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Trumps Albtraum? Beto O'Rourke könnte zum neuen Obama werden — und zu Amerikas neuem Sicherheitsrisiko

Business Insider Deutschland-Logo Business Insider Deutschland vor 4 Tagen Andreas Baumer

© Bereitgestellt von Business Insider Inc

Lange bevor Justin Trudeau die Welt betörte, lange bevor er kanadischer Premierminister und Darling der Liberalen wurde, hatten sich seine Gegner schon auf ihn eingeschossen. Trudeau, der Polit-Dilettant aus der Sternchenwelt, der mal Aushilfslehrer und Möchtegern-Schauspieler war, der mit dem berühmten Vater und den wuscheligen Haaren, der wollte Kanadas mächtigster Mann werden? „Just not ready“, „einfach noch nicht bereit“, gifteten sie. Justin kann zwar schöne Sachen sagen, Justin mag auch gut aussehen, gaben sie zu. Aber Justin, dem Grünschnabel, ein Land anvertrauen? Niemals!

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Es würde nicht verwundern, wenn sich bald auch Beto O'Rourke, der neueste Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, gegen vergleichbare Attacken wehren muss. Trudeau und er haben ja auch viel gemein. Beide sind Ausnahmepolitiker. Sie wirken jünger als sie sind (Mitte 40), sprühen vor Elan und Optimismus, rühren bei Auftritten schon mal Tausende zu Tränen. Und beiden wird nicht ganz zu Unrecht nachgesagt, am Ende mehr Show als Substanz zu liefern.

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O'Rourke gilt für manche als weißer Obama

Dieser Vorwurf wiegt in Trudeaus Fall schon schwer. Er wiegt in O'Rourkes Fall noch schwerer. Denn O'Rourke will nicht etwa kanadischer Premierminister werden, sondern Präsident der USA, also mächtigster Mann der Welt. Darin liegt das Problem.

O'Rourke hat außergewöhnliche Gaben. Er ist bodenständig und nahbar. Er kann mit den Menschen und die Menschen können mit ihm. Und kaum einer bedient die sozialen Medien so geschickt wie er. O'Rourke spaltet nicht, sondern eint. Viele bezeichnen ihn bereits als weißen Barack Obama. Einen wie ihn könnte Amerika jetzt gut gebrauchen. Wären da nicht all die Voraussetzungen, die ein Präsident sonst noch mitbringen müsste und die O'Rourke schlichtweg nicht hat.

Beto O'Rourke, der coole Skateboarder: Ausschnitt aus seinem Wahlkampf 2018:

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Ein US-Präsident ist ja nicht nur dafür zuständig, tagein, tagaus die Seele der Nation zu streicheln. US-Präsidenten vertreten die größte Volkswirtschaft der Welt. Sie befehligen die mächtigste Armee der Erde. Sie entscheiden auf höchster Ebene über Wohl und Wehe unseres Planeten, zusammen mit gerissenen, über Jahrzehnten geschulten Polit-Profis wie Russlands Wladimir Putin oder Chinas Xi Jinping. Der Job des US-Präsidenten erfordert viel Wissen und viel Erfahrung. Beides fehlt O'Rourke. Beides lässt sich nicht mal schnell erlernen.

Putin führte Obama immer wieder mit dem Ring über die Manege

O'Rourke hat durchaus Chancen. Die US-Wähler haben es sich in den letzten Jahrzehnten zur Tradition gemacht, immer denjenigen zum Präsidenten zu machen, der gerade in der Außenpolitik grüner und unerfahrener daherkommt. Im Fall von Bill Clinton und Barack Obama ist das meistens gut gegangen. Obwohl sich nur schwer leugnen lässt, dass gerade Putin Obama immer wieder mit dem Ring durch die Manege geführt hat. Man denke nur an die Krimkrise und den Syrienkrieg.

Im Fall von George W. Bush und Donald Trump ging das Experiment dagegen meistens schief. Hätte George W. Bush mehr Ahnung von der Welt da draußen gehabt, hätte er sich nicht so sehr verlassen müssen auf erzkonservative Berater wie Vizepräsident Dick Cheney, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Rumsfelds Stellvertreter Paul Wolfowitz. Dann wären die USA vielleicht nicht so überstürzt in den Irak gestürmt. Dann wären sie vielleicht gar nicht in den Irak gestürmt. Dann müsste sich Bush jetzt auch nicht so sehr in einer Ranch in Texas vergraben.

Hätte Donald Trump mehr Ahnung von der Welt da draußen, dann wäre er vielleicht nicht so naiv in die Verhandlungen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un gestolpert. Dann wäre er in Helsinki nicht wie ein Tollpatsch neben Russlands Präsident Putin gestanden. Dann wüsste er vielleicht alte Allianzen mit Europa, Japan und Südkorea mehr zu schätzen.

Außenpolitisch erfolgreiche Präsidenten wie Ronald Reagan oder George H. Bush waren auch deshalb so erfolgreich, weil sie sich über Jahre, ja Jahrzehnte in außenpolitische Debatten einbrachten und wertvolle Erfahrungen sammelten. Sie waren mitunter schon Kongressabgeordnete, Gouverneure, CIA-Chefs und Vizepräsidenten, ehe sie den Chefposten im Weißen Haus übernahmen. Sie wussten, was auf sie zukam.

Demokraten können zu Recht stolz auf ihre Kandidatenriege sein

O'Rourke saß sechs Jahre lang als einfacher Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus. Sonderlich aufgefallen ist er dort nie. Landesweit einen Namen machte er sich erst, als er Ted Cruz im Rennen um einen Senatssitz im tiefkonservativen Texas fast besiegte. Doch fast besiegen ist eben nur fast besiegen. Umso schleierhafter, warum O'Rourke jetzt glaubt, er könne es noch eine Stufe höher versuchen und gleich Präsident werden.

Das Bemerkenswerte bei den Demokraten ist, dass O'Rourke nicht der einzige Grünschnabel ist, der meint, er sei plötzlich für das Weiße Haus geeignet. Als glaubten sie, dass in der Ära Trump alles geht. Als glaubten sie, dass man Unerfahrenheit und Ignoranz am besten mit Unerfahrenheit und Ignoranz bekämpft.

Lest auch: Die große Täuschung: Stürzt Trump, wird Amerika mitnichten das Obama-Land von früher

Zugegeben: Die Demokraten sind zu Recht stolz darauf,  wirtschaftspolitisch profilierte Kandidaten wie Bernie Sanders und Elizabeth Warren in ihren Reihen zu haben. Sie sind zu Recht stolz darauf, junge, talentierte und kluge Politiker wie Kamala Harris, Cory Booker und, ja, auch Beto O'Rourke ins Rennen schicken zu können. Anderen Kandidaten wie Ex-Gouverneur John Hickenlooper oder Minnesota-Senatorin Amy Klobuchar mag man viel vorwerfen. Mangelnde Erfahrung gerade in innenpolitischen Themen eher weniger.

Fakt ist aber auch, dass nur ein Einziger unter all den Bewerbern und Möchtegern-Bewerbern das notwendige außen- und sicherheitspolitische Rüstzeug mitbringen würde, um es von Tag eins an mit den Xis und Putins dieser Welt aufnehmen zu können: Ex-Vizepräsident Joe Biden. Sein Problem: Er ist 76. Er könnte O'Rourkes Vater sein. Aus „just not ready“ könnte bei ihm schnell „simply too old“, „einfach zu alt“, werden.

Hier könnt ihr euch das Bewerbungsvideo von Beto O'Rourke für die Präsidentschaftswahl 2020 ansehen:

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