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Kirche beschließt Maßnahmenpaket gegen Missbrauch

Nach der Diskussion über die Studie zu sexuellem Missbrauch durch katholische Priester, Diakone und Ordensangehörige haben die deutschen Bischöfe ein Maßnahmenpaket zur Aufarbeitung und Bekämpfung von Missbrauch beschlossen. In einer in Fulda veröffentlichten Erklärung heißt es, die "schockierenden Ergebnisse" der am Dienstag vorgestellten Untersuchung zeigten den Bischöfen "Verantwortung zu verstärktem Handeln und die Pflicht, den Betroffenen Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen." Die Ergebnisse deuteten auch auf "institutionelles Versagen" hin. In der Erklärung versichern die Bischöfe, sich "dem Ernst der Studie" zu stellen. Zu den beschlossenen Maßnahmen gehört eine angestrebte Zusammenarbeit mit Betroffenen und externen Fachleuten bei den Aufarbeitungsprozessen in den Bistümern. "Wir werden mehr als bisher die Begenung mit den Betroffenen suchen", erklären die Bischöfe. Zudem sollen unter anderem die Führung der Personalakten von Klerikern standardisiert, unabhängige Anlaufstellen geschaffen sowie Interventions- und Präventionsmaßnahmen über Diözesen hinweg beobachtet werden. Ferner wolle man klären, "wer über die Täter hinaus Verantwortung institutionell für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat", so die Bischöfe. "Ohne eine unabhängige Aufarbeitung gibt es keine wirksame Veränderung und Gerechtigkeit", heißt es in der Mitteilung. Außerdem werde das Verfahren zu Leistungen im Zusammenhang mit einer Anerkennung zugefügten Leids fortentwickelt. "Es darf keine Tabuthemen geben" Zum Abschluss der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz kündigte der Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx auch eine breite Diskussion über den Zölibat und die kirchliche Sexualmoral an. "Es darf keine Tabuthemen geben", erklärte Marx. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch kündigte an, mögliche Zusammenhänge zwischen der Verpflichtung der Priester zur Ehelosigkeit und sexuellem Missbrauch an Minderjährigen stärker überprüfen zu wollen. "Wir werden uns fragen, wo in der zölibatären Lebensform Risiken liegen, wenn sie als Flucht vor der Wirklichkeit, aus Angst vor Beziehung oder aus fehlgeleiteter Sucht nach Status gewählt wird", schrieb Koch in einem Gastbeitrag für die Boulevardzeitung "B.Z." Der Passauer Bischof Stefan Oster hatte zuvor erklärt, er sehe keine Notwendigkeit, grundsätzlich über den Zölibat zu diskutieren. Die Ergebnisse der Missbrauchsstudie hätten deutlich gemacht, dass der Zölibat "nicht das eigentliche Problem" sei, sagte er im ZDF. Das Problem liege vielmehr darin, dass die Lebensform und das System der katholischen Kirche immer wieder Menschen angezogen habe, die "womöglich sexuell unreif sind und ein Problem haben und hoffen, es in der Kirche in einer solchen Struktur verdrängen zu können, sich dem nicht stellen zu müssen", sagte Oster. Diese "unreife Disposition" in Kombination mit dem Zölibat habe womöglich Übergriffe begünstigt. Die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie hatte die Sexualmoral der Kirche als einen von mehreren Auslösern des Missbrauchs benannt. hk/se (kna, afp)
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