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Medien: Trump nennt Fauci eine "Katastrophe"

dw.com-Logo dw.com 19.10.2020 dw.com

Sie traten eine Weile zusammen auf, bis der Experte auf Abstand ging. Nun ist festzuhalten: US-Präsident Trump und der oberste Corona-Bekämpfer Fauci werden keine Freunde mehr. Dem Wahlkämpfer Trump hilft Fauci nicht.

Schlechte Stimmung zwischen Fauci (rechts) und dem Präsidenten © picture-alliance/abaca/G. Yuri Schlechte Stimmung zwischen Fauci (rechts) und dem Präsidenten

US-Präsident Donald Trump hat den führenden US-Gesundheitsexperten Anthony Fauci Medienberichten zufolge als "Katastrophe" bezeichnet und ihm Fehler in der Pandemie vorgeworfen. Die vernichtende Kritik äußerte Trump nach Berichten des Senders CNN und der "New York Times" in einer Telefonschalte mit seinem Wahlkampfteam am Montag. "Wenn er im Fernsehen auftritt, gibt es immer eine Bombe, aber es gibt eine größere Bombe, wenn man ihn feuert. Der Typ ist eine Katastrophe", sagte Trump nach einem Bericht der "New York Times". Und Trump ergänzte dem Bericht zufolge vor seinen Getreuen: "Die Leute haben es satt, Fauci und diese Idioten zu hören, all diese Idioten, die Fehler gemacht haben."

"Diese Idioten"

Der Nachrichtensender CNN liefert noch andere Zitate von Trump mit Blick auf Fauci: "Wenn ich auf ihn gehört hätte, hätten wir 500.000 Tote." Die Zahl der Menschen, die in den USA an oder mit dem Coronavirus gestorben sind, liegt derzeit bei rund 220.000. Seit Beginn der Pandemie haben sich mehr als acht Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten mit dem gefährlichen Krankheitserreger angesteckt.

Für seine Politik in der Pandemie erntete der Präsident viel Kritik - zum Beispiel von der © Richard B. Levine/Imago Images Für seine Politik in der Pandemie erntete der Präsident viel Kritik - zum Beispiel von der

Fauci ist Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten und - eigentlich - Teil der Coronavirus-Arbeitsgruppe des Weißen Hauses. Während der Präsident wegen seines Umgangs mit der Pandemie weiterhin heftig kritisiert wird und sich ja auch selbst eine Infektion einfing, genießt Fauci in den USA und auch international als Mediziner einen guten Ruf. Auch wenn das eingefleischte Trump-Anhänger anders sehen.

Interessant ist, dass Trump mit seiner Kritik an Fauci Widerspruch auch in seiner eigenen republikanischen Partei provozierte. Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im US-Senat, Lamar Alexander, teilte auf Twitter mit, Fauci sei einer der angesehensten Beamten überhaupt und habe unter sechs US-Präsidenten gearbeitet. "Wenn mehr Amerikaner auf seinen Rat hören würden, hätten wir weniger Fälle von Covid-19."


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Das Wahlkampfteam von Trumps demokratischem Herausforderer Joe Biden kritisierte, die Weigerung des Präsidenten, auf Wissenschaftler zu hören, habe die USA zu dem am schwersten von der Pandemie betroffenen Land weltweit gemacht.

Trump dementierte die Berichte nicht. Auf Twitter schrieb er mit Blick auf Fauci: "Alles, was ich von Tony verlange, ist, dass er bessere Entscheidungen trifft." Bei einem Wahlkampfstopp in Phoenix im Bundesstaat Arizona sagte Trump: "Manchmal sagt er Dinge, die ein wenig danebenliegen und sich leider aufschaukeln, aber er ist ein netter Kerl, den ich mag." Der Republikaner fügte mit Blick auf die lange Karriere des Immunologen hinzu: "Ich will ihm nicht wehtun, er ist seit ungefähr 350 Jahren da."

Richtig wütend

Fauci hingegen hatte am Sonntag im Sender CBS gesagt, er sei "absolut nicht" überrascht gewesen, dass sich Trump mit dem Coronavirus infizierte. Mit Blick auf eine Veranstaltung mit Trump im Rosengarten des Weißen Hauses Ende vergangenen Monats, als die mögliche Richterin am Supreme Court, Amy Coney Barrett, sprach der Immunologe von einem "Superspreader-Event". Als er im Fernsehen gesehen habe, dass dort kaum Schutzmaßnahmen beachtet wurden, habe er gedacht: "Es kann nichts Gutes dabei herauskommen." Der Mediziner kritisierte erneut, dass Trumps Wahlkampfteam eine Aussage von ihm ohne Genehmigung und sinnentstellend in einem Wahlwerbespot verwendet habe. Er sei darüber "richtig wütend" gewesen.

ml/rb (dpa, ap, rtr)

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