Durch Nutzung dieses Diensts und der damit zusammenhängenden Inhalte stimmen Sie der Verwendung von Cookies für Analysezwecke, personalisierte Inhalte und Werbung zu.
Sie verwenden eine veraltete Browserversion. Bitte verwenden Sie eine unterstütze Versiondamit Sie MSN optimal nutzen können.

Kommentar zur EU-Strafe: Facebook, Google und Co. müssen an die Leine genommen werden

Kölner Stadt-Anzeiger-Logo Kölner Stadt-Anzeiger 18.05.2017 ksta
leine: Eine Leine für die Big-Player © imago/Westend61 Eine Leine für die Big-Player

Unternehmensfusionen, Vertragsklauseln, Wettbewerbsverzerrung: Was hinter den Kulissen bei Facebook geschieht, dürfte dem Durchschnitts-Internetnutzer herzlich egal sein. Daran ändert auch die Meldung nichts, dass der Internet-Gigant nun von der EU-Kommission zu einer Strafzahlung in Höhe von 110 Millionen Euro verdonnert wurde. Das Unternehmen hatte bei der Übernahme des Nachrichtendienstes WhatsApp falsche Angaben gemacht. „Na und?“, werden viele jetzt fragen, „was ändert das für mich?“ Nichts, ist die ehrliche Antwort. Doch könnte sich bald etwas ändern – sofern die EU-Kommission endlich lernt, den langen Hebel, an dem sie sitzt, auch öfter zu ziehen.

Das Wichtige an dieser Millionen-Klatsche aus Brüssel ist nicht etwa der Betrag. Facebook hat im Jahr 2016 satte 28 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht, da tun ein paar Millionen weniger nicht weh. Auch die Hoffnung der Wettbewerbshüter, eine deutliche Botschaft an Facebook und andere Unternehmen zu senden, bei Kontrollen korrekte Angaben zu machen, dürfte allenfalls eine leise sein.

Jedoch beweist die EU-Kommission mit ihrer Strafe erstmals, dass ihr durchaus Mittel gegeben sind, Facebook und Co. an die Leine zu nehmen. Wer sagt, dass 110 Millionen Euro nicht erst der Anfang sind?

Wie wichtig diese Leine ist, lässt der Fall der WhatsApp-Übernahme erahnen. Konkret geht es um Datenaustausch und -Bündelung zwischen dem Sozialen Netzwerk und dem Messenger-Dienst. Profile auf dem einen Portal können mit der Handynummer auf dem anderen verknüpft werden. Nicht weiter tragisch – außer für diejenigen Nutzer, die sich bewusst nur für eine der beiden Anwendungen entscheiden. Sie möchten WhatsApp nutzen, aber Facebook nicht beitreten? Pech gehabt, Ihre Nummer, Ihre Kontakte und Ihre Fotos kennt Facebook trotzdem.

Mit Facebook zu Spotify und Airbnb

Kritischer wird die Daten-Problematik, wenn weitere Anwendungen hinzukommen. Längst dient der Facebook-Login als Zugangsschlüssel für Dating-Apps, Urlaubsportale und Musikanbieter. Auf welche Daten genau Facebook den Anbietern dabei Zugriff gewährt, kann nur das Unternehmen selbst beantworten. Dass diese Antwort nicht zwingend der Wahrheit entsprechen muss, zeigen die falschen Angaben im Fall WhatsApp.

Dabei ist es fast schon irrelevant, was Facebook mit den Daten seiner Nutzer konkret macht. Allein die Möglichkeit, dass Usern jegliche Kontrolle über ihre Angaben im Netz genommen wird, sobald sie sich einer einzigen Anwendung ausliefern, ist beängstigend.

Um Facebook, Google und Amazon kommt man nicht herum

Dem Anwender hilft das Wissen darum nicht viel, denn was wäre die Alternative? Dem Internet fernbleiben und statt auf Musik-Streaming wieder auf CDs setzen? Sicher nicht. Bewusstes Daten-Management ist also ein Teil der Antwort: das Nutzen verschlüsselter Dienste und Vorsicht bei Inhalten, die man dem Internet preisgibt. Leicht gesagt – bis man sich bewusst macht, dass da ja auch noch Google, Amazon und andere mitmischen.

Eigenverantwortung stößt im Netz schnell an Grenzen. An dieser Stelle ist das Gesetz gefragt, und das bietet in Deutschland und der EU nur zweifelhafte Hilfestellung, wenn es gegen global agierende Unternehmen geht. Bis jetzt. Nein, 110 Millionen Euro Strafe tun Facebook nicht weh.

Wenn die EU-Kommission aber künftig beim Thema Datenschutz genauso durchgreift wie nun bei der Fusionskontrolle, wird die Botschaft irgendwann vielleicht wirklich deutlich. Sie muss lauten: „Wir schützen unsere Bürger auch im Netz. Und wer da nicht mitspielt, für den wird es teuer.“

| Anzeige
| Anzeige

Mehr von Kölner Stadt-Anzeiger

Kölner Stadt-Anzeiger
Kölner Stadt-Anzeiger
| Anzeige
image beaconimage beaconimage beacon