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Mar-a-Lago: Der Präsident ruiniert das Geschäft

ZEIT ONLINE-Logo ZEIT ONLINE 22.08.2017 Milena Hassenkamp

Mar-a-Lago: Der Präsident ruiniert das Geschäft © Joe Raedle/Getty Images Mar-a-Lago: Der Präsident ruiniert das Geschäft

Ein Besuch von Donald Trump kostet Marian Smith 6.000 Dollar am Tag. Der Frau aus Süd-Florida gehört eine Flugschule in der Nähe des Palm-Beach-County-Park-Flughafens, der etwa 15 Kilometer südlich von Trumps Anwesen Mar-a-Lago liegt. Seit Trump Präsident ist, hat er insgesamt 25 Tage in seinem Club in Palm Beach verbracht – und das in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit. Marian Smith hat jeden dieser Tage gezählt.

Auf dem Flughafen ist es ruhig. Die Saison beginnt in Süd-Florida erst im Winter, wenn US-Amerikaner der Kälte des Nordens entfliehen, um an einem der meistbesuchten Ausbildungsflughäfen der USA in einen wolkenlosen Himmel zu starten. Auch Präsident Donald Trump besucht zu dieser Zeit gerne sein, wie er es nennt, "Winter White House" Mar-a-Lago. Für die 28 Unternehmer rund um den Flughafen und ihre rund 250 Angestellten bedeutet das vor allem: Verluste.

Denn wenn Trump Mar-a-Lago besucht, verbietet das Sicherheitsprotokoll Flüge im Umkreis von 16 Kilometern. Dann stehen die Motoren der 15 Flugzeuge von Marian Smiths Flugschule Palm Beach Flight Training still. Bereits seit 19 Jahren macht Marian Smith ihre Geschäfte, wie viele hier am Flughafen, etwa der Anbieter von Helikopterflügen oder die Werbebannerflieger von Sky Words Advertising, vor allem am Wochenende und alleine in der Luft. "Im Winter kommen die meisten Leute, um fliegen zu lernen", sagt Marian Smith.

Jetzt, im Sommer, ist es vielen dagegen zu heiß zum Fliegen. Donald Trump geht bei der Hitze lieber golfen in New Jersey, und auch die Piloten der Flugschule sitzen in ihrem klimatisierten Büro am Rande des Flugplatzes. Fluglehrer Rodney hat gerade seine letzte Flugstunde gegeben und lehnt über dem Tresen seines Kollegen Matt, der heute das Telefon betreut. Beide haben im vergangenen Jahr nicht gewählt. Beide aus verschiedenen Gründen. Beide wollen nicht, dass ihre Nachnamen mit ihren politischen Einstellungen in Verbindung gebracht werden.

"Ich mag Trump, wenn er nicht da ist!", sagt Matt. Der junge Mann hinter dem Tresen hat seinem Land gedient, sagt er. Er war in Irak und Afghanistan und findet: Trump hat recht mit seinem Einwanderungsstopp für Muslime "und auch mit vielen anderen Sachen".

Matt vertraut darauf, dass Trump nicht weiß, was er tut. "Wenn er eine Ahnung davon hätte, wie viel wir verlieren, würde er das nicht machen! Das sind seine Sicherheitsleute, die ihn dazu zwingen!" Der Ex-Soldat glaubt an seinen Präsidenten. Wenn Matt nicht verreist gewesen wäre, hätte auch er ihn gewählt. "Obama ist genauso herumgeflogen. Und Trump arbeitet hier wenigstens".

Was Trump tatsächlich in seinem Anwesen macht, wenn er da ist, wissen höchstens einige der 500 Mitglieder, die Zutritt dazu haben. Während einige von ihnen im Club speisten, empfing der Präsident vor Kurzem nebenan den japanischen Premierminister Shinzō Abe zu einem Arbeitsessen. In der darauffolgenden Woche war Chinas Staatschef Xi Jinping zu Gast.

Trump ist natürlich nicht der erste Präsident, der Urlaub macht – auch für Barack Obamas Urlaube auf Hawaii galten dieselben Sicherheitsbestimmungen wie für den jetzigen Präsidenten. Doch Trump ist ein Präsident, der sich vor Beginn seiner Amtszeit über die Reisekosten seines Vorgängers auf Kosten der Steuerzahler beschwert hat und sich in den ersten Monaten seiner Präsidentschaft häufiger außerhalb des Weißen Hauses aufgehalten hat als seine Vorgänger innerhalb der gleichen Zeit. Die Reisekosten zu privaten Zwecken dürften damit die seines Vorgängers bei Weitem übersteigen.

Wenn Trump anreist, muss das Luxusressort Mar-a-Lago aus der Luft und vom Wasser aus geschützt werden, für die Anreise des Präsidenten errichtete Straßensperrungen erschweren dann Anwohnern den Weg nach Hause. Polizei und Feuerwehr leisten Überstunden. Die Schätzungen darüber, was ein Besuch von Trump kostet, liegen zwischen einer und 3,6 Millionen. Eine Anfrage der Washington Post ergab, dass alleine die Kosten der Küstenwache für die 25 Tage, die Trump in Mar-a-Lago verbracht hat, bei 5,9 Millionen Dollar lagen

Die genaue Höhe der Ausgaben lässt sich deshalb nicht ermitteln, weil das Weiße Haus die Zahlen nicht veröffentlicht. Das liegt allerdings nicht an Trump, auch zu Obamas Amtszeit wurden keine genauen Zahlen veröffentlicht. Das Center for American Progress, eine Nichtregierungsorganisation, versucht es trotzdem auszurechnen. Auf der Webseite IsTrumpAtMarALago.org rechnet sie vor, was Trumps Ausflüge den Steuerzahler kosten. Ihre Angaben beruhen auf vergleichbaren Reisen Präsident Obamas, die allerdings nur schwer in Bezug zu Trumps Reisen gesetzt werden können, da die Reisen nicht identisch waren. 

Bei diesen Zahlen zieht Rodney die Augenbrauen hinter seiner Sonnenbrille hoch. "Ich verstehe nicht, warum er nicht ein bisschen zurückzahlen kann, wenn er sich doch für die 'einfachen Leute' einsetzen will!" Der Fluglehrer lacht. Er glaubt natürlich nicht daran, dass das passieren wird. "Wie es auch die Regierung nicht interessiert, dass ich mit meinen 25.000 Dollar Einkommen im Jahr keine Krankenversicherung bezahlen kann." Rodney möchte lieber nicht, dass sein Kollege Matt erfährt, was er vom US-Präsidenten hält. "Das kann man hier nicht gut öffentlich sagen", sagt Rodney, als er später vor dem Büro in sein Auto steigt. "Auch wegen der Kunden nicht."

Mar-a-Lago trennt die Bevölkerung von Palm Beach in zwei Teile – nicht nur durch die Straßensperrungen. Während sich einige der kleinen Unternehmen gemeinsam über die strengen Sicherheitsregeln beschwert haben, die Flugstreichungen und ein Verkehrschaos in der Stadt verursachen, freut sich das Business-Development-Board von Palm Beach über die Werbekampagne für die lokale Wirtschaft. Etwas Besseres, sagt Board-Chefin Kelly Smallridge, hätte sie sich für die lokale Wirtschaft nicht wünschen können. Während Trump-Gegner sich über die Kosten für Steuerzahler und ihre Stadt ärgern, wollen Trump-Unterstützer ihrem Präsidenten den Urlaub nicht streitig machen, der ihrer Meinung nach nicht mehr kostet als Obamas Ausflüge nach Hawaii. Offen sprechen will darüber in Palm Beach allerdings kaum einer. Politik bedeutet für die Unternehmer des Flughafens inzwischen "off the record".

So möchte Stellar Aviation, das Unternehmen, das den Flughafen betreibt, sich nicht mehr zu der Situation äußern. Der New York Times hatte der Chef des Unternehmens, Jonathan Miller, im Februar gesagt, er verliere 30.000 Dollar Umsatz mit jedem Besuch Trumps in Mar-a-Lago. Somit dürfte er bei den sieben Besuchen des Präsidenten während der Wintersaison etwa 210.000 Dollar Umsatz eingebüßt haben. Smith sagte im Februar, wie Trump auf den Protest der Einzelhändler reagiere, sei "ein guter Test dessen, was der Präsident sagt und was er anschließend tatsächlich tut".

Marian Smith ist frustriert von den vielen Anrufen, die sie getätigt, den vielen Briefen, die sie geschrieben hat. Sie hat versucht, mit dem Secret Service zu reden, hat mit lokalen Politikern gesprochen, an Kongressmitglieder appelliert. Nichts ist seitdem geschehen. So hat sie bereits über 100.000 Dollar Umsatz eingebüßt. Um ihre Kunden nicht zu verlieren, hat sie eine Flugschule in Fort Lauderdale aufgemacht, die die Verluste ausgleichen soll. Doch ihre Kunden nehmen die Ausweichmöglichkeit nur zögernd an. Die drei demokratischen Abgeordneten Lois Frankel, Alcee Hastings und Theodore Deutch haben Trump in einem Schreiben aufgefordert, für die Erstattung der hohen Kosten zu sorgen, die ihr Wahlbezirk Palm Beach für die Sicherheit des Präsidenten aufbringen muss. Doch auch sie haben in Washington nichts erreichen können.

Gleichzeitig scheint Trumps Club von seiner Präsidentschaft zu profitieren: Seit seinem Amtsantritt hat Mar-a-Lago die Aufnahmegebühr für neue Mitglieder auf 200.000 Dollar verdoppelt. Davon, findet der demokratische Landrat Dave Kerner, könnte Mar-a-Lago ruhig etwas abgeben. Der Demokrat fordert deshalb eine Steuer, die seinem Wahlbezirk bei den Kosten für die Sicherheit des Präsidenten helfen soll. Erfolg hatte diese Forderung bisher nicht.

Die Unternehmen in Palm Beach haben indes wenig Hoffnung für Herbst und Winter. "Dieses Jahr wird es noch schlimmer", befürchtet Marian Smith, "wir erwarten Trump an Thanksgiving, Weihnachten und Silvester. Er wird sicher keinen Feiertag auslassen!"

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