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Prozess um tödliche Diät-Pillen

Rund zehn Jahre nach dem Verbot der Schlankmacher-Pille Mediator beginnt an diesem Montag ein Strafprozess in Paris. Verantworten müssen sich unter anderem das Pharmaunternehmen Servier und die französische Arzneimittelbehörde. Lisa Boussinot erwartet viel von dem Prozess. Sie erzählt, wie Ihre Mutter gestorben ist: "Es war, als ob ihr Herz explodierte. Sie hatte ein akutes Lungenödem und innerhalb von 15 Minuten konnte sie nicht mehr atmen und es kam weißer und rosa Schaum aus ihrer Nase. Die Sanitäter kamen und haben 45 Minuten lang versucht, sie wiederzubeleben, aber sie war schon weg." Das wäre kein Medikament, sondern ein Gift. Die Verantwortlichen hätten gewusst, wie schädlich dieses Gift war und trotzdem hätten sie es 33 Jahre lang auf dem Markt gelassen, so Lisa Boussinot. Zunächst zur Senkung der Blutfettwerte und dann gegen Übergewicht bei Diabetespatienten eingesetzt, nutzten das Medikament mit dem appetitzügelnden Wirkstoff Benfluorex bald auch Nicht-Diabetiker zum Abnehmen. Mediator soll unter anderem Herz- und Kreislaufschäden hervorgerufen haben und könnte nach Ansicht von Experten für über 2.000 Todesfälle verantwortlich sein. Die Anhörungen sollen sechs Monate dauern. Der Fall ist komplex, viele Opfer und Angehörige werden aussagen, auch wenn einige von ihnen von Servier entschädigt worden sind. Charles Joseph-Oudin vertritt 250 Kläger und erklärt den Hintergrund des Prozesses: " Das Pharmaunternehmen hat bewusst gelogen und die gefährlichen Eigenschaften von Mediator verschwiegen. Das ist der Grund dieses Prozesses. Ein anderer Grund ist, zu zeigen, dass es neben den Pharmaunternehmen auch die Gesundheitsbehörden gibt, die in der Verantwortung stehen. Sie haben es 10 Jahre lang nicht geschafft, das Unternehmen dazu zu bringen, Mediator vom Markt zu nehmen." In Spanien und Italien wurde Mediator schon 2003 vom Markt genommen - in Frankreich erst 2009. In Deutschland war das Medikament nie zugelassen. Olivier Laureau: Servier ist im Zuge der Untersuchungen nie angehört worden Jacques Servier stand zur Zeit der Zulassung und Vermarktung des Produkts an der Spitze des Pharmakonzerns Servier. Viele Opfer hätten ihn gerne im Zeugenstand gesehen. 2014 war Jacques Servier über 90-jährig gestorben. Sein Nachfolger Olivier Laureau kritisiert eine Vorverurteilung. Sein Unternehmen sei im Zuge der Untersuchungen nie angehört worden.
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