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Sie war mit Deso Dogg verheiratet: IS-Witwe posierte in Syrien mit Waffen. Jetzt lebt sie wieder in Hamburg, als wäre nichts gewesen

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Denis Cuspert © dpa Denis Cuspert

Ist sie geläutert oder eine tickende Zeitbombe? Recherchen eines arabischen TV-Senders belegen, dass die Witwe des IS-Terroristen Denis "Deso Dogg" Cuspert aus Syrien nach Deutschland zurückgekehrt ist. Die deutschen Sicherheitsbehörden geben sich bedeckt.

Die Witwe des deutschen IS-Terroristen Denis Cuspert, auch bekannt unter dem Namen "Deso Dogg", ist laut Exklusiv-Bericht des panarabischen Nachrichtensenders Al Aan TV nach einem längeren Aufenthalt in Syrien nach Deutschland zurückgekehrt und lebt vollkommen unbehelligt mitten in Hamburg.

Die TV-Journalistin Jenan Moussa ist der Syrien-Rückkehrerin Omaima A. durch die Auswertung von Handydaten auf die Spur gekommen. Wie die Reporterin an die über 24.000 Dateien, darunter Bilder und Dokumente, gelangte, ist nicht bekannt. In ihren Darstellungen legt Moussa nahe, dass A. ihr Smartphone verloren hat. Nach stern-Informationen schätzen die deutschen Sicherheitsbehörden die veröffentlichten Daten als authentisch ein.

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Fotos zeigen Alltag und Gewalt in Syrien

Fotos zeigen Omaima A. 2015 zum Beispiel mit einem Gewehr posierend in Syrien, ihren kleinen Sohn, der mit einer Pistole hantiert, oder ihre achtjährige Tochter vollverschleiert und mit IS-Fahne in der Hand. Aber auch persönliche Dokumente wie ein Lebenslauf, Screenshots von WhatsApp-Kommunikation oder Fotos aus dem Alltag zwischen Hamburg und Syrien wurden auf dem Handy gefunden. Unter den Datei ist auch ein Schreiben des Jobcenters Frankfurt am Main aus dem März 2015, in dem der heute 34-Jährigen die Streichung des Arbeitslosengeldes mitgeteilt wird. Grund: "Ausreise ins Ausland (Syrien)". Den deutschen Behörden war also offenbar bekannt, dass sich A. in das Bürgerkriegsland abgesetzt hatte.

Den Recherchen der Journalistin zufolge war Omaima A. nicht nur mit Denis "Deso Dogg" Cuspert verheiratet, sondern zwischenzeitlich auch mit Nader Hadra, IS-Kämpfer aus Frankfurt. Von ihm waren ebenfalls zahlreiche Fotos und Dokumente unter den Handydaten. Ihm soll sie Anfang 2015 in den Norden Syriens gefolgt sein, sechs Wochen später antwortete er nicht mehr auf ihre Nachrichten. Nader Hadra starb in Kobane. In Homs heiratete sie dann Denis Cuspert, einen Freund Hadras. Meldungen über Cusperts Tod im Januar 2018 stufte der Bundesnachrichtendienst als "glaubwürdig" ein. (Lesen Sie hier im stern mehr dazu.)

Seit wann genau Omaima A. zurück in Deutschland ist, ist nicht bekannt. Inzwischen hat sie sich hier offenbar ein bürgerliches Leben aufgebaut. Sie wohnt mit ihren Kindern in einer Reihenhaussiedlung im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek und gab in sozialen Netzwerken an, als Übersetzerin und Eventmanagerin zu arbeiten. Die entsprechenden Profile sind inzwischen gelöscht. Kopftuch und Niqab soll sie inzwischen abgelegt haben.

Deutsche Behörden halten sich bedeckt

Ein Versuch der TV-Journalistin, ein Interview mit der Syrien-Rückkehrerin zu führen, scheiterte. Omaima A. brach das Telefonat ab. Deren Tochter behauptete im Gespräch mit der Reporterin, niemals mit ihrer Mutter in Syrien gewesen zu sein. Die Familie will lediglich ihren Urlaub in Tunesien und in der Türkei verbracht haben – eine Lüge, wie die Handydaten zeigen sollen.

Inwieweit deutsche Behörden die Frau bereits im Visier haben, ist unklar. Ebenso wenig ist bekannt, ob sie in Syrien Verbrechen begangen hat, die eine Strafverfolgung in Deutschland nötig machen, etwa wegen der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Der für solche Fälle zuständige Generalbundesanwalt in Karlsruhe teilte auf stern-Anfrage mit, keine Angaben zu einem möglichen Anfangsverdacht und eventuellen Ermittlungen zu machen. Die Kenntnis der Recherchen der Reporterin mache jedoch ohnehin eine Prüfung des Sachverhalts notwendig. Die Öffentlichkeit werde erst im Falle einer Festnahme oder Anklage informiert. Die Hamburger Polizei sprach bei Twitter davon, dass ihr der Fall "bereits bekannt" sei.

Der Verfassungsschutz der Hansestadt wollte mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte keinerlei Angaben zu möglichen Erkenntnissen zu Omaima A. machen.

Nach stern-Informationen ist jedoch in Sicherheitskreisen bekannt, dass Omaima A. in der Dschihadisten-Szene verkehrt. So soll sie unter anderem 2012 gemeinsam mit Familienmitgliedern hinter einem geplanten muslimischen Einkaufszentrum im Hamburger Stadtteil Harburg gestanden haben. Die Pläne sahen vor, dass dort ausschließlich muslimische Geschäftsleute Waren und Dienstleistungen anbieten, möglichst nur für Glaubensbrüder und -schwestern. Die Zeitung "Welt" berichtete seinerzeit, dass der Hamburger Verfassungsschutz das Projekt mit Argwohn betrachtete, weil er Salafisten dahinter vermutete.

Quellen: "Welt", Jenan Moussa bei Twitter, "Tagesspiegel"

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