Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Christian Lindner erntet heftigen Shitstorm - „Das ist eine Frechheit“

EXPRESS-Logo EXPRESS 08.08.2022 Martin Gätke (mg)
Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und seine Frau Franca Lehfeldt kommen am 9. Juli nach der kirchlichen Trauung aus der Kirche St. Severin. Nach seinen Aussagen zum 9-Euro-Ticket steht der FDP-Chef in der Kritik. © dpa Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) und seine Frau Franca Lehfeldt kommen am 9. Juli nach der kirchlichen Trauung aus der Kirche St. Severin. Nach seinen Aussagen zum 9-Euro-Ticket steht der FDP-Chef in der Kritik.

Seit Tagen schwelt die Debatte darüber, wie es mit dem 9-Euro-Ticket weiter geht. Wird es ähnliche Konzepte auch in Zukunft geben? Ist es politisch überhaupt gewünscht?

Während innerhalb der Ampel-Koalition die Grünen auf ein Anschlussticket drängen – und zwar so rasch wie möglich – sieht es beim Koalitionspartner FDP etwas anders aus. Zwar hat Bundesverkehrsminister Volker Wissing das Konzept als „Erfolg“ bezeichnet, doch wenn es um die Finanzierung eines Nachfolgers geht, blockt er ab. Und verweist auf die Bundesländer.

Die wiederum wollen zwar ebenfalls ein 9-Euro-Ticket 2.0, sehen aber den Bund am Zuge. Am Wochenende hat sich auch FDP-Chef Lindner zu einer möglichen Weiterführung geäußert – und erntet nun für seine Aussagen heftige Kritik. 

Christian Lindner hält 9-Euro-Ticket für „nicht fair“

Geht es nach Christian Lindner, wird es kein weiteres günstiges Ticket-Modell geben. „Die Menschen auf dem Land, die keinen Bahnhof in der Nähe haben und auf das Auto angewiesen sind, würden den günstigen Nahverkehr subventionieren. Das halte ich für nicht fair“, sagte er im Interview mit der „Augsburger Allgemeinen“. 

Im Haushalt stünde kein Geld für so ein Ticket zur Verfügung. „Jeder Euro müsste durch Kürzung anderswo mobilisiert werden“. Und überhaupt sei Lindner von einer „Gratismentalität à la bedingungsloses Grundeinkommen“ im öffentlichen Nahverkehr nicht überzeugt. Jeder Steuerzuschuss für solch ein Ticket bedeute „Umverteilung“.

Die Reaktionen auf Lindners Aussagen fielen am Montag (8. August) deutlich aus: Auf Twitter trendete zeitweise der Begriff „Gratismentalität“, zahlreiche User kritisierten Lindners Vorwurf. 

Christian Lindner: Scharfe Kritik nach Aussagen des FDP-Chefs

„Christian Lindner lässt sich von Steuerzahler:innen Dienstwagen plus Chauffeur, BahnCard-100 sowie sämtliche Flugkosten zahlen und wirft den Steuerzahler:innen jetzt ernsthaft Gratismentalität vor. Was zur Hölle!“, heißt es da etwa.


Video: "Passen nicht in die Zeit": Wirtschaftsweise kritisiert Lindners Steuerpläne hart (SAT.1)

Video wiedergeben

„Hab ich das richtig verstanden, dass Christian Lindner, dem als Bundesminister sowohl ein Dienstwagen als auch eine Bahncard 100 für 0 Euro zur Verfügung steht, die Gratismentalität der Bürger beklagt, die sich eine Fortsetzung des 9-Euro-Tickets wünschen?“, fragt ein weiterer. 

„Beeindruckend, dass man in Deutschland auf Gratis-Straßen stundenlang im Stau stehen kann, um sich dann zu Hause über die Menschen aufzuregen, die wegen einer ‚Gratismentalität‘ ab und zu die Züge füllen“, findet Erik Marquardt (Grüne), Mitglied des Europäischen Parlaments.

„Hallo, Gratismentalität. Jeder, der sich ein Auto und die Energie leisten kann, darf hier klimaschädlich gratis teilhaben. Wer stattdessen klimafreundlich die S-Bahn nutzt, soll bitte schön wieder ca. 750 Euro im Jahr im Abo dafür zahlen. DAS ist unfair. Und unökologisch“, kommentiert Jan Philipp Albrecht (Grüne), Umweltminister von Schleswig-Holstein.

Kritik an Christian Lindner: „Er arbeitet daran, allen den letzten Nerv zu rauben“

Nicht nur die Grünen, auch die Umweltverbände sind für eine Anschlussregelung. Klimaaktivistin Luisa Neubauer übte ebenfalls scharfe Kritik an Lindners Aussagen: „Offensichtlich arbeitet Christian Lindner gerade nicht am besseren Argument, sondern daran, allen anderen den letzten Nerv zu rauben“, kommentiert sie.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands übte ebenfalls scharfe Kritik an Lindner. „Menschen wissen nicht, wie sie über den Monat kommen sollen, Menschen sind verzweifelt, und dann von ‚Gratismentalität‘ zu sprechen, ist eine Frechheit“, sagte Ulrich Schneider am Montagmorgen im „ntv Frühstart“.

Auch die Trauung Lindners rückt in der Debatte erneut in den Fokus: Vor kurzem feierte er mit Journalistin Franka Lehfeldt eine luxuriöse Hochzeitsfeier auf Sylt, beide heirateten auch kirchlich, obwohl sie keine Kirchenmitglieder sind. Schon kurz nach dem Ja-Wort gab es zahlreiche Kritik daran, dass sie keine Kirchensteuern zahlten und sich dennoch in der Kirche trauen ließen. 

Kritik an Christian Lindner: „Lass uns über Gratismentalität reden“

„Christian, lass uns über Gratismentalität reden. Du verdienst mindestens das 10-fache von mir, weigerst dich aber Kirchensteuer zu zahlen und nutzt dann meine Kirchensteuerbeiträge aus, um in einer Kirche zu heiraten. Ich würde sagen: Das ist Gratismentalität. Nicht das 9-Euro-Ticket“, kritisiert nun ein User. 

Das Porsche-Gate um den FDP-Chef kam ebenfalls erneut zur Sprache: Ein ZDF-Bericht über angebliche Äußerungen des Porsche-Chefs über seinen engen Draht zu Finanzminister Lindner sorgten Ende Juli für Aufsehen. Lindner soll sich in der Frage zum Umgang mit synthetischen Kraftstoffen eng mit dem Porsche-Chef ausgetauscht haben, die FDP wies die Vorwürfe zurück. Innerhalb der Ampel hatte es Streit über ein Verbot für die Neuzulassung von Verbrennerautos ab 2035 gegeben, Lindner hatte die Verbotspläne abgelehnt.

„Es gibt Menschen, die bekommen dank des 9-Euro-Tickets zum ersten Mal einen winzigen Teil der Mobilität, die der Porschefahrer jeden Tag schrankenlos ausleben kann. Der Ausdruck ‚Gratismentalität‘ ist in diesem Kontext nur noch zynisch“, findet ein User auf Twitter.

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von EXPRESS

| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon