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Putin hat mit Russlands Aufrüstung eine „Zeitbombe“ geschaffen — sie droht jetzt hochzugehen

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 18.07.2019 Business Insider Deutschland
Muss sich um die heimische Rüstungsindustrie Sorgen machen: Russlands Präsident Wladimir Putin. © Mladen Antonov, AFP, Getty Images Muss sich um die heimische Rüstungsindustrie Sorgen machen: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Gekleckert hat das russische Militär in den vergangenen Jahren wahrlich nicht. Was mächtig und bedrohlich klang, wurde entwickelt, produziert und gekauft. Raketenabwehrsysteme und Hyperschallwaffen hier, geheimnisvolle Kampfjets und Atom-U-Boote da. Wo ein Wille war, da war auch Geld. Oder zumindest die Bereitschaft, Geld zu investieren. Schließlich galt es, spätestens seit der Krimkrise dem Westen zu zeigen, dass er sich mit Russland lieber nicht anlegen sollte.

Dementsprechend blähte sich der ohnehin üppige Verteidigungshaushalt mächtig auf. 1998 steckte Russland nach Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri 2,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts ins Militär. 2016 waren es schon 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland gab im vergangenen Jahr lediglich 1,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für die Bundeswehr aus.

Russlands Vizepremier: Rüstungsindustrie leidet

Billionen Rubel flossen dabei in die Aufrüstung des russischen Militärs. Wie viel genau? Das hat jetzt die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg recherchiert. Demnach gab der Kreml im vergangenen Jahrzehnt rund 20 Billionen Rubel für Waffen aus. Das sind etwa 284 Milliarden Euro. Ein Segen für Waffenhersteller, mag man da meinen. Von wegen!

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In der russischen Rüstungsindustrie haben sich die Schulden gehäuft. Die Branche leide, warnte Russlands Vizepremierminister Yuri Borisow jüngst, wie die Nachrichtenagentur Tass berichtete. Es gebe nicht mehr genug Mittel, um in neue Technik zu investieren. „Wir haben Präsident [Putin] wiederholt darum geben, sich um diesen Darlehensbestand zu kümmern“, zitierte die Agentur Borisow.

Die Schulden stapeln sich vor allem, weil der russische Staat Unternehmen erst dann bezahlt, wenn das Produkt fertiggestellt ist. Bis dahin müssen sich Firmen mit Darlehen über Wasser halten, für die schon mal zehn Prozent Zinsen jährlich anfallen. Borisow kritisierte die Finanzindustrie harsch. Sie würde bei Rüstungsdeals am Ende viel höhere Profite einfahren als die Waffenhersteller selbst, klagte er.

Putin braucht eine starke Rüstungsindustrie

Laut Bloomberg gehen Experten davon aus, dass viele der Schulden Jahre zurückreichten und nicht mehr zurückgezahlt würden. Jüngste Sparmaßnahmen des Kreml im Militärbudget verschlimmerten die Lage. „Diese Zeitbombe geht jetzt hoch“, sagte Konstantin Makienko von der Moskauer Denkfabrik Center for Analysis of Strategies and Technologies der Agentur.

In der Vergangenheit sprang im Notfall der russische Staat der heimischen Rüstungsindustrie bei und gewährte ihr frisches Geld, um normal weiterarbeiten zu können. Gut möglich, dass das nun wieder geschieht, auch wenn sich das Finanzministerium offiziell noch sträubt. Schließlich gehört die Rüstungsindustrie zu Russlands größten Wirtschaftssektoren. Noch 2014 verdienten laut einer Studie des EU-Instituts für Sicherheitsstudien 1,3 Millionen Menschen dort ihr Geld.

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Für den Kreml dürfte ein anderes Argument aber fast noch wichtiger sein: Angesichts harter westlicher Sanktionen ist Russland umso stärker auf die eigene Waffenherstellung angewiesen, um Rivalen auf der Weltbühne die Stirn bieten zu können. Putin weiß genau: Ohne ein starkes Militär im Rücken ist der starke Mann im Kreml auf internationalem Parkett nur noch halb so stark. Auch deshalb dürfte eine funktionierende Rüstungsindustrie für ihn hohe Priorität haben.

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