Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Experten rufen vor UN-Klimakonferenz zu entschiedenem Handeln auf

AFP-LogoAFP 08.11.2018 Von Oliver JUNKER
Ausgetrockneter See in Malawi: Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, hat wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz die Menschheit eindringlich zum Handeln aufgerufen. © Bereitgestellt von AFP Der Vorsitzende des Weltklimarats IPCC, Hoesung Lee, hat wenige Wochen vor der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz die Menschheit eindringlich zum Handeln aufgerufen.

Es ist alljährlich ein Ritual: Vor der UN-Klimakonferenz mahnen Politiker und Experten einen entschiedeneren Kampf gegen die Erderwärmung an. Auch beim Briefing des Auswärtigen Amtes im Vorfeld der UN-Klimakonferenz Anfang Dezember im polnischen Kattowitz waren diese Appelle am Donnerstag zu hören. Dabei kritisierten nicht nur Umweltschützer, sondern auch Vertreter der Bundesregierung Deutschlands Klimaschutzbeiträge als unzureichend.

"Ich glaube, wir müssen unsere Anstrengungen noch mal verdoppeln", sagte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Walter J. Lindner, in Berlin. Schließlich zähle der fortschreitende Klimawandel zu den zentralen Herausforderungen der Menschheit.

Das könnte Sie auch interessieren

„Weltweit einmaliger Fund“: Australische Ureinwohner hüteten jahrelang ein Geheimnis — bis Forscher davon erfuhren

Von der zweiwöchigen UN-Klimakonferenz, die am 3. Dezember in Kattowitz beginnt, müsse das "Signal ausgehen, dass die internationale Gemeinschaft die Umsetzung des Pariser Abkommens im Schulterschluss vorantreibt", forderte Lindner. Es blieben schließlich nur "noch zehn, vielleicht 20 Jahre", um "den klimapolitischen Hebel umzulegen".

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter, pflichtete bei, sie erwarte von Kattowitz "ein starkes Aufbruchssignal der Weltgemeinschaft für mehr Klimaschutz". Bislang sei die internationale Gemeinschaft bei der Umsetzung des Pariser Abkommens "noch nicht auf Kurs". Die kommende UN-Klimakonferenz sei daher die "erste Bewährungsprobe für das Abkommen" und müsse das sogenannte Regelbuch zur konkreten Umsetzung der Vereinbarung beschließen.

Gastgeber Polen will bei den Beratungen in Kattowitz aber auch einen Schwerpunkt auf Wege zur einer gerechten Transformation hin zu einer klimafreundlichen Gesellschaft legen, wie der polnische Botschafter Andrzej Przylebski sagte. Bei der "just transition" gehe es um Klimaschutz, bei dem niemand zurückgelassen werde. So müssten auch Arbeitnehmer, die heute in der Kohleindustrie beschäftigt sind, eine Perspektive erhalten.

Der Botschafter kündigte ein Gipfeltreffen parallel zur Klimakonferenz am 3. Dezember an, bei dem die Staats- und Regierungschefs eine Erklärung zu gerechter Transformation verabschieden sollen. Als weiteren Schwerpunkt der polnischen Präsidentschaft nannte Przylebski Initiativen für klimafreundliche Elektromobilität.

Bei der UN-Klimakonferenz Ende 2015 in Paris hatte die internationale Gemeinschaft vereinbart, die Erderwärmung auf ein beherrschbares Maß von deutlich unter zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen, wenn möglich auf unter 1,5 Grad. Der Weltklimarat IPCC hatte Anfang Oktober in einem Sonderbericht dargelegt, dass das 1,5-Grad-Ziel nur bei einem schnellen und grundlegenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umsteuern zu erreichen sei.

IPCC-Chef Hoesung Lee hob in Berlin hervor, spätestens ab dem Jahr 2050 dürfe es weltweit netto keine klimaschädlichen Treibhausgas-Emissionen mehr geben. Das "sehr ehrgeizige" 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sei "nicht unmöglich", bedürfe aber "nie dagewesener Veränderungen in allen Bereichen der Gesellschaft".

Der deutsche Wissenschaftler Hans-Otto Pörtner vom Alfred-Wegener-Institut, der maßgeblich an dem IPCC-Sonderbericht beteiligt war, sagte in Berlin, die Menschen hätten nur noch "zehn Jahre, um einen Unterschied zu machen" und die Erderwärmung abzubremsen. Deswegen müsse der dafür notwendige Transformationsprozess jetzt beginnen. Leider gebe es aber immer noch "Menschen auf diesem Planeten, die nicht hören wollen".

Staatssekretär Lindner äußerte die Sorge, dass nach den USA nun auch Brasilien unter seinem neuen ultrarechten Staatschef Jair Bolsonaro aus dem Pariser Abkommen aussteigen könnte. Dies könnte wegen Brasiliens riesiger Regenwälder schwerwiegende Folgen für das Klima haben, sagte er.

Die Geschäftsführerin der Klima-Allianz Deutschland, Christiane Averbeck, legte hingegen das Augenmerk auf die Klimapolitik der Bundesregierung. Deutschland sei im Kampf gegen die Erderwärmung "kein Vorreiter" mehr. Dies sei angesichts von Deutschlands Wohlstand und Möglichkeiten "ein Skandal".

Mehr auf MSN

Video wiedergeben

| Anzeige
| Anzeige
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon