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Trump, der überforderte Präsident

SZ.de-Logo SZ.de vor 3 Tagen Kommentar von Thorsten Denkler
Wer ist der Beste? US-Präsident Donald Trump bei seiner denkwürdigen Pressekonferenz am Donnerstag. © dpa Wer ist der Beste? US-Präsident Donald Trump bei seiner denkwürdigen Pressekonferenz am Donnerstag.

In einer wirren Pressekonferenz offenbart Trump sein ganzes Unvermögen. Der Mann ist nicht in der Lage, ein Land zu führen. Er will zu sehr geliebt werden.

Wäre es nur eine dieser vielen Fernsehshows gewesen, in denen Donald Trump parodiert wird. Hach, was hätten wir gelacht. Über seine Ausfälle gegenüber den Medien, oder den angeblich großen Haufen Mist, den Obama ihm hinterlassen habe. Darüber, dass seine Regierung wie geschmiert arbeite. Über seine Zurechtweisungen, sein Unvermögen, Wahrheit und "Fake News" auseinanderzuhalten.

Nur: Das war keine Fake-Pressekonferenz. Sie war echt. Der Eindruck nach mehr als 60 Minuten Trump, nach nochmaligem ungläubigem Nachlesen des Wortprotokolls: Die USA, die mächtigste Nation der Erde, ist in die Hände von Irren geraten.

Manche hatten ja noch gehofft, Trump könnte, beeindruckt von den Mühen und den Anforderungen des Amtes, versöhnlich werden. Könnte auf seine Art dem Land zeigen: Okay, ich habe verstanden. Nun hat er seine erste Solopressekonferenz als Präsident der Vereinigten Staaten gegeben. Und sie wurde - um es mit seinen eigenen Worten zu sagen - zum totalen Desaster.

Sein Vorgänger Obama war stolz darauf, dass es in seiner Amtszeit keine nennenswerten Skandale gab. Während Trumps ersten vier Wochen im Amt gab es dagegen schon mehr Skandale, als zwei volle Amtszeiten vertragen würden.

Das Weiße Haus, löchrig wie eine Abtropfschale

Sein Sicherheitsberater hat gelogen. Sein designierter Arbeitsminister hat schon vor der Abstimmung im Senat aufgegeben. Trump selbst beleidigt Staats- und Regierungschefs, riskiert internationale Konflikte, lädt Präsidenten via Twitter aus.

Das Weiße Haus und viele Bundesbehörden scheinen löchrig zu sein wie eine Abtropfschale. Ständig erschüttern neue Leaks die Trump-Regierung. Sein Personal wirkt wie eine Horde wildgewordener Hunde, die wahllos um sich schnappen. Die Trump-Leute argumentieren mit "alternativen Fakten" um die Lügengebäude, auf denen Trump seine Politik gründet, irgendwie aufrechtzuerhalten.

Und die amerikanische Öffentlichkeit schaut entsetzt zu, wie ihr Präsident gerade Ansehen und Größe dieser stolzen Nation in Grund und Boden dilettiert. Ein Wunder geradezu, dass immerhin noch 40 Prozent der US-Amerikaner glauben, Trump mache einen guten Job.

Trump ist Kritik nicht gewohnt

Trump will zu sehr geliebt werden. Sein ausufernder Narzissmus ist vielfältig beschrieben worden. Als Unternehmer konnte er machen, was er wollte. In dieser Welt blieb er immer erfolgreich. Immer der Größte. Er wird genug Leute um sich gehabt haben, die ihm das tagtäglich vermittelt haben. Er musste sich ja nur in seinem goldenen Trump-Tower umschauen, um sich großartig zu fühlen.

Jetzt steht Trump wie wohl nie zuvor in seinem Leben in der Kritik. Sein angeblich glorioser Wahlsieg wird nicht als solcher anerkannt. Landesweit knapp drei Millionen Stimmen weniger als Hillary Clinton, das nagt an seinem Ego. Er hat auch nicht die meisten Stimmen im Electoral College seit Ronald Reagan gesammelt, wie er auf der Pressekonferenz verkündete. Und es kam auch nicht das größte Publikum seit Menschengedenken zu seiner Amtseinführung.

Trumps Problem: Er kann nicht verlieren. Er gehört zu jenen, die das Monopoly-Spiel vom Tisch fegen würden, wenn sie merken, dass sie keine Chance mehr auf den Sieg haben. Und dann alle Mitspieler bezichtigen, betrogen zu haben. Nicht geschummelt. Das wäre zu harmlos. Nein, betrogen.

Die USA brauchen keinen Erlöser

Die US-Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist so gering wie seit Jahrzehnten nicht, Millionen Amerikaner können sich endlich eine Krankenversicherung leisten. Die Mordrate ist, ganz im Gegenteil zu dem was Trump behauptet, die niedrigste seit mehr als 40 Jahren. Trump aber sieht das Land immer noch am Abgrund. Und sich selbst als Erlöser. Doch das Land muss nicht erlöst werden, es muss nur weiter gut regiert werden.

Die Hoffnung liegt auf den Republikanern. Sie müssen erkennen, dass dieser Präsident ein großer historischer Irrtum ist. Trump dürfte ihnen mehr als eine Gelegenheit geben, ein Amtsenthebungsverfahren einzuleiten. Wenn den Republikanern das Wohl der Nation am Herzen liegt, werden sie sich dazu durchringen müssen. Vier volle Jahre Trump: Spätestens nach dieser Pressekonferenz muss auch der konservativste Republikaner bei diesem Gedanken Angst bekommen.

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