das höchste Amt abwägt. Damals, kurz nach dem Referendum, war Cameron gerade zurückgetreten. Auch damals machte sich eine Tory-Riege bereit für die Nachfolge des gescheiterten Premiers. Gove war Kampagnenleiter von Boris Johnson, seinem Gesinnungsgenossen, hatten doch beide – zusammen mit der in Bayern gebürtigen Labour-Abgeordneten Gisela Stuart – das Pro-Brexit-Lager angeführt.

Am Morgen des 30. Juni 2016 nun, an dem man damit rechnete, Johnson werde offiziell seine Kandidatur bekannt geben, trat Gove an die Öffentlichkeit mit der Erklärung, er selber bewerbe sich um die Nachfolge Camerons, „mit einigem Zögern, aber entschieden“. Und Johnson solle beiseitetreten. Es war wie ein politisches Attentat auf den Freund – beide unterlagen schließlich in dem Kampf, den Theresa May gewann. Jetzt wiederholt sich die Gegnerschaft, wieder distanziert sich Gove vorsichtig von Johnson, den er damals, wie man wusste, für nicht regierungsfähig hielt. Auf die Frage eines Brexits ohne Vertrag, was Johnson vehement vertritt, will sich Gove derzeit nicht einlassen – er hatte den Gedanken immer kritisiert. Ihm gehe es „um Ideen“, und „wie man das zerstrittene Land wieder zusammenführt“. Dass Gove und Johnson dabei zusammenfinden, erscheint eher unwahrscheinlich.

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