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"Der Konflikt läuft ab wie ein klassischer Kneipenstreit"

DIE WELT-Logo DIE WELT 12.08.2017

"Wie sehr haben sich die beiden im Griff?" Die internationale Presse analysiert das militärische Säbelrasseln zwischen Trump und Kim mit großer Sorge. Die Hoffnung liegt auf drei Generälen – und China.

Das "militärische Säbelrasseln" zwischen Donald Trump und Kim Jong-un beunruhigt die Medien weltweit. Der Krieg werde "real", lautet eine der Einschätzungen. Viele Kommentatoren beschäftigen sich mit der Persönlichkeit der beiden Machthaber. Die Rede ist von einem "Schlagabtausch zweier Egomanen" und von einem Konflikt, der ablaufe wie ein "Kneipenstreit". Zudem wird China in die Verantwortung genommen und von einer "idealen Welt" sinniert, in der es "keinen Donald im Weißen Haus und keinen Kim an der Spitze Nordkoreas gäbe".

"Der Standard", Wien: "Die Frage ist: Wie sehr haben sie sich im Griff?"

"Genau das ist das Problem: dass man weder bei Kim Jong-un noch bei Donald Trump weiß, wie weit sie zu gehen bereit sind. Dass Fachleute beide für Psychopathen oder gar für verrückt halten, trägt nicht gerade zur Beruhigung bei. Die Frage ist: Wie sehr haben sie sich im Griff? Wer hat Einfluss auf die beiden? Kann diese Spirale noch gestoppt werden?

Es hat den Anschein, als ob dieser Konflikt zu einer zutiefst persönlichen Angelegenheit zwischen zwei Machthabern geworden ist. Aber es handelt sich nicht nur um einen verbalen Schlagabtausch zweier Egomanen, die damit Eindruck schinden wollen, sondern um ein militärisches Säbelrasseln in einer Region, in der in den vergangenen Jahrzehnten oft mühsam die Balance gewahrt worden ist. Davon hing aber das politische und militärische Gleichgewicht in der östlichen Hemisphäre ab."

"Corriere della Sera", Rom: "Jede Aktion kann unkontrollierte Kettenreaktion auslösen"

"Korea ist nicht Syrien. … Für Pjöngjang ist es ein Leichtes, und sei es mit konventionellen Waffen, Südkorea und Japan anzugreifen. Seoul befindet sich in Reichweite der Artillerie von (Nordkoreas Staatschef) Kim. Es ist klar, dass jede Aktion, so begrenzt sie auch sein mag, unkontrollierte Kettenreaktionen auslösen kann. … Sollte Kim seine Raketen abschießen, können die USA sie abfangen? Wenn das Raketensystem, das noch nie ausprobiert wurde, Lücken aufweist, wäre das eine Katastrophe."

"L'Union", Paris: "Und wenn das Spielchen Kim gegen Donald in einem Blutbad endet?"

"Und wenn das Spielchen von Kim gegen Donald in einem internationalen Blutbad endet? … Das einzig Beruhigende ist, dass niemand ein Interesse daran hat. Nicht Nordkorea, dessen Regime rasch weggefegt würde … Nicht China, das kein vereinigtes und mit den USA verbündetes Korea möchte. Nicht Südkorea, das die Kosten dieser Wiedervereinigung nicht tragen könnte. Nicht die Vereinigten Staaten, die sich nicht mit China oder auch Russland anlegen möchten. Nein, in einer idealen Welt liegt die Beibehaltung des Status quo in jedermanns Interesse. Aber in einer idealen Welt gäbe es auch keinen Donald im Weißen Haus und keinen Kim an der Spitze Nordkoreas."

"De Volkskrant", Amsterdam: "Nordkorea-Konflikt läuft ab wie ein Kneipenstreit"

ARCHIV - KOMBO - Die Kombo zeigt den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un (l) am 15.04.2017 in Pjöngjang (Nordkorea) und US-Präsident Donald Trump am 29.04.2017 in Washington (USA). (zu dpa «Nordkorea: Trumps USA nur mit «absoluter Stärke» beizukommen» vom 10.08.2017) Foto: Wong Maye-E/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++: <p>"Der Konflikt läuft ab wie ein klassischer Kneipenstreit"</p> © dpa/AP

"Der Konflikt läuft ab wie ein klassischer Kneipenstreit"

"Die Anführer der USA und Nordkoreas spielen ein gefährliches Spiel: Wer ist der Unvorhersehbarste? Um eine Katastrophe zu verhindern, müssen die vernünftigen Kräfte in Washington Donald Trump ständig im Zaum halten. Es ist ein unorthodoxes und gruseliges Schauspiel, dem die Welt da zuschaut: die Konfrontation zwischen Trump und und Kim Jong-un. Der amerikanische Präsident will nicht, dass der nordkoreanische Diktator Kernwaffen bekommt, mit denen er Amerika bedrohen kann. Das ist eine ernste und legitime Sache, die eine abgewogene Mixtur von diplomatischem und militärischem Druck erfordert. Doch die beunruhigende Wirklichkeit ist, dass dieser Konflikt bislang abläuft wie ein klassischer Kneipenstreit. Zwei Männer schreien sich immer lauter an, und wenn keiner nachgibt, fangen sie an, mit Fäusten aufeinander einzuschlagen."

"El Mundo", Madrid: China muss Verantwortung übernehmen

"Das Dringendste ist jetzt, dass die bilateralen Spannungen erst mal abgebaut werden. Danach ist es unerlässlich, dass China den größtmöglichen Druck auf Nordkorea ausübt. Bis jetzt hatte Peking nur den Leitgedanken, dass der regionale Status quo auf jeden Fall aufrechterhalten werden muss. Die chinesische Regierung muss nun aber an ihre Verantwortung denken und den Ausbruch eines drohenden bewaffneten Konflikts verhindern, der für uns alle verheerende Folgen haben würde."

"Népszava", Budapest: Auf wem unsere Friedenshoffnungen ruhen

"Das Weiße Haus kann sich auf drei erprobte Soldaten stützen: Verteidigungsminister James Mattis, Stabschef John Kelly und den Nationalen Sicherheitsberater H. R. McMaster. Trump … scheint die Generäle vorerst zu respektieren. Von ihnen … weiß man, dass sie es wagen, offen ihre Meinung zu sagen. Vor allem auf sie kann die Welt vertrauen. Denn sie wissen tatsächlich, wie viele Menschenleben und wie viel Massenleid ein umfassender Krieg kosten würde. Dann ist da noch Kim Jong-un, der sich wiederum im Klaren darüber sein müsste, dass die Amerikaner sein Regime und speziell ihn persönlich liebend gerne von der Erde getilgt sehen würden. Weit sind wir gekommen, dass unsere Friedenshoffnungen auf Kim und Trump ruhen."

"Times", London: Mehr verbaler Druck auf Kim Jong-un hilft nicht

"Vor allem muss es jetzt darum gehen, das Tempo zu verlangsamen, in dem sich diese Krise entfaltet. Immer mehr verbalen Druck auf Kim Jong-un auszuüben führt lediglich dazu, dass er sich als Opfer darstellen kann. Die USA und China können sich doch bestimmt darauf verständigen, dass es auf der koreanischen Halbinsel – im Norden wie im Süden – keine Nuklearwaffen geben darf. In diesem Sinne muss China Kim zwingen, sein Nuklearprogramm einzufrieren und die entsprechenden Einrichtungen für gründliche internationale Kontrollen zu öffnen.

Wenn er betrügt, muss er mit noch härteren Sanktionen bestraft werden. Sollte er versuchen, Nukleartechnologie zu importieren, muss eine Blockade über sein Land verhängt werden. Sein von der Außenwelt abgekapselter Staat muss transparent werden. Kims Chemiewaffen müssen zerstört werden. Eines Tages wird Nordkorea vielleicht aufhören, ein Pariastaat zu sein. Das Land mit überwältigender Gewalt, mit Feuer und Zorn zu vernichten ist nicht der Weg, um dieses Ziel zu erreichen. Damit würde man zwar die Dynastie von Kim zerschlagen, aber die Welt würde dadurch nicht sicherer werden."

"NZZ", Zürich: "Die Crux liegt in einer glaubwürdigen Garantie der USA"

"Krieg ist keine Option; zu groß wäre das Risiko, dass Kims Armee ein ungeheures Blutbad in Südkorea anrichten würde, bevor sie durch die amerikanische Militärmacht gestoppt würde. … Aussichtsreicher scheint die Strategie, Nordkorea an den Verhandlungstisch zu zwingen, wie dies vor ein paar Jahren im Fall von Iran gelang. Die Anfang August beschlossene, präzedenzlos scharfe UN-Sanktionsresolution ist genau der richtige Schritt in diese Richtung.

US-Präsident Donald Trump steigt an Bord der "USS Gerald R. Ford". Mit Nordkorea liefert er sich derzeit einen Schlagabtausch: <p>"Der Konflikt läuft ab wie ein klassischer Kneipenstreit"</p> © dpa/AP

"Der Konflikt läuft ab wie ein klassischer Kneipenstreit"

Sie kam nur zustande, weil Washington auch starken Druck auf Peking ausübte. Um die Finanzquellen des nordkoreanischen Regimes ganz auszutrocknen und Kim die Perspektivlosigkeit seiner Atompolitik vor Augen zu führen, sind aber weitere Verschärfungen erforderlich. Dass Kim unter steigendem Druck Bereitschaft zeigen wird, über sein Atomprogramm zu verhandeln, ist nicht abwegig. Sein Regime braucht zum Überleben keine Nuklearwaffen; entscheidend ist vielmehr ein Konsens der Großmächte, dass das Reich der Kims als Pufferstaat weiterexistieren soll. Die Crux liegt in einer glaubwürdigen Garantie der USA, dass sie keinen Sturz des Regimes anstreben."

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