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Nach Plagiatsvorwürfen: Erstgutachterin von Franziska Giffeys Doktorarbeit schweigt

Berliner Zeitung-Logo Berliner Zeitung 11.02.2019 Christine Dankbar
Ihr Ruf steht auf dem Spiel: Familienministerin Franziska Giffey. © Paulus Ponizak Ihr Ruf steht auf dem Spiel: Familienministerin Franziska Giffey.

Das kann sich nun hinziehen: Die Dissertation von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) wird nun von der Freien Universität (FU) Berlin geprüft. Doch auch die Plattform VroniPlag Wiki hat ihre Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Dort ist man offensichtlich nicht begeistert darüber, dass der Spiegel Ende vergangener Woche mit der Meldung an die Öffentlichkeit ging, die beliebte SPD-Ministerin stehe unter Plagiatsverdacht.

Giffey schrieb Dissertation neben dem Job

„Wir haben noch ein bisschen Arbeit vor uns“, sagte eine Mitarbeiterin von VroniPlag Wiki am Montag der Berliner Zeitung. Sie möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen, ihre Identität ist der Berliner Zeitung aber bekannt. Nach ihren Angaben ist die Arbeit etwa zur Hälfte geprüft.

Franziska Giffey hat ihre Dissertation am 30. Oktober 2009 eingereicht, am 16. Februar 2010 fand die sogenannte Disputation statt. Das ist ein wissenschaftliches Prüfungsgespräch, nach dem die Doktoranden dann ihren Titel führen dürfen. Ende des Jahres 2010 wurde Giffey Bezirksstadträtin in Neukölln.

Ihre Doktorarbeit verfasste sie neben ihrem Job als Beamtin während eines berufsbegleitenden Promotionsstudiums der Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der FU. Der frühere Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky hatte Giffey 2002 zur Europabeauftragten seines Bezirkes gemacht. Zu dieser Tätigkeit passt auch das Thema ihrer Dissertation: „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft.“

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Plagtiatsvorwürfen wird nachgegangen

Erstgutachterin der Arbeit war die FU-Politikprofessorin Tanja Anita Börzel. Sie wollte sich am Montag nicht zur der Angelegenheit äußern. Auch Giffey selbst will zu ihrer Promotion nichts sagen, bis die FU ihre Prüfung abgeschlossen hat. Sie ließ lediglich mitteilen, dass sie ihre Promotion nach „bestem Wissen und Gewissen“ erarbeitet habe.

Ob das genügt hat, kann man auf der Webseite von VroniPlag Wiki gewissermaßen live verfolgen. Die Arbeit von Giffey wird dort noch unter dem Kürzel Dcl und nicht mit dem Klarnamen der Ministerin gelistet. Das zeigt, dass die Experten der Plattform die Prüfung noch nicht abgeschlossen haben. Laut Webseite hat man auf 49 von 205 Seiten Plagiate gefunden.

Für viele Passagen der langen Arbeit gebe es noch keine Sichtung durch eine zweite Person, erklärte die Mitarbeiterin von VroniPlag Wiki. Nach ihren Angaben wird die 266 Seiten lange Doktorarbeit von Franziska Giffey seit etwa einem halben Jahr genauer untersucht.

FU will bald Verfahren einleiten

Von wem der Tipp dazu kam, konnte sie nicht sagen. „Darüber führen wir kein Buch.“ Sie bestätigte, dass der Mitarbeiter, der das Pseudonym „Robert Schmidt“ gewählt hat, federführend beteiligt ist. „Robert Schmidt“ hatte seinerzeit auch die Dissertation von Annette Schavan durchleuchtet. Der Süddeutschen Zeitung hat er zum Fall Giffey ein schriftlich geführtes Interview gegeben, in dem er davon spricht, dass Giffey „in erheblichem Umfang“ abgeschrieben habe.

Die Plattform VroniPlag Wiki wird von ehrenamtlichen Mitarbeitern betrieben, von denen viele selbst aus der Wissenschaft stammen. Es kann aber jeder mitmachen. Ein kommerzielles Interesse haben die Aktivisten nicht, sie nennen die Qualität der Lehre als ihre Motivation.

Die Freie Universität will „in Kürze“ ein Verfahren einleiten, ließ FU-Präsident Günter M. Ziegler über seinen Sprecher mitteilen. Giffey hatte in einem Schreiben an Ziegler vergangenen Donnerstag selbst darum gebeten. Man habe im FU-Präsidium zuvor einen Hinweis erhalten, dass es sich bei der noch anonymisierten Untersuchung auf VroniPlag Wiki um die Arbeit der Ministerin handele. Wie lange das Verfahren dauern werde, ließe sich noch nicht sagen.

Plagiatsvorwürfe erinnern an vergangenen Fall

Die FU hat erst vor wenigen Tagen ein anderes Verfahren beendet. Anfang Februar teilte sie mit, dass man dem Reinickendorfer CDU-Bundestagsabgeordneten Frank Steffel den Doktortitel entziehe. Steffels Arbeit war von dem Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder untersucht worden, der VroniPlag mitgegründet hat und 2011 im Streit schied.

Heidingsfelder hatte der FU seinen Verdacht im November 2017 mitgeteilt. Er gab an, dass Steffel in großem Umfang aus mindestens drei Quellen kopiert habe, ohne dies als Zitate auszuweisen. Die Berliner Zeitung fand durch eigene Recherche weitere vier Quellen, die Steffel nicht als Zitate kenntlich gemacht hatte. Steffel hat angekündigt, dass er gegen den Entzug klagen will. (mit fred.)

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