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Kritik an Spahns teurer Abtreibungsstudie

SZ.de-Logo SZ.de 12.02.2019 SZ vom 12.02.2019/epd/afp/kir
© REUTERS  

Der Gesundheitsminister will die psychischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen für viel Geld untersuchen lassen. Kritiker sprechen von einem Zugeständnis an radikale Abtreibungsgegner.

• Gesundheitsminister Jens Spahn wird für seine Pläne kritisiert, für 5 Millionen Euro eine Studie zu den seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen anfertigen zu lassen.

• Kritiker halten das für "ideologisch motiviert" und für ein Zugeständnis an radikale Abtreibungsgegner.

• Es gebe bereits genug Studien, die die Theorie von erhöhten psychischen Problemen nach einer Abtreibung widerlegen.

Neue Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) für eine Studie zu den seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen stoßen auf scharfe Kritik von SPD und FDP. Die Berichterstatterin der SPD-Bundestagsfraktion für Frauengesundheit, Hilde Mattheis, kritisierte am Montag, hier sollten "fünf Millionen Euro für eine wissenschaftlich unsinnige und ideologisch motivierte Studie vergeudet werden". Der Bundestag dürfe das Geld dafür nicht zur Verfügung stellen.

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Die Bundesregierung hatte am Mittwoch nach langem Koalitionsstreit die Lockerung des sogenannten Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche auf den Weg gebracht. Medienberichten zufolge sind in der Vorlage aus dem Gesundheitsministerium für die Studie zu den seelischen Auswirkungen in den Haushaltsjahren 2020 bis 2023 jeweils 1,25 Millionen Euro vorgesehen.

Studien widerlegen ein "Post-Abortion-Syndrom"

Auch die Grünen kritisierten das Vorhaben Spahns. Seine Forderung nach dieser Studie "trieft vor Misstrauen gegenüber Frauen" und belege, wie sehr die Union Frauen die Eigenmächtigkeit und Selbstbestimmung abspreche, erklärte die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Ulle Schauws. Etliche qualifizierte Studien widerlegten die These von erhöhten psychischen Problemen nach einem Schwangerschaftsabbruch.

Die Situation von Frauen bei Schwangerschaftsabbrüchen sei durch eine sehr umfangreiche Studienlage untersucht, argumentierte auch Mattheis. Alle seriösen Arbeiten dazu hätten belegt, dass ein sogenanntes Post-Abortion-Syndrom, also eine schwere Belastungsstörung bei Frauen, die abgetrieben haben, nicht existiere. "Richtig ist, dass Frauengesundheit in der Gesundheitsforschung systematisch vernachlässigt ist", räumte Mattheis ein. "Wenn das Gesundheitsministerium etwas für Frauen tun will, wären zusätzliche Gelder für Forschung in diesem Bereich richtig angelegt."

Die frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Nicole Bauer, bezeichnete das Forschungsvorhaben als "Zugeständnis an radikale Lebensschützer". Ein Erkenntnisgewinn sei nicht zu erwarten, denn die psychischen Auswirkungen von Abtreibungen seien seit Jahren ausführlich und umfassend untersucht. "Dass der Steuerzahler für diesen Unsinn auch noch fünf Millionen Euro bezahlen darf, setzt dem Ganzen die Krone auf", urteilte Bauer. Angebracht sei stattdessen ein "enttabuisierter und aufgeklärter Umgang mit dem sensiblen Thema" Abtreibung. Studien legten nahe, dass mitunter die Stigmatisierung zu psychischen Problemen bei den Betroffenen führen könne, betonte Bauer.

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