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Infinity Flex: Samsung zeigt das faltbare Smartphone - doch wozu soll das gut sein?

stern-Logo stern 08.11.2018 Malte Mansholt
Auf der Bühne zeigte Samsung sein Infinity Flex Display © Picture Alliance/MAXPPP Auf der Bühne zeigte Samsung sein Infinity Flex Display

Ein Smartphone, das sich zum Tablet klappen lässt: Diese Vision hat Samsung gestern erstmals als Prototyp vorgeführt. Ob sie die Zukunft des Smartphones zeigt, steht auf einem anderen Blatt. Hinter Samsungs Konzept dürfte ein ganz anderes Problem stecken.

Energisch das Handy zuzuklappen, wenn man das Gespräch beendet hat - das war in den 2000ern noch eine beliebte Geste. Wenn es nach Samsung geht, soll sie auch die Zukunft des Smartphones sein: Der Konzern hat gestern auf seiner Entwicklerkonferenz das erste Mal ein Smartphone präsentiert, das durch Aufklappen zu einem Tablet wird. Aber braucht man so etwas wirklich?

Technisch ist Samsungs "Infinity Flex Display" getaufte Neuerung beeindruckend. Das Gerät sieht zunächst einfach aus wie ein Smartphone und lässt sich auch so benutzen. Klappt man es dann wie ein Buch auf, schaltet sich das nach hinten geklappte Display ab - und macht Platz für einen gut doppelt so großen Bildschirm im Inneren. Der Inhalt wechselt automatisch die Ansicht, bekommt auf dem größeren Display deutlich mehr Raum.

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Mehr Display, mehr Inhalt

Bedenkt man den Trend zum immer größeren Smartphone-Bildschirm, erscheint der Schritt nur logisch. Statt sich immer größere Geräte in die Hosen- oder Handtasche stopfen zu müssen, hätte man dann ein handlicheres Handy und ein Tablet in einem Gerät. Die Frage ist nur: Bietet das wirklich einen Mehrwert?

Auf der Pressekonferenz zeigte Samsung, wie man sich die Nutzung des Zukunfts-Smartphones vorstellt. Die App Flipboard etwa, in der Nachrichten aus verschiedenen Quellen gesammelt werden, durfte zeigen, wie man bei einem Foto-lastigen Beitrag für den vollen Genuss in die Großansicht klappt. Zudem kann man auf dem mit 7,3 Zoll tatsächlich sehr großen Screen nun gleich drei statt wie bisher nur zwei Apps gleichzeitig öffnen. Für Serien oder Filme dürften aber kaum mehr Platz bleiben als bei aktuellen Groß-Smartphones: Mit einem Bild-Verhältnis von 4:3 bleiben oben und unten dicke Balken.

Technik mit Risiko

Andererseits hat das Konzept natürlich aber echte Nachteile. Jahrelang wurden Smartphones immer dünner, nur die darin steckende Technik und vor allem der platzraubende Akku verhinderten noch dünnere - und damit auch leichtere - Geräte. Die Falt-Smartphones dürften diese Beschränkungen kaum aushebeln können und damit mindestens doppelt so dick werden. Samsungs Prototyp war sogar eher dreimal so dick wie ein aktuelles Galaxy S9.

Hinzu kommen Probleme wie die Belastbarkeit der Knick-Displays. Sie müssen sich im Alltag Tausende Male falten lassen, ohne dass es zu Abnutzungserscheinungen kommt. Schließlich springen Macken im Display dem Nutzer regelrecht ins Gesicht.

Aus der anderen Richtung gedacht

Als das letzte Mal Handys klappbar wurden, hatte man diese Probleme noch nicht. Bei einem Scharnier ist die Knick-Belastung längst nicht so ein Problem wie bei einem Bildschirm Damals ging der Trend zudem in eine andere Richtung: Statt größer zu werden, schrumpften die klassischen Mobiltelefone immer weiter, das Faltdesign ermöglichte noch kleinere Bauweisen. Außerdem hatten sich die Kunden noch längst nicht an die schlanken Geräte von heute gewöhnt. Das als Rasierklingen-dünne wahrgenommene Motorola Razr war dicker als ein aktuelles iPhone - und das im aufgeklappten Zustand. 

Ob der Mehrwert eines noch größeren Displays die Menschen bewegt, wieder deutlich dickere Geräte in Kauf zu nehmen, wird sich zeigen müssen. Mit 7,3 Zoll ist das Display zwar größer als die 6,3 Zoll, wie sie etwa das aktuelle iPhone XS Max (hier bei uns im Test) bietet, gigantisch ist der Sprung allerdings nicht. Ein vollwertiges Tablet dürfte das Klapp-Smartphone ohnehin für die wenigsten ersetzen. Auch dort geht der Trend klar zu größeren Displays: Nachdem lange Geräte zwischen 7 und 10 Zoll en vogue waren, sind etwa die neuen iPad Pro in 11 und 12,9 Zoll zu bekommen.

Warten auf die Revolution

Um wirklich Erfolg im Massenmarkt zu erreichen, müsste vermutlich schon ein Gerät wie aus der Science-Fiction-Serie "Westworld" erscheinen. Dort lassen sich schlanke Smartphones zu noch schlankeren Tablets ausklappen. Das wird im echten Leben aber wohl erst nach einer regelrechten Akku-Revolution möglich werden, die die Batterien deutlich schrumpfen lässt. Und obwohl Samsung noch einige Zeit brauchen wird, bis aus dem gezeigten Prototyp ein fertiges Produkt wird, ist diese Revolution bis zum Erscheinen in einigen Jahren noch nicht in Sicht.

So muss man die Vorstellung des Infinity Flex Displays wohl mehr als Machbarkeitsstudie ansehen, die dem Innovationsdruck auf dem Smartphone-Markt geschuldet ist. Seit einigen Jahren haben sich die Geräte bis auf wachsende Displays, mehr Leistung und stärkere Kameras kaum grundlegend weiterentwickelt, Samsung konnte trotz technisch und vom Design beeindruckender Geräte immer weniger Kunden vom Kauf der teuren Premium-Serien Galaxy S und Galaxy Note überzeugen. Die Flex-Modelle sollen nun vermutlich die Innovationskraft des Konzerns zeigen. Ob man so die Kunden erreicht, steht auf einem anderen Blatt.

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