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Drohende Masernwelle: Bundesregierung prüft Impfpflicht für Kinder

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 24.03.2019 Steven Geyer
Masern sind hochansteckend und müssen schon bei Verdacht gemeldet werden. © dpa Masern sind hochansteckend und müssen schon bei Verdacht gemeldet werden.

Angesichts einer drohenden Masernwelle in mehreren Regionen Deutschlands prüft die Große Koalition eine bundesweite Impfpflicht gegen die Virusinfektion. Das bestätigte SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Die FDP mahnt die Bundesregierung dabei zur Eile und fordert neben schnellen Maßnahmen zur Steigerung der Impfbereitschaft eine gesetzliche Option für einen Impfzwang für Kinder.

 Der SPD-Fraktionsvize für Gesundheitspolitik, Karl Lauterbach, betonte, dass seine Partei innerhalb der Koalition für eine Impfpflicht für Kinder eintrete, die sich auf Masern begrenzen solle. „Ich bin mit Gesundheitsminister Spahn im Gespräch darüber und bin zuversichtlich, dass wir demnächst einen entsprechenden Vorschlag vorlegen können“, sagte Lauterbach dem RND.

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FDP für Impfzwang gegen Masern

Druck in dieser Richtung kommt auch von den Liberalen: „Die FDP spricht sich für eine gesetzliche Impfpflicht für Kinder bis 14 Jahre aus“, sagte ihr stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Michael Theurer, dem RND. „Seine Kinder nicht impfen zu lassen, ist verantwortungslos gegenüber dem Wohl des eigenen Kindes und auch gegenüber Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst geimpft werden können“, sagte Theurer. „So werden Leben gefährdet.“ 

Bundesgesundheitsminister Spahn müsse die Menschen darüber offensiv aufklären und den Zugang zu Impfungen erleichtern, forderte der FDP-Fraktionsvize. So könnten Impfungen auch in Schulen und Kitas angeboten werden, damit diese nicht so oft vergessen werden. „Impfzurückhaltung ist problematisch“, so Theurer, deshalb sei als Ultima Ratio eine Impfpflicht nötig.

Jens Spahn: „Verweigerer sind Egoisten“ 

Jens Spahn (CDU) hatte sich zu seiner Zeit als Gesundheitspolitiker der CDU/CSU-Bundestagsfraktion bereits für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder stark gemacht. „Verweigerer sind egoistisch“, hatte er 2015 gesagt. Sie verließen sich darauf, dass andere zur Impfung gingen und dann schon nichts passiere. 

Damals hatte unter anderem in Berlin eine Masernwelle grassiert, die sogar ein Todesopfer gefordert hatte: Anfang 2015 war ein Kleinkind in der Hauptstadt an dem Virus verstorben. Der tragische Todesfall solle „Anlass sein, jetzt zu einer Impfpflicht gegen Masern zu kommen“, hatte damals der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery gefordert – war damit aber auf Ablehnung nicht nur von Grünen und Linken, sondern auch vom damaligen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) gestoßen.

Regierung: Zur Ausrottung von Masern verpflichtet

Das könnte sich nun ändern – wenn Spahn seine Partei überzeugen kann. Anlass für die erneute Debatte ist nun eine verstärkte Häufung von Masern-Fällen in Bayern, Baden-Württemberg, als auch in Schleswig-Holstein und Niedersachsen in den vergangenen Tagen und Wochen. Die Gesundheitsämter warnen dort vor einer neuen Epidemie. So wurden im niedersächsischen Hildesheim nach einem Masernausbruch an mehreren Schulen mehr als 100 Schüler und Lehrer vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie keinen ausreichenden Impfschutz gegen die Krankheit nachweisen konnten. 

Auch internationale Organisationen warnen derzeit massiv vor einer alarmierenden Zunahme von Masernfällen: Weltweit hätten im vergangenen Jahr 98 Länder ein stärkeres Auftreten der Virusinfektion registriert als im Vorjahr, heißt es in einem aktuellen Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef. Dadurch würden in der Vergangenheit erzielte Fortschritte gegen diese oft todbringende Krankheit zunichte gemacht. 

Eigentlich sollten die Masern bis 2015 ausgerottet sein, dazu hatte sich die Bundesregierung 2011 vor der Weltgesundheitsorganisation verpflichtet. Danach dürfte es in ganz Deutschland pro Jahr nicht mehr als 80 Fälle geben. (rnd)

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