Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

China droht Deutschland jetzt ganz offen

WELT-Logo WELT vor 5 Tagen Klaus Geiger
Aktivist Joshua Wong kämpft für die Demokratie in Hongkong. Sein Treffen mit Außenminister Maas hat in Peking heftige Kritik ausgelöst. Im Gespräch mit WELT erklärt Wong, was er von Kanzlerin Merkel erwartet und wie es mit den Protesten in Hongkong weitgeht. Quelle: WELT © WELT Aktivist Joshua Wong kämpft für die Demokratie in Hongkong. Sein Treffen mit Außenminister Maas hat in Peking heftige Kritik ausgelöst. Im Gespräch mit WELT erklärt Wong, was er von Kanzlerin Merkel erwartet und wie es mit den Protesten in Hongkong weitgeht. Quelle: WELT

Die Bundeskanzlerin hatte auf ihrer Reise nach China einen fein ausgetüftelten diplomatischen Balanceakt vollführt. Aber nur drei Tage nach ihrer Rückkehr kam nun der tiefe Sturz. Drei Tage reichten, um die Beziehung zwischen Berlin und Peking so eisig werden zu lassen wie selten zuvor. Die Volksrepublik bemüht sich kaum noch, höflich zu umschreiben, was sie vom jüngsten Verhalten der Bundesregierung hält. Sie attackiert Deutschland so öffentlich wie es nur vorstellbar ist für Diplomaten.

Der Skandal aus chinesischer Sicht: Die Bundesregierung hat Joshua Wong, einen Hauptorganisator der Proteste in Honkkong, einreisen lassen – und sich dann in Person von Außenminister Heiko Maas (SPD) mit ihm getroffen.

Chinas Botschafter Wu Ken, der wie die meisten Kollegen in der Hauptstadt in der Regel im Stillen hinter den politischen Kulissen arbeitet, trat deshalb am Mittwoch mitten ins Rampenlicht. Er lud Journalisten und Fernsehteams in die chinesische Botschaft ein, die sonst wie eine graue Trutzburg an der Spree steht, abweisend und verschlossen.

Mehr Top-Nachrichten auf MSN:

NPD-Politiker: Nicht zum ersten Mal einstimmig gewählt

Schottisches Gericht: Schließung von Parlament unrechtmäßig

Christian Lindner: Das Bild beginnt zu bröckeln

Wu, der schon zu DDR-Zeiten als Diplomat in Deutschland war, beginnt seine Einlassungen in fließendem Deutsch und verliest auf dem Podium der großen, achteckigen Konferenzhalle der Botschaft ein Statement, das es in sich hat: China habe im Vorfeld mehrmals an die Bundesregierung appelliert, Joshua Wong „an der Einreise zu hindern“. Die Bundesrepublik habe den „Anstifter von Gewalttaten“ trotzdem ins Land gelassen.

Der wahre Eklat aus chinesischer Sicht aber ereignete sich am Montagabend, als es bei einer Veranstaltung im Dachgarten-Restaurant des Bundestages zu einem Treffen und einem Foto von Wong mit Außenminister Maas kam.

Chinas Botschafter nannte dieses Treffen nun einen „Zwischenfall“, der „die bilateralen Beziehungen sehr negativ beeinflussen werde“. Der deutsche Botschafter in Peking sei einbestellt worden. Die chinesische Regierung habe ihre „tiefe Unzufriedenheit“ zum Ausdruck gebracht.

Die Volksrepublik bewertet das Treffen von Maas und Wong als Verstoß gegen ihre Souveränität. Hongkong sei eine innere Angelegenheit, China werde reagieren. Dann warnt der Botschafter vor „negativen Konsequenzen“ für Deutschland, ohne dies weiter auszuführen.

Chinas Sicht der Dinge ist wie folgt: Den Demonstranten gehe es gar nicht um Demokratie. Sie hätten nach der Rücknahme des Auslieferungsabkommens, an dem sich die Proteste einst entzündet hatten, ihre Ziele erreicht. Aber das sei ihnen immer noch nicht genug. Nun wollten sie schlicht die Abspaltung Hongkongs, weshalb es sich bei den Demonstranten um „Separatisten“, „fast um Terroristen“ handle, wie der Botschafter ausführt.

Um die chinesische Perspektive zu unterstreichen, lässt Wu dann das Rednerpult von der Bühne tragen. Nun ist der Blick frei, auf die große Leinwand hinter ihm, wo ein Video erscheint. Es ist ein fünfminütiger Zusammenschnitt von Szenen, bei denen Demonstranten in Hongkong randalieren und gegen Polizisten gewalttätig werden. Die Botschaft: Die Bevölkerung von Hongkong wolle nur Ruhe und wirtschaftliche Entwicklung.

Warnt vor "negativen Konsequenzen" für Deutschland: Wu Ken, Chinas Botschafter in Berlin © AP Warnt vor "negativen Konsequenzen" für Deutschland: Wu Ken, Chinas Botschafter in Berlin

Nur einige „brutale Schwerkriminelle“, so der Botschafter, wollten „unter dem Vorwand der Demokratie ihr wahres Gesicht und ihre Böswilligkeit verbergen“. Das offensichtliche Ziel: zwei Gruppen zu schaffen. Einerseits die Hongkonger, die zu Hunderttausenden friedlich gegen das Auslieferungsgesetz auf die Straße gegangen seien. Auf der anderen Seiten die angeblich brutalen Chaoten, die mit ihren Protesten den Willen der Mehrheit konterkarierten.

„Ausländische Mächte“

Sollte die Berichterstattung in westlichen Medien einseitig sein, das Video in der chinesischen Botschaft zeichnete sich definitiv nicht durch Ausgewogenheit aus. Von den friedlichen Protesten in der Stadt keine Spur, auch kein Bild gewalttätiger Polizisten. Einzig und allein Gewalt von Seiten von Demonstranten, die es tatsächlich auch gegeben hat, was auch thematisiert wurde in westlichen Medien.

Für China stelle sich die Frage: „Wer versteckt sich hinter dem Chaos in Hongkong?“ Der Botschafter beantwortet die Frage selbst: Ausländische Staaten seien verantwortlich. „Wir haben genug Belege, dass ausländische Mächte geholfen haben, den Gedanken des Separatismus in Hongkong zu verbreiten“, sagt Wu.

Joshua Wong sei regelmäßig in Kontakt „mit einer bestimmten ausländischen Macht und berät mit diesem Land, wie die Demonstrationen fortzusetzen seien“. Wu spielt an dieser Stelle offenbar auf die USA an.

Joshua Wong mit Bundesaußenminister Heiko Maas auf der Dachterrasse des Bundestags Quelle: JOSHUA WONG via REUTERS © JOSHUA WONG via REUTERS Joshua Wong mit Bundesaußenminister Heiko Maas auf der Dachterrasse des Bundestags Quelle: JOSHUA WONG via REUTERS

Offen bleibt, welche Taten die chinesische Regierung den Worten von Wu folgen lassen will. Eine Vergeltungsmaßnahme gab es schon im Vorfeld der Pressekonferenz. Gegen die „Bild“-Zeitung. Die hatte die Veranstaltung organisiert, auf der Wong mit Maas zusammengetroffen war.

Die Botschaft verwehrte der „Bild“-Zeitung den Zugang zur Pressekonferenz mit der Begründung, es seien nicht genug Plätze vorhanden. „Es gibt zahlreiche deutsche Medien“, sagte der chinesische Botschafter später während der Pressekonferenz auf diesen Vorgang angesprochen. „Wir können nicht alle einladen.“ In dem 30 Meter mal 30 Meter großen Saal stehen derweil 48 Stühle. Gut ein Drittel von ihnen sind leer.

Hätte da nicht auch noch ein Reporter der „Bild“-Zeitung Platz gefunden? „Nein“, sagt der Botschafter „Die leeren Stühle sind für jene Kollegen, die gerade dort hinten stehen.“ Hinten im Raum befinden sich eine Handvoll Kameraleute und verstreut hie und da ein Journalist oder Botschaftsbediensteter. Es hätten sicher noch 50 Reporter in den Saal gepasst. Vorsichtig geschätzt.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

Nächste Geschichte

Große Ehre für Greta Thunberg

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von WELT

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon