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Gündogan und die Nähe zur türkischen Polit-Elite

WELT-Logo WELT 16.05.2018

Titel_Gündogan © ddp, Montage: Welt HD Gündogan

Der deutschtürkische Fußballer tritt in der Heimatstadt seiner Familie, Dursunbey, als Wohltäter und Investor auf. Dabei pflegt er auch gute Beziehungen zur Politik. Das ist eine Voraussetzung, um in der Türkei Geschäfte zu machen.

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Der gemeinsame Auftritt der deutschen Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil und des türkischen Nationalspielers Cenk Tosun mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan mag von ihnen als Geste des "Respekts" gemeint gewesen sein, wie sie selbst erklären. Bei Gündogan mag es da allerdings um mehr gehen als nur um Respekt.

Er pflegt seit Langem gute Beziehungen zur türkischen Regierungspartei AKP, zumindest in der Region, aus der seine Familie stammt. Seit Jahren tritt er als Wohltäter und neuerdings auch als Investor in der Heimatstadt seiner Familie in Dursunbey auf, in der Provinz Balikesir im Westen des Landes. Der 27 Jahre alte Gündogan, der in Gelsenkirchen geboren wurde, besitzt sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft.

Die regierungsnahe Zeitung "Sabah" lobte im Mai 2017 sein Engagement: Er habe aus eigenen Mitteln umgerechnet rund 1.118.000 Euro beigesteuert, um Wohnungen für Spieler des Sportklubs in Dursunbey zu bauen. Auch Fußbälle, Ausrüstung, Sportkleidung hat Gündogan dem Klub finanziert. Die Zeitung zitiert den Klubvorsitzenden Yusuf Turhan mit den Worten, Gündogan unterstütze den Verein bereits "seit sechs Jahren".

Nachrichten und Videoaufnahmen vom Juni 2017 zeigen ihn in Dursunbey auf dem Gelände eines neuen Fußballplatzes, dessen Bau er mit finanziert hat – wie mehrere andere Projekte dort, um jungen Sportlern in der Heimatstadt seiner Familie zu helfen. Bei solchen Gelegenheiten ist es für einen berühmten Sohn der Stadt wie Gündogan wohl schwer zu vermeiden, diversen Lokalhonoratioren wie dem Bürgermeister und dem örtlichen AKP-Chef die Hand zu schütteln.

Einem älteren Herren überreichte er auch ein signiertes Trikot – wie jetzt bei der umstrittenen Begegnung mit Erdogan. Es handelt sich um Sadi Güven, den Leiter der türkischen Wahlkommission, der aus Dursunbey stammt. In der Türkei ist er bekannt für eine höchst kontroverse Entscheidung in der Wahlnacht des Verfassungsreferendums im April 2017. Erdogan hatte das Referendum knapp gewonnen und damit ein Präsidialsystem mit umfassenden Vollmachten für den Staatschef eingeführt.

Wichtig für seinen hauchdünnen Sieg war eine Entscheidung Güvens, auch Wahlzettel in ungeprüften, ungestempelten Umschlägen zur Auszählung zuzulassen. Inzwischen sieht ein neues Wahlgesetz die Gültigkeit solcher Stimmzettel von vornherein vor.

Einkaufszentrum geplant

Gündogan fördert nicht nur selbstlos, er investiert offenbar auch. Türkische Medien berichteten im März, Gündogan habe zusammen mit seinem Vater Irfan und seinem Bruder Ilker in der gleichnamigen Hauptstadt der Provinz Balikesir für mehr als fünf Millionen Euro ein älteres, ausgedehntes Bürogebäude der Stadtverwaltung gekauft. Dort wolle er ein 13-geschossiges Einkaufszentrum errichten, mit 42 Läden und 123 Büros auf rund 4500 Quadratmeter Fläche. Die Baugenehmigung sei bereits erteilt worden. Auf die Investitionen, wird Gündogan zitiert, "achtet mein Vater".

Wer in der Türkei ein großes Gebäude vom Staat erwirbt und die Genehmigung für ein Großprojekt wie den Bau eines Einkaufszentrums erhält, der braucht gute Beziehungen zur Politik. Kritikern zufolge sind solche Projekte eng mit Korruption verflochten. Nie wurde in der Türkei so viel gebaut wie unter der Regierung Erdogan. Man kann reich werden, wenn man es sich mit ihm und seiner Partei nicht verdirbt.

Gündogan sagte örtlichen Medien, er wolle sich zunächst auf seine Fußballerkarriere konzentrieren, auf längere Sicht aber habe er "Pläne für die Region". Wie die genau aussehen, sei aber noch nicht klar. Jedenfalls wolle er seiner Heimat Gutes tun. Was da zuerst kam, die freundschaftlichen Beziehungen zu Erdogan und zur Machtelite oder die großen Investitionspläne, das ist nicht entscheidend. Das eine hängt vom anderen ab. Ein Handschlag mit Erdogan und dass er ihn "seinen" Präsidenten nannte, das mag Gündogan zwar in den deutschen Medien schaden. In der Türkei ist es seinen Investitionen förderlich.

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