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Sewerodwinsk: Radioaktive Belastung und Ratlosigkeit nach "Skyfall"-Unfall im Norden Russlands

stern-Logo stern vor 4 Tagen nik
Anlegestellen der wichtigsten russischen Flotte der Nordmarine in der Stadt Sewerodwinsk © Picture Alliance/Alexander_Nemenov/ Anlegestellen der wichtigsten russischen Flotte der Nordmarine in der Stadt Sewerodwinsk

Welche Folgen hat der Unfall mit der nuklear betriebenen Rakete im Norden Russlands? Berichte über eine Evakuierung des Orts treffen nicht zu, über die Höhe der Radioaktivität herrscht Unklarheit und Donald Trump verbreitet seltsame Informationen.

Nach der Explosion eines Raketenmotors mit sieben Toten in der Nähe des Dorfes Nenoks bei Sewerodwinsk herrscht Unsicherheit über die Folgen des Unglücks. So meldete der US-Sender CNN, dass die örtlichen Behörden die Bewohner zum Verlassen des Dorfes aufgefordert hätten. Tatsächlich aber hatte die Regierung von Sewerodwinsk den Anwohnern lediglich dazu geraten, am kommenden Mittwoch das Dorf zu verlassen, weil auf dem militärischen Testgelände "Aktivitäten" stattfinden würden, meldeten russische Nachrichtenagenturen. Es handele sich aber um eine Routine-Aufforderung, die jeder militärischen Aktion vorangehen würden.

Im Laufe des Dienstagsnachmittags sagte das Militär die geplanten Aktivitäten jedoch ab, meldete Interfax. 

Wie hoch ist die Strahlung?

Bereits zuvor hatte die Verwaltung des zuständigen Gouverneurs Berichte dementiert, wonach die Bewohner des Dorfes in der Nähe des Testgeländes in Sicherheit gebracht worden seien. "Das ist völliger Unsinn", hieß es. 

Über die tatsächliche Verstrahlung der nordrussischen Stadt herrscht unterdessen Unsicherheit. Womöglich war über einen längeren Zeitraum als bislang bekannt radioaktive Strahlung freigesetzt worden. Der natürliche Wert sei in der Spitze um das 16-Fache überschritten worden, teilte der russische Wetterdienst Rosgidromet mit. Erhöhte Werte seien innerhalb von zwei Stunden gemessen worden.

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Die Verwaltung des Orts am Weißen Meer hatte zuvor lediglich von einem kurzzeitigen Anstieg von bis zu einer Stunde gesprochen. Viele Menschen reagierten besorgt und deckten sich danach mit Jodtabletten ein. Es gab auch im Ausland die Befürchtung, dass die russischen Behörden nicht über das wahre Ausmaß informiert hätten.

2,0 Mikrosievert pro Stunde gemessen

Der Wetterdienst gab den Höchstwert der atomaren Verstrahlung mit 1,78 Mikrosievert pro Stunde an. Der natürliche Wert im Raum von Sewerodwinsk liege bei 0,11 Mikrosievert. Die Umweltorganisation Greenpeace sprach unter Berufung auf die Stadt von 2,0 Mikrosievert pro Stunde. Deren Experten hielten den Wert "an sich für nicht dramatisch". Es komme vielmehr darauf an, welche strahlenden Stoffe freigesetzt worden sein. Dazu gebe es aber keine offiziellen Angaben.

Der Kreml versicherte, dass alle Behörden die vollständige Sicherheit der Bevölkerung gewährleistet hätten. "Daran sollte kein Zweifel bestehen", sagte Sprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge.

Zu dem Vorfall kam es am vergangenen Donnerstag in der Nähe der Hafenstadt Sewerodwinsk nahe Archangelsk während eines Raketentests auf einer Plattform im Meer. Die Explosion ereignete sich der Atombehörde Rosatom zufolge, als Treibstoff in Brand geriet.

US-Spezialisten vermuteten bereits kurz nach dem Zwischenfall, dass Russland an einer neuen atomar betriebenen Rakete arbeitet. Präsident Donald Trump twitterte dazu, die Explosion habe die Menschen in der Umgebung und darüber hinaus beunruhigt. Er erwähnte dabei einen möglichen Namen des Raketentyps: "Skyfall". Eine offizielle Bestätigung von russischer Seite gab es nicht.

Die "New York Times" hatte zuvor berichtet, US-Geheimdienste vermuten dahinter den von der Nato als SSC-X-9 "Skyfall" bezeichneten Marschflugkörper. Dieser werde atomar betrieben und könne deshalb besonders weit fliegen. Kremlchef Wladimir Putin hatte im vergangenen Jahr neue Waffen angekündigt, darunter einen atomgetriebenen Marschflugkörper. Ob es sich aber bei dem Test auf dem Militärgelände um genau diesen Waffentyp handelte, blieb unklar.

Kreml und US-Experten widersprechen Donald Trump

Trump meinte, sein Land lerne viel aus der Explosion. "Wir haben eine ähnliche, wenn auch weiter fortgeschrittene Technologie." Der Kreml widersprach: Russische Waffen seien den amerikanischen voraus. Widerspruch kommt auch aus den USA selbst. Der Nuklearexperte Joe Cirincione schrieb auf Twitter: "Das ist seltsam. Wir verfügen über keine nuklear betriebenen Raketen. Wir haben in den 60er Jahren versucht, welche zu bauen, aber das war selbst für die verrückten Zeiten des Kalten Kriegs zu heftig."

Quellen: Donald Trump auf Twitter, "The Independent", DPA, "New York Times", CNN

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