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USA Donald Trumps Freund Herman Cain stirbt an Corona

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL vor 2 Tagen Marc Pitzke

Der Repulikaner Herman Cain ist an Covid-19 verstorben. Der 74-Jährige war ein alter Freund Donald Trumps - und ein vehementer Gegner von Corona-Schutzvorschriften. Sein Tod ist ein tragisches Fanal.

© Pete Marovich/ imago images/ZUMA Wire

Eins musste man ihm lassen: Er hatte eine tolle Gospelstimme. Etwa an jenem Sommertag, in einem schwülen Festzelt im Herzen Iowas: "Hold on a little longer", brummte er schwitzend ins Mikrofon. "Help is on the way." Ein paar Dutzend Fans unterbrachen ihn immer wieder, wie in der Kirche: "Amen!"

Im August 2011 war das, bei der Iowa Straw Poll, einer Testabstimmung der republikanischen Präsidentschaftsbewerber. Unter den Aspiranten, die sich da zwischen dekorativen Strohballen mit Speis, Trank und Gesang empfahlen: Mitt Romney, Newt Gingrich, die beiden Ricks Perry und Santorum - und Herman Cain.

Die Parade der populistisch-paranoiden Demagogen war ein Vorgeschmack auf die damals noch undenkbare Trump-Ära. Doch nur Cain, der einzige Schwarze in der Bewerberreihe, konnte singen - begleitet vom Bassisten Mike Huckabee, dem Ex-Gouverneur von Arkansas, der vier Jahre später gegen Donald Trump scheitern würde.

Die Präsidentschaftskandidatur 2012 sicherte sich bekanntlich Romney, der zahnloseste von allen, der dann gegen Barack Obama verlor. Cain verschwand wieder aus dem Rampenlicht - bis er diese Woche, fast neun Jahre nach der Iowa-Gospelshow, traurige Schlagzeilen machte.

Am Donnerstag starb Cain im Alter von 74 Jahren an Covid-19. Wie er sich angesteckt hatte, bleibt unklar. Bis zuletzt war er ein lautstarker Gegner von Corona-Schutzvorschriften gewesen. Am 29. Juni wurde er positiv getestet - zehn Tage, nachdem er trotz aller Warnungen demonstrativ ohne Maske oder Abstand an Trumps kontroverser Wahlkampf-Rally in Tulsa, Oklahoma, teilgenommen hatte.

Loyal bis in den Tod: Cain, ein langjähriger Freund Trumps, wurde so zum tragischen Symbol für den Fanatismus der rechten Basis, die ihrem Präsidenten blind folgt, selbst wenn sie damit ihre eigene Gesundheit riskiert. Als Trump schließlich erstmals - widerwillig - mit einer Maske posierte, lag Cain längst im Krankenhaus am Beatmungsgerät. Er erholte sich nicht mehr.

Erfolgreicher Geschäftsmann, gescheiterter Politiker

Dabei ist Cain viel mehr als nur die jüngste Fußnote im Corona-Kulturkampf. Sein Werdegang ist abschreckendes Beispiel, wie leicht jemand vom erfolgreichen Geschäftsmann zur Politkarikatur schrumpfen kann.

Cain war schon ein Selfmade-Millionär, als das für Schwarze in den USA noch viel seltener möglich war als heute. Sein Vater war Hausmeister und Chauffeur, seine Mutter Putzfrau. Er arbeitete als Raketentechniker bei der Navy und war Computeranalyst bei Burger King, und er sanierte die marode Imbisskette Godfather's Pizza, in die er sich mit einer Investorengruppe einkaufte.

Im Rampenlicht stand Cain erstmals 1994, als er bei einer TV-Townhall mit Präsident Bill Clinton stritt. In einem hellgrauen Anzug trat er ans Mikrofon und scholt Clintons geplante Gesundheitsreform als naiv und unrealistisch. Der Clip machte ihn prompt zum Liebling der Republikaner.

In die Partei trat er nach eigenen Worten allerdings erst zwei Jahre später ein - aus Trotz, nachdem ihm jemand im Soul-Food-Restaurant "Sylvia's" in Harlem zugebrüllt habe: "Schwarze Republikaner? Sowas gibt's nicht."

Vorbote von Trumps Politik

Cain war rustikal, jovial, unverblümt. Doch von seinem gescheiterten Wahlkampf bleiben heute vor allem peinliche Fauxpas und sein kurioser "9-9-9"-Steuerplan, der für 84 Prozent der Amerikaner die Steuern erhöht hätte. Berichte über eine außereheliche Affäre beschleunigten das Ende seiner Präsidentschaftsambitionen.

Cain sollte sich als eine Art Vorbote der Zukunft entpuppen. Seine Agenda klang 2012 noch krass: Als Underdog prahlte er mit mangelnder politischer Erfahrung, schimpfte auf Muslime und forderte bessere Grenzbefestigungen nach Mexiko. "Der Mann, der Donald Trump den Weg ebnete", so betitelte der "New Yorker" jetzt seinen Nachruf auf Cain.

Bis zuletzt blieb Cain seinem Freund im Weißen Haus treu. Nachdem er das Angebot des Präsidenten für einen Posten an der US-Notenbank 2019 wegen seiner schillernden Vergangenheit hatte ablehnen müssen, wurde Cain Co-Chef der Wählergruppe "Black Voices for Trump". Ende Juni folgte er Trump Ruf nach Tulsa.

Ein Foto, das Cain aus der Halle postete, zeigt ihn im engen Kreis mit anderen konservativen Schwarzen stehend. Keiner von ihnen trägt Mundschutz: "Wir haben eine fantastische Zeit!" Die Behörden in Tulsa machten die Rally später für einen spürbaren Anstieg der Corona-Infektionen in der Stadt verantwortlich.

Sein Team twitterte weiter, als Cain längst im Krankenhaus lag

Doch selbst als Cain längst wegen seiner Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus lag, stieß sein Team noch weiter ins Horn und twitterte in seinem Namen aufgezeichnete Videos, in denen er unter anderem für das umstrittene, von Trump propagierte Medikament Hydroxycholoroquin als Corona-Heilmittel wirbt. Wenig später starb er.

"Man ist nie auf solche Nachrichten vorbereitet", schrieb Dan Calabrese, der Cains Website managte, nach dem Tod des Chefs. Trump würdigte Cain auf seine Art: "Leider starb er an dem Ding, das als China-Virus bekannt ist."

In Tulsa sucht die Partei unterdessen dringend nach Besuchern der Trump-Veranstaltung, die mit Cain Kontakt gehabt und sich angesteckt haben könnten. "Bitte rufen Sie das Tulsa-Büro an und hinterlassen Sie eine Nachricht", schreibt der Ortsvorsitzende Bob Jack auf Facebook.

Wie wenig sich die meisten Republikaner allerdings Cains Schicksal zu Herzen nehmen und Konsequenzen ziehen, offenbarte der Kongressabgeordnete Louie Gohmert, der einen Tag nach dessen Tod selbst positiv getestet wurde: Der Texaner brüllte seine Mitarbeiter offenbar selbst nachher noch an, weil sie Mundschutz tragen wollten.

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