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Was Sie über das Meer wissen müssen

WELT-Logo WELT 22.05.2019
Nachbauten der Kolumbus-Karawellen "Pinta", "Nina" und "Santa Maria" segeln 1992 vor Miami. Die Schiffe feierten den 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas Quelle: picture-alliance / dpa © picture-alliance / dpa Nachbauten der Kolumbus-Karawellen "Pinta", "Nina" und "Santa Maria" segeln 1992 vor Miami. Die Schiffe feierten den 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas Quelle: picture-alliance / dpa

Warum haben nicht die Chinesen Amerika entdeckt? Weil der Kaiser es ihnen verbot. Gekonnt hätten sie es vielleicht. Weder die Winde noch die Entfernung über den Pazifik wären unüberwindlicher gewesen als das, was Kolumbus und alle, die sich sonst noch von Europa aus der Neuen Welt genähert haben, auf dem Atlantik überwinden mussten.

Es gab eine kurze Phase, als die kaiserliche Flotte Chinas ihre Leistungsfähigkeit demonstrierte: Unter dem Admiral Zheng He, einem muslimischen Eunuchen, bereisten riesige Dschunken nach 1400 den Indischen Ozean bis nach Afrika und den Südwestpazifik und lehrten die lokalen Reiche das Fürchten. Doch das war ein Steckenpferd der Kaiser Yongle und seines Enkels Xuande. Dessen Nachfolger Zhengton machte Schluss mit der militärischen Überseeschifffahrt.

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Sogar Brandenburger fuhren nach Ghana

Ganz anders im Abendland. Als Kolumbus den spanischen König nicht von seinen Plänen für eine Indienreise überzeugen konnte, ging er nach Portugal; als er auch dort kein Gehör fand, wollte er nach Frankreich, dann holten ihn die Spanier zurück und schickten ihn los. Die Konkurrenz im kleinteiligen Europa verhinderte, dass eine einzige Instanz etwas so unterdrückte wie der Kaiser von China. Selbst kleinere abendländische Herrscher dachten in globalen Dimensionen. Der König von Dänemark schickte im 17. Jahrhundert eine Handelsdelegation nach Persien. Der brandenburgische Kurfürst gründete eine Kolonie in Ghana.

Voraussetzung für die Welteroberung durch die großen europäischen Kolonialmächte Spanien, Portugal, Großbritannien, Frankreich und Holland war die Hochseeschifffahrt. Ihre Anfangsgründe hatten die Europäer – so wie ihr Alphabet – von den Phöniziern gelernt. Im Mittelalter wurde sie zur Überseeschifffahrt. Die Wikinger und baskische Fischer kamen schon vor Kolumbus bis nach Amerika. Heinrich der Seefahrer schuf die Voraussetzungen für die portugiesische Kolonialpolitik. Bei seinem Tode 1460 hatten die Portugiesen die afrikanische Küste bis Sierra Leone und den Atlantik bis zur Sargassosee befahren und kartiert.

Nachbauten der Kolumbus-Karawellen "Pinta", "Nina" und "Santa Maria" segeln 1992 vor Miami. Die Schiffe feierten den 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas © Infografik WELT Nachbauten der Kolumbus-Karawellen "Pinta", "Nina" und "Santa Maria" segeln 1992 vor Miami. Die Schiffe feierten den 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas

Bei Tsushima war Schluss

Es war der Anstoß zu einem 350-jährigen Wettrennen mit ausschließlich europäischen Teilnehmern: Neben Kolumbus sind seine berühmtesten Teilnehmer die weltumsegelnde Magellan-Expedition, die Kap-Horn-Umrunder Schouten und Le Maire, Dias, der als erster Europäer das Kap der Guten Hoffnung sah, Bering, der Däne in russischen Diensten, der herausfand, das Amerika und Asien nicht mit einer Landbrücke verbunden sind, sowie Tasman und Cook, die Australien fürs Abendland in Besitz nahmen. Auch wenn der Begriff „Entdeckung“ heute als eurozentrisch verdammt wird: Das Meer gehörte den Europäern – bis die Japaner bei Tsushima 1905 eine russische Flotte vernichteten und so das Monopol brachen.

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Geht das Abendland unter? Für alle Fälle stellen wir in dieser Serie noch einmal seine Zutaten vor. Weitere Folgen auf welt.de/abendland.

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