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Panikkäufe an Tankstellen - London will nun doch Visa-Ausnahmen für Lkw-Fahrer

WELT-Logo WELT 25.09.2021
Lange Schlangen bildeten sich auch vor dieser Tankstelle in Wales, Großbritannien Quelle: REUTERS © REUTERS Lange Schlangen bildeten sich auch vor dieser Tankstelle in Wales, Großbritannien Quelle: REUTERS

Es war eine Nachricht, die vermutlich das genaue Gegenteil bewirkt hat: „Es gibt keinen Kraftstoffmangel. Ich wiederhole: ES GIBT KEINEN KRAFTSTOFFMANGEL!!“, twitterte die britische Kulturministerin Nadine Dorries am Freitagabend, um die Bevölkerung zu beruhigen, angesichts von Berichten über Schwierigkeiten bei Benzinlieferungen an Tankstellen.

Schon seit Tagen wird beklagt, dass die Energiekonzerne BP und Esso wegen eines Mangels an LKW-Fahrern einige Tankstellen nicht mehr mit Kraftstoff versorgen können.

Allen Ermahnungen zum Trotz: Am Samstagmorgen machte die reichweitenstarke Boulevardzeitung „Daily Mail“ online erneut mit einem Bericht auf, in dem „selbstsüchtige Autofahrer“ zu sehen waren, die sich den Tank „randvoll“ machen und den Kofferraum mit vollgetankten Kanistern füllen. Teils waren Briten abgelichtet, die fünf oder auch gleich zehn Kanister mit Treibstoff betankten.

Erste Tankstellen limitieren denn auch schon die Abgabemenge pro Fahrer. Der Betreiber EG Group (400 Tankstellen) etwa führte an den Zapfsäulen eine Obergrenze von 30 Pfund (35 Euro) je Kunde ein. Dem Bericht zufolge stauten sich die Autos vor den Tankstellen teils seit 6 Uhr morgens.


Video: Panikkäufe an Tankstellen? Britische Regierung rät ab (AFP)

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„Boris schert sich nicht mehr um Visaregeln“

Angesichts der Versorgungsengpässe (neben Gas sind derzeit auch Lebensmittel betroffen), die durch Lieferprobleme bedingt sind, hat sich die britische Regierung offenbar zu einer politischen Kehrtwende entschlossen. Wie mehrere britische Medien am Samstag übereinstimmend berichteten, will Premierminister Boris Johnson ausländische Lastwagenfahrer vorübergehend von den scharfen Brexit-Visaregeln ausnehmen. Dabei solle es eine Obergrenze geben. Angedacht wird laut der „Daily Mail“ offenbar auch, kurzzeitig 5000 Lastwagenfahrer mit begrenzter Aufenthaltsgenehmigung ins Land zu holen.

Hand written signs are stuck to a petrol pump with no fuel available at a Shell filling station in Manchester, Britain, September 24, 2021. REUTERS/Phil Noble © REUTERS Hand written signs are stuck to a petrol pump with no fuel available at a Shell filling station in Manchester, Britain, September 24, 2021. REUTERS/Phil Noble

Bisher lehnte Johnson Ausnahmen strikt ab. Auslöser für den Sinneswandel waren offensichtlich die Berichte über Probleme bei Benzinlieferungen an Tankstellen. „Boris hat die schlechten Schlagzeilen völlig satt und möchte, dass es gelöst wird, er schert sich nicht mehr um Visaregeln“, zitierte die „Financial Times“ einen „Verbündeten“ Johnsons.

In Großbritannien fehlen nach Schätzungen des Branchenverbands Road Haulage Association etwa 100.000 Lastwagenfahrer. Deshalb kam es vielerorts zu leeren Supermarktregalen. Auch andere Branchen wie die Fleischhersteller klagen über einen eklatanten Fachkräftemangel. Seit dem Brexit müssen EU-Bürger, die neu zur Arbeit nach Großbritannien ziehen, teure Visa besorgen.

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