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Kompromittierendes Material gegen Trump? - „Leben wir in Nazi-Deutschland?“

Handelsblatt-Logo Handelsblatt 11.01.2017 Ballin, André ap dpa
Ausgespäht? Russland soll geheime Informationen über den designierten US-Präsident Donald Trump zusammengestellt haben. Foto: Reuters © Reuters Ausgespäht? Russland soll geheime Informationen über den designierten US-Präsident Donald Trump zusammengestellt haben. Foto: Reuters

Russland hat angeblich kompromittierendes Material über den künftigen US-Präsidenten Trump gesammelt. Es soll um Sex und Geschäfte gehen. Der Kreml dementiert, Trump schlägt auf Twitter zurück.

Kein Tag scheint zu vergehen, ohne dass der künftige US-Präsident Schlagzeilen macht. Auf den Vorwurf, von Russland erpressbar zu sein, reagierte Trump mit mehreren empörten Tweets - unter anderem verglich er sein Land indirekt mit Nazi-Deutschland.

Sein Ärger richtet sich insbesondere an die US-Geheimdienste. Diese hätten die "Fake-News" niemals an die Öffentlichkeit geben dürfen, so Trump. „Falsche Nachrichten - eine totale politische Hexenjagd!“, machte er seinem Ärger Luft. Er sieht sich einer Medienkampagne ausgesetzt.

Zuvor hatten die Zeitung „New York Times“ und der TV-Sender CNN berichtet, dass Moskau im Besitz persönlicher und finanzieller Informationen über Trump sei. Die US-Geheimdienste hätten das Material zunächst als „nicht substanziell“ eingestuft.

Der Kreml spricht von „Pulp Fiction“: Der Vorwurf, Moskau sammle „Kompromat“ – so die russische Kurzform für kompromittierendes Material – entbehre jeder Grundlage, sagte Wladimir Putins Sprecher Dmitri Peskow. Russland habe weder Erpressungsmaterial gegen Donald Trump, noch gegen dessen Herausforderin Hillary Clinton gesammelt.

„Das ist eine absolute Ente, eine absolute Fälschung und völliger Blödsinn“, so Peskow. Mit so etwas gebe sich der Kreml nicht ab. „Das nennt man Pulp Fiction“, fügte er den englischen Begriff für billige Schundliteratur hinzu. „Das ist eindeutig ein Versuch, die bilateralen Beziehungen zu stören“, sagte Peskow in Moskau.

Die geplanten neuen Sanktionen gegen Russland beurteilte er als schädlich für die gesamte Weltwirtschaft. Die neuen kritischen Töne des designierten US-Außenministers Rex Tillerson hingegen wollte er nicht kommentieren.

Seine Beraterin Kellyanne Conway sagte im Sender CNN: „Die Berichte nennen keine Quellen, nichts ist bestätigt.“

Demnach wurden Trump und der scheidende Amtsinhaber Barack Obama vergangene Woche darüber informiert. Doch sei das Material als nicht stichhaltig bewertet worden. Bei dem Geheimdienst-Briefing waren Trump und Obama zudem über russische Einflussnahme auf den Wahlkampf in Kenntnis gesetzt worden.

Russland trage bezüglich Tillerson keine „rosa Brille“, schätze aber dessen „konstruktive Härte“ bei der Verteidigung seiner Interessen, sagte Peskow, der dazu aufrief, dessen Rede vor dem Senat abzuwarten.

Zu den in den US-Medien erhobenen Vorwürfen meldete sich unterdessen auch der ehemalige russische Geheimdienstchef Nikolai Kowaljow – Vorgänger von Putin auf dem Posten des FSB-Direktors – zu Wort. Er wies die Beschuldigungen als unglaubwürdig zurück.

Vor allem dementierte er, dass der Kreml schon mit der Sammlung von Material begonnen habe, als Trump in Moskau war. „Wer hat Interesse daran, Kompromat über einen Mann zu sammeln, der herkommt um einen Schönheitswettbewerb zu veranstalten“, fragte er.

Die Meldungen seien ein Versuch der Obama-Administration, den Nachfolger im Weißen Haus zu diskreditieren, sagte der ehemalige russische Geheimdienstchef Kowaljow.


„Bisher hat Trump alle Verlockungen zurückgewiesen“

Den US-Geheimdiensten liegt nach Informationen von Medien Material vor, mit dem der künftige US-Präsident Donald Trump offenbar erpressbar gemacht werden sollte. Die Informationen, deren Wahrheitsgehalt nicht bestätigt ist, seien von russischen Geheimdiensten und Regierungsstellen gewonnen worden. Den US-Geheimdiensten läge entsprechendes Material vor, bestätigte ein Regierungsvertreter.

Ein ehemaliger britischer Agent des Auslandsgeheimdienstes MI6 soll sie im Auftrag von Trumps parteiinternen Rivalen bei den Republikanern und später des Clinton-Lagers zusammengetragen haben, berichteten unter anderem CNN, „New York Times“ und „Guardian“.

Dem „Wall Street Journal“ zufolge soll aus dem Material hervorgehen, dass Mitarbeiter der russischen Regierung sowohl mit Beratern aus Trumps Wahlkampfteam als auch mit Angestellten seiner Unternehmen zusammenarbeiteten. Diese Informationen seien bislang unbestätigt.

In den von den USA als nicht stichhaltig eingestuften Memos, über die es eine zweiseitige Zusammenfassung bei den US-Geheimdiensten geben soll, geht es nach Informationen der „New York Times“ um Sexvorwürfe im Zusammenhang mit Moskauer Prostituierten im Jahr 2013. Ferner sollen Informationen zu Trumps Geschäftsbeziehungen nach Russland enthalten sein.

Das Dokument datiert den Berichten zufolge vom 20. Juni 2016.
Trump sei von russischer Seite über Jahre mit guten Geschäften gelockt worden. „Bisher hat Trump alle Verlockungen zurückgewiesen“, heißt es in dem Bericht.

Es heißt aber auch: Der russische Geheimdienst FSB sei zu der Auffassung gelangt, Trump sei ausreichend kompromittiert worden, um eine Erpressung zu ermöglichen. Unter anderem soll der FSB Trump Sexfallen gestellt haben, in die er getappt sein soll.

FBI-Direktor James Comey nahm zu dem Thema am Dienstag vor einem Senatsausschuss keine Stellung. Er könne nicht zu laufenden Ermittlungen sprechen. Nach Medieninformationen sollen in Russland auch Informationen über Hillary Clinton gesammelt worden sein.

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