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Der analoge Präsident

Tages-Anzeiger-Logo Tages-Anzeiger 15.03.2019 Martin Kilian

E-Mails, Computer und alternative Energien mag er nicht. Donald Trump trauert dem analogen Zeitalter hinterher.

Donald Trumps Verhältnis zur modernen Technik ist gespalten. Foto: Reuters © Bereitgestellt von Tamedia AG Donald Trumps Verhältnis zur modernen Technik ist gespalten. Foto: Reuters

Viele moderne Technologien sind ihm nicht ganz geheuer. Der amerikanische Präsident liebt es einfach und glaubt an bewährte Rezepte, weshalb er die Boeing 737 Max 8 nach dem jüngsten Absturz in Äthiopien denn auch kritisierte. «Flugzeuge werden viel zu kompliziert, um sie zu fliegen», twitterte Donald Trump am Dienstag. «Man braucht keine Piloten mehr, sondern Computerwissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology», so Trump. Er sehe das «immer wieder bei vielen Produkten: Man macht einen extra Schritt, obwohl alt und einfach oft besser wäre», kritisiert der Präsident.

Eine Ausnahme ist diese Reaktion nicht: Trump ist ein analoger Präsident, der Papier den Algorithmen vorzieht. Da er es ablehnt, mit Computern zu arbeiten, tragen ihm seine Helfer Papierstösse hinterher. «Fasse dich kurz», lautet ihre Devise, da Trump nicht gern liest.

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Trump läuft bei seiner Partei erstmals gegen eine Mauer

Seine tiefsitzende Abneigung gegen Computer erklärte der gerade gewählte Präsident im Dezember 2016: Die elektronischen Maschinen hätten «die Leben der Menschen sehr kompliziert gemacht», befand Trump damals. Im Computerzeitalter wisse «niemand mehr, was genau los ist», sagte er. «Wir haben Geschwindigkeit und eine ganze Menge anderer Dinge, aber wir haben keine Sicherheit», fügte Trump kryptisch hinzu.

Lieber Mörtel statt Mikrochips

Dabei hat Trump wie kein Präsidentschaftskandidat vor ihm von den Unsicherheiten des Computerzeitalters profitiert, nachdem die E-Mails der Demokraten im Wahlkampf 2016 gehackt und von Wikileaks publiziert worden waren. Aber von E-Mails hält der Präsident sowieso nichts: Er sei «keine E-Mail-Person», erklärte er im Juli 2016. «Ich glaube nicht daran, weil sie gehackt werden können», so Trump weiter.

Ohne E-Mail lebt es sich besser, desgleichen mit einer Mauer, weshalb der Präsident Drohnen zur Überwachung der amerikanischen Grenze zu Mexiko ablehnt. Nicht nach Mikrochips steht ihm der Sinn, sondern nach Mörtel. «Es ist eine Tatsache, dass nichts anderes funktioniert, und das ist seit Tausenden von Jahren so», begründete der Präsident im Dezember sein Verlangen nach einer richtigen Grenzmauer.

«Wenn der Wind aufhört zu blasen, ist Schluss mit elektrisch.»Donald Trump

Also keine Drohnen, obschon Trump Hightech «besser als alle anderen versteht». Das jedenfalls behauptete er in einem Tweet. Deshalb will der Präsident auch nicht auf Kohlekraftwerke verzichten. Denn Strom aus Wind ist eine heikle Angelegenheit: «Wenn der Wind aufhört zu blasen, ist Schluss mit elektrisch», sagte er kürzlich auf einer Konferenz konservativer Aktivisten. «Darling, bläst heute der Wind? Ich möchte gern Fernsehen schauen», imitierte der Präsident dabei einen Mann vor dem TV.

Digitalen Neuerungen nicht immer abgeneigt

Dass Trump die Klimaerwärmung für einen «Schwindel» hält, ist hinlänglich bekannt. Die nächste Hürde bei der Mobilfunktechnologie aber nimmt der Präsident gern: «Ich möchte 5G und sogar 6G», sagt er. Denn nicht immer ist Donald Trump digitalen Neuerungen abgeneigt. So befürwortet er beispielsweise die Computerisierung medizinischer Unterlagen.

Bei Flugzeugen aber setzt Donald Trump auf das Althergebrachte. Seinen Privatjet vom Typ Boeing 757 lobte er hoch, obschon die Maschine 1991 gebaut wurde und zuerst für eine dänische Airline und dann für den Microsoft-Milliardär Paul Allen geflogen war. Bei Trump erlebte der Oldtimer einen neuen Frühling, mit vergoldeten Wasserhähnen und feinsten Ledersitzen. Die kleine Schwester seiner 757, die Boeing 737, mochte Trump hingegen nicht. Schon bevor sie zu viele Computer wie die Max 8 hatte, gab sie laut Trump nichts her.

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