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Hausdurchsuchung bei Martin Sellner: Identitären-Chef bekam offenbar Geld von Christchurch-Attentäter

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 26.03.2019 Maria Fiedler

Hausdurchsuchung beim Identitären-Anführer Martin Sellner: Er hat offenbar eine Spende von dem Attentäter bekommen, der in Christchurch 50 Muslime tötete.

Der Identitären-Anführer Martin Sellner. © Foto: imago/IPON Der Identitären-Anführer Martin Sellner.

Der Anführer der extrem rechten „Identitären Bewegung“ Martin Sellner hat offenbar eine Spende vom Christchurch-Attentäter bekommen. Sellner verkündete am späten Montagabend in einem Video, dass seine Wohnräume deswegen durchsucht worden seien. Das österreichische Innenministerium bestätigte, dass es eine Hausdurchsuchung auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Graz gegeben hat. Nähere Angaben wurden aber zunächst nicht gemacht.

Aus dem Wohnzimmer seiner Eltern - im Hintergrund zu sehen sind Familienbilder - berichtet Sellner, er selbst habe bereits kurz vor der Hausdurchsuchung seine Finanzen durchgesehen. Dabei sei ihm eine „unverhältnismäßig hohe Spende“ aufgefallen, in der E-Mail-Adresse des Absenders sei der Nachname des Christchurch-Attentäters aufgetaucht.

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Er habe das mit seinem Anwalt besprechen wollen. Kurz darauf hätten aber schon Beamte wegen der Hausdurchsuchung vor seiner Tür gestanden, hätten sein Handy, seinen Computer und seine Bankkarten beschlagnahmt, ebenso die Geräte seiner Verlobten. Man verdächtige ihn wegen Gründung oder Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

„Verdachtsfall“ des Verfassungsschutzes

Der Österreicher beteuert, er habe mit dem Anschlag nichts zu tun und werde die Summe einer karitativen Einrichtung weiterleiten. Er glaubt, der Attentäter habe ihn „in diese Sache hineinziehen“ wollen. Dem Attentäter gehe es darum, „massive Repressionen gegen Patrioten“ auszulösen und diese so zu radikalisieren.

Die „Identitäre Bewegung“ ist in Deutschland ein „Verdachtsfall“ des Verfassungsschutzes. Die Aktivisten präsentieren sich als hippe, junge Bewegung, die mit zum Teil Flashmob-artigen Aktionen auffällt. Im Verfassungsschutzbericht 2017 heißt es, wegen der „einwanderungskritischen und islamfeindlichen Haltung“ der „Identitäre Bewegung Deutschland“, die auf völkisch-abstammungsmäßigen Kriterien fuße, lägen tatsächliche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen vor. Sellner ist so etwas wie die Gallionsfigur der Identitären im deutschsprachigen Raum.

Erzählung vom „Großen Austausch“

Augenscheinlich sind die ideologischen Überschneidungen zwischen dem Christchurch-Attentäter und den Identitären. Immer wieder sprechen die Identitären vom „großen Austausch“. Die Bewegung behauptet, Europas Einheimische würden mehr oder weniger planmäßig gegen Einwanderer ausgetauscht. Auch der Christchurch-Attentäter, der bei seiner grausamen Tat 50 Muslime erschoss, nannte sein Manifest „The Great Replacement“ - „Der große Austausch“. Im Internet könnte er auf die Identitären gestoßen sein.

Ob er und Sellner sich persönlich kannten, ist unklar. Mehrere Medien berichteten, der Attentäter sei vor einigen Monaten durch Österreich gereist, habe auch Fotos von dort gepostet. Sellner sagt aber, er habe ihn nicht getroffen.

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