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"Welche Gesellschaft soll das abbilden?": Boris Palmer kritisiert Deutsche Bahn und erntet Shitstorm

Tagesspiegel-Logo Tagesspiegel 23.04.2019 Julia Weiss
Der Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (Grüne). © Foto: dpa/Silas Stein Der Oberbürgermeister von Tübingen Boris Palmer (Grüne).

Wieder sorgt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer mit einem Facebook-Post für Aufregung. Twitter-Nutzer werfen ihm Rassismus vor.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat den Shitstorm kommen sehen und dann trotzdem einen Post bei Facebook abgesetzt, für den er jetzt heftig kritisiert wird. "Ich finde es nicht nachvollziehbar, nach welchen Kriterien die Deutsche Bahn die Personen auf dieser Eingangsseite ausgewählt hat", schreibt der Grünen-Politiker. "Welche Gesellschaft soll das abbilden?" Daneben ein Screenshot von der Website der Deutschen Bahn, auf der Menschen mit unterschiedlichen Hautfarben abgebildet sind. 

Die Deutsche Bahn wirbt in einer aktuellen Kampagne unter anderem mit dem farbigen TV-Koch Nelson Müller, der türkisch-stämmigen Moderatorin Nazan Eckes und dem ehemaligen Formel-1-Rennfahrer Nico Rosberg.

Seinen Post beginnt Palmer mit den Worten: "Der Shitstorm wird nicht vermeidbar sein."

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Nur Minuten später stößt er mit seinem Post in den sozialen Netzwerken auf die Ablehnung, mit der er gerechnet hatte. Einige Nutzer werfen ihm Rassismus vor.

Auf Palmers Frage, welche Gesellschaft abgebildet wird, antwortet etwa die "Türkische Gemeinde in Deutschland": "Eine plurale und vielfältige Gesellschaft. (...) Eine Gesellschaft die Ihre eindimensionalen Kriterien längt überwunden hat. Willkommen im Jahr 2019!"

Der ehemalige nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete der Grünen Ali Bas betont, er wolle nicht in der Gesellschaftsversion seines Parteikollegen leben. "Es wird Zeit den Hut zu nehmen, Herr Palmer", schreibt er. Auch andere Grünen-Parteimitglieder fordern den Ausschluss aus der Partei.

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, kann Palmers Kritik an der Deutschen Bahn nicht nachvollziehen. "Wir streiten lieber für pünktliche Züge und billigere Bahn-Tickets", sagte er dem Tagesspiegel. "Wer in den Zug steigt, ist uns herzlich egal. Die Bahn ist für alle da und dass sie mit Vielfalt wirbt, begrüße ich. Es zeigt die gesellschaftliche Realität."

Auch vom FDP-Bundestagsabgeordneten Johannes Vogel kommt Kritik. "Eine Gesellschaft, in der es ganz egal ist, wie man aussieht. Nennt sich Werteordnung unseres Grundgesetzes, lieber Boris Palmer", schreibt er auf Twitter.

Palmer selbst wollte seine Aussage auf Nachfrage des Tagesspiegels nicht konkretisieren. "Ich habe die Auswahl nicht kritisiert", sagte er. "Ich habe sie hinterfragt. Ich bewerte sie auch nicht. Denn ich kenne die Gründe und Kriterien der Bahn nicht. Ich stelle nur fest, dass ich sie nicht verstehe."

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