Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Donald Trump: Was hat der amerikanische Präsident gegen seine deutschen Wurzeln?

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 12.07.2018 berliner-zeitung
Gestikulierend erläutert Angela Merkel Donald Trump etwas vor einem Gewässer.: Trump und Merkel © Gettyimages Trump und Merkel

Ob es um Verteidigungsausgaben, den Handelsüberschuss oder die Auto-Exporte geht: Donald Trump hat Deutschland als Lieblingsfeind entdeckt. Die Trump-Biografin Gwenda Blair hat sich intensiv mit der Familiengeschichte des US-Präsidenten beschäftigt, dessen Großvater Friedrich Trump aus der Pfalz auswanderte. Wir haben Gwenda Blair gefragt, was es mit dieser negativen Fixierung auf sich hat.

Frau Blair, US-Präsident Donald Trump hat deutsche Wurzeln. Seine Großeltern väterlicherseits stammten aus Kallstadt in der Pfalz. Doch darüber spricht Trump nie. Stattdessen hat er sich auf Deutschland eingeschossen. Gibt es da einen Zusammenhang?

Das weiß ich nicht. Ich kann nur sagen, dass das Verschweigen des deutschen Hintergrunds in der Familie Tradition hat. Donald Trumps Großvater Friedrich, der 1885 in die Vereinigten Staaten ausgewandert war, hat während des Ersten Weltkriegs die antideutsche Stimmung im Land erfahren. Sein Sohn Fred, Donalds Vaters, begann noch vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zu erzählen, dass er schwedische Vorfahren habe.

Und mit dieser Legende ist Donald großgeworden?

Ja. Aber seine Großmutter lebte in New York auf der anderen Straßenseite, hatte einen starken deutschen Akzent und ist erst Anfang der 60er- Jahre gestorben. Donald wusste also sehr gut, wo seine Familie herkam. Trotzdem hat auch er in seiner Biografie „The Art of the Deal“ behauptet, seine Vorfahren seien schwedisch.

Weshalb verleugnete er seine deutsche Herkunft?

Ich glaube, er wuchs einerseits mit gewissen Stereotypen auf, in denen die Deutschen alle Nazis und böse waren. Und er spürte gleichzeitig, dass in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg gewisse Vorbehalte gegen Deutsche herrschten. Zudem war das Immobiliengeschäft in New York stark von Juden geprägt. Da wäre es nicht unbedingt hilfreich gewesen, sich als Deutscher zu präsentieren. Also verwischte er seine Wurzeln. Das war eine klare Geschäftsstrategie.

Donald Trumps Großmutter fühlte sich in den USA nicht wohl. Deshalb versuchte die Familie 1904 nach Deutschland zurückzukehren, doch wurde ihnen im damaligen Bayern die Wiedereinbürgerung verweigert, weil der Großvater keinen Militärdienst geleistet hatte. Sie wurden regelrecht in die USA abgeschoben. Könnte das die Attacken des Präsidenten auf Deutschland erklären?

Möglich ist das. Er ist sehr nachtragend, wenn es um tatsächliche oder vermeintliche persönliche Verletzungen geht. Insofern könnte das eine Rolle spielen. Einerseits. Aber andererseits liegt das mehr als hundert Jahre zurück, und Trump ist absolut ahistorisch. Als ich ihn für mein Buch interviewte, konnte ich ihm nichts über seine Familiengeschichte entlocken. Er verhielt sich nach dem Motto: Warum interessiert Sie das? Das ist alt. Damit kann man kein Geld machen. Insofern glaube ich, sein Verhältnis zu Deutschland hängt wesentlich eher von den Umständen ab: Würde die AfD bei einer Bundestagswahl die Mehrheit gewinnen, könnte er seine deutschen Wurzeln schnell wiederentdecken.

Hat er überhaupt irgendwelche Sentimentalitäten gegenüber der Heimat seiner Vorfahren?

Falls das so ist, verbirgt er sie gut. Sein größtes Interesse gilt seinem Geschäft. Da ist er komplett utilitaristisch: Wenn etwas nicht nützlich für ihn ist, macht er es nicht. Er hat auch die schottische Herkunft seiner Mutter erst öffentlich gemacht, als er einen Golfplatz in Schottland eröffnen wollte. Wenn er einen Golfplatz in Deutschland aufmachen wollte, könnte etwas Ähnliches passieren.

Sollte man Trump zur Entkrampfung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses zu einem Besuch nach Kallstadt einladen?

Warum nicht? Schaden kann es nicht. Aber, wie gesagt, er handelt stets aus Nützlichkeitserwägungen. Insofern würde es bestimmt mehr bringen, wenn Mercedes ein neues Modell „Donald Trump“ nennt.

Das Gespräch führte Karl Doemens.

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Berliner Zeitung

Berliner Zeitung
Berliner Zeitung
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon