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Rhetorik-Experten erklären die versteckten Botschaften in Merkels Abschieds-Rede

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland 07.12.2018 Katharina Maß

Angela Merkel with collar shirt: Zwei Experten haben genau analysiert, wie Angela Merkel bei ihrer letzten Rede als CDU-Vorsitzende aufgetreten ist. © Gettyimages Zwei Experten haben genau analysiert, wie Angela Merkel bei ihrer letzten Rede als CDU-Vorsitzende aufgetreten ist.

Beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg hat Angela Merkel am Freitag ihre letzte Rede als CDU-Vorsitzende gehalten. Sie gibt damit nach mehr als 18 Jahren den Parteivorsitz ab. Die beiden Kommunikations- und Medienexperten Sascha Michel und Dirk W. Eilert haben sich für Business Insider Merkels Rede ganz genau angeschaut, sie analysiert und dabei auch auf Mimik und Gestik geachtet.

Experte: „Die Selbstironie von Merkel war erstaunlich“

Gleich zu Beginn ihrer Rede sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den Delegierten, die Mottos der Parteitage seien immer typisch Merkel gewesen — „zur Sache und „knochentrocken“. „Die Selbstironie von Merkel war erstaunlich. Eigentlich hält sie ihre Reden sehr sachlich und begründet“, sagte Medienlinguist Sascha Michel im Gespräch mit Business Insider. Immer wieder teilte Merkel bei ihrer Abschiedsrede auf dem CDU-Parteitag gegen sich selbst aus.

Doch nicht nur das. Merkels Rede war laut Michel zwar nicht unerwartbar, aber: „Die Rede war deutlich besser als Angela Merkels sonstigen Reden, denn sie war selbstkritischer. Merkel war nicht so defensiv wie sonst. Die Rede war sehr gelöst und offen.“ Merkel erklärte auch, sie habe sich zu scharfen Angriffen von links und rechts oft nicht geäußert, obwohl einige Parteimitglieder sie dazu gedrängt hätten. „Ich weiß, dass ich damit eure Nerven sehr oft auf die Probe gestellt habe“, sagte die Bundeskanzlerin zu den Parteimitgliedern.

Besonders zu Beginn ihrer Rede blickte Merkel auf ihre Amtszeit als CDU-Parteivorsitzende zurück. Dabei wirkte sie laut Mimik- und Gestik-Experte Dirk W. Eilert aufgeregt. „Das ist typisch für Merkel, aber dieses Mal wirkte es stärker. Ihre Atmung war beschleunigt und sie verhaspelte sich hin und wieder.“ Generell wirke Merkel eher introvertiert, so Eilert. Sie konzentriere sich sachlich auf ihre Reden. Dadurch wirke ihre Mimik unbewegt. „Abseits der Bühne ändert sich das wieder.“

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Merkel erinnerte ihre Nachfolger daran, was sie geschafft hat

Die Bundeskanzlerin erinnerte daran, dass die CDU mit der Spendenaffäre eine große Krise überwinden musste, als sie im April 2000 CDU-Vorsitzende wurde. Die meiste Zeit über sprach sie in ihrer Rede in der Wir-Form. Laut Michel habe sie aber vor allem am Anfang trotzdem oft nur sich selbst gemeint. „Obwohl Merkel häufig das Wort ,wir' verwendet hat, war ihre Rede vor allem zu Beginn sehr ich-bezogen. Damit hat sie ihrem Nachfolger bewusst signalisiert: ‘Ich habe die Latte ziemlich hoch gelegt’“, sagte Michel. Später sprach Merkel von den Erfolgen bei den Landtagswahlen. Ab da haben sich das „wir“ dann auch auf die Partei ausgeweitet.

In ihrer Rede hat Merkel laut den Experten verschiedene Facetten gezeigt. Eilert fielen vor allem drei Momente auf: Als Merkel ihren Wegbegleitern dankte, habe sie echte Freude gezeigt. „Sie hat nicht nur mit dem Mund, sondern auch mit den Augen gelacht.“ Das habe er daran erkannt, dass sich der äußere Augenringmuskel zusammengezogen hat, erklärt Eilert. „Der ist schwer kontrollierbar.“

Im Laufe ihrer Rede wirkte Merkel laut Eilert immer gerührter. Einmal, als sie Helmut Kohl und George Bush gedachte, vor allem aber gegen Ende. „Bei ihrer Verabschiedung wirkte Merkel wirklich gerührt. Dass sie Dankbarkeit mitnimmt, ist absolut glaubwürdig. Sie hat ihre Augenbrauen-Innenseiten hochgezogen und gelächelt“, sagte der Mimik-Experte. 

„Merkels Rede war historisch“

„Merkels Rede war historisch“, sagte Michel. Auch, weil sie nicht nur zurückblickte, sondern einen Ausblick gab. „Am Ende ihrer Rede hat Merkel fast schon christdemokratische Gebote aufgestellt. Es ist ihr merklich wichtig, dass etwas von ihr bleibt“, sagte Michel Business Insider. Gegen Ende ihrer Rede betonte Merkel, die CDU grenze sich zwar ab, aber niemals aus. Christdemokraten würden streiten, aber nicht hetzen oder andere Menschen nieder machen. Sie würden niemanden gegeneinander ausspielen und dem Land dienen. 

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In diesen Geboten sieht Michel aber noch einen weiteren Punkt: Die Kanzlerin sprach dabei immer von den Christdemokraten und der Christdemokratie. „Indem sie das christdemokratische Menschenbild betonte, wollte Merkel das Image korrigieren, die CDU sei nach links abgedriftet“, sagte der Experte. Immer wieder wird der CDU vorgeworfen, sie habe mittlerweile Positionen der SPD eingenommen.

Angela Merkel beendete ihre Rede in den Augen des Experten sehr demütig und emotional. Doch neben Werten gab sie ihrer Partei einen weiteren Punkt mit auf den Weg in die Zeit, in der sie nicht mehr CDU-Vorsitzende ist: Sie erinnerte daran, dass sie ja auch noch Bundeskanzlerin sei. Damit hat Merkel laut dem Experten ihrer Partei das Zeichen gegeben, dass sie weiter mit ihr rechnen kann. „Merkel empfindet ihre Kanzlerschaft noch immer als Dienst und Pflicht und will sie weiter erfüllen“, so Michel.

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