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Designierte CIA-Chefin im Zwielicht : Gina Haspel war in Folterpraktiken verwickelt

RP ONLINE-Logo RP ONLINE 13.03.2018 RP ONLINE

Erstmals in der mehr als 70-jährigen Geschichte der CIA soll eine Frau den mächtigen US-Auslandsgeheimdienst leiten. Die Nominierung der 61-jährigen erfahrene Spionin Gina Haspel ist allerdings hochumstritten - weil sie vormals eine federführende Rolle bei der Folter von Terrorverdächtigen spielte.

US-Präsident Donald Trump nannte die angestrebte Besetzung der CIA-Spitzenposition mit einer Frau einen "historischen Meilenstein". Seine Entscheidung stieß jedoch umgehend auf heftige Kritik von Bürgerrechtsaktivisten. Haspel sei "bis zum Hals" in Foltermethoden verwickelt gewesen, erklärte etwa die Organisation ACLU.

Gina Haspel, künftige Chefin der CIA. © ap Gina Haspel, künftige Chefin der CIA.

Auch europäische Aktivisten haben Haspel schon seit längerem im Visier. Das European Center for Constitutional and Human Rights in Berlin versuchte im vergangenen Jahr, bei der Bundesanwaltschaft einen Haftbefehl gegen sie zu erwirken - bislang aber offenbar ohne Ergebnis.

Haspel spielte in dem von Ex-Präsident George W. Bush nach den Anschlägen des 11. September 2001 ausgerufenen "Krieg gegen den Terror" laut US-Medienberichten eine zentrale Rolle bei den geheimen Operationen zum brutalen Verhör von Terrorverdächtigen. Mutmaßliche Terroristen wurden damals von den USA an andere Regierungen übergeben, wo sie in "schwarze Gefängnisse" gesteckt und von CIA-Agenten gefoltert wurden. Zu den Methoden gehörte das berüchtigte "waterboarding", also das simulierte Ertrinken.

Das erste Geheimgefängnis dieser Art lag in Thailand, und geleitet wurde es von Haspel. Zu den dortigen Insassen gehörte etwa das mutmaßliche Al-Kaida-Mitglied Abi Subaidah. Der Saudi-Araber soll innerhalb eines Monats 83 Mal dem "waterboarding" unterzogen, sein Kopf wiederholt gegen die Wand gerammt worden sein. Später ließ Haspel die Videoaufzeichnungen der Verhöre vernichten - dabei soll sie aber angeblich im Auftrag von oben gehandelt haben.

Eine erfahrene Spionin aus den eigenen Reihen 

Ihre Verwicklung in die dann später unter Präsident Barack Obama verbotenen Folterpraktiken hat Haspels Ruf innerhalb der US-Geheimdienstgemeinde allerdings nicht wirklich geschadet. In der CIA dürften sich viele dafür freuen, dass eine erfahrene Kollegin aus den eigenen Reihen den Chefjob bekommen soll. Vorgänger Pompeo brachte keine Spionageerfahrung mit, er war zuvor Kongressabgeordneter.

Da Haspel einen großen Teil ihrer Berufslaufbahn verdeckt arbeitete, ist über ihre Person wenig bekannt. Der CIA gehört sie seit 1985 an. Im Laufe der Jahre bekleidete sie diverse Führungsaufgaben. So leitete sie die CIA-Außenposten in mehreren Ländern, darunter Großbritannien. 2013 übernahm sie die Lenkung CIA-Geheimoperationen in aller Welt, wurde aber nach kurzer Zeit wieder abberufen, nachdem kritische Fragen zu ihrer früheren Verwicklung in die Folterpraktiken aufgekommen waren.

Vor einem Jahr wurde Haspel dann zur Vizechefin des Geheimdienstes befördert - was schon schon damals Spekulationen auslöste, ob das CIA unter Trump zu den früheren Foltermethoden zurückkehren solle. Während des Wahlkampfs hatte Trump für das "waterboarding" plädiert, das er als effiziente Methode anpries. Nach Amtsantritt hielt er sich dann zum Thema der Verhörmethoden jedoch weitgehend bedeckt und verwies auf die Zuständigkeit anderer Regierungsmitglieder.

Mit der Frage, ob "waterboarding" aus ihrer Sicht "funktioniert", dürfte Haspel nun während ihres Nominierungsverfahrens im Senat konfrontiert werden. Um tatsächlich die erste Frau an der CIA-Spitze zu werden, braucht sie noch die Zustimmung der Kongresskammer.

Ein Selbstläufer ist ihre Ernennung nicht, auch wenn Trumps Republikanische Partei über eine knappe Mehrheit verfügt. Haspel muss sich auf zahlreiche bohrende Fragen zu ihrer früheren Rolle bei dem geheimen Haft- und Folterprogramm gefasst machen. Sie müsse das Ausmaß ihrer Beteiligung an diesem Programm erläutern, das "eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte" sei, erklärte der republikanische Senator John McCain.

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