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An von der Leyen scheiden sich die Geister

Ursula von der Leyen wird oft als europapolitische Außenseiterin beschrieben. Doch ihr Weg an die Spitze der Brüsseler Bürokratie begann schon in der belgischen Hauptstadt. Denn hier, im Stadtteil Ixelles, wurde sie 1958 geboren. Europa war für dieses deutsche Mädchen von Anfang an Teil ihres Lebens. Ihr Vater Ernst Albrecht war Beamter in der neu geschaffenen Europäischen Kommission. Die junge Ursula verbrachte ihre Schulzeit an der Europäischen Schule, wo sie Englisch und Französisch lernte. 1971 dann der Umzug nach Deutschland - ihr Vater war im Jahr zuvor in den niedersächsischen Landtag gewählt worden. Von der Leyens politische Berufung kam spät. Zunächst kamen ihre Heirat mit einem deutschen Adligen, ihr Medizinstudium und ihre sieben Kinder. Erst in den späten Neunzigern betrat sie die politische Arena. Nach der Bildung der ersten Regierung von Angela Merkel wurde sie 2005 Familienministerin. Seither blieb sie eine enge Vertraute der Kanzlerin. Als Ministerin setzte sie familienfreundliche Vergünstigungen durch, etwa das Elterngeld, und sie förderte den massiven Ausbau von Krippenplätzen. "Wir müssen unser Land für die Frauen verändern" war der Titel eines Buches, das sie 2007 mit der Fernsehjournalistin Maria von Welser veröffentlichte. Wie jede Frau habe von der Leyen Kinder und einen Beruf haben wollen, so von Welser. In Deutschland sei aber beides nur schwer zu kombinieren gewesen. Von Welser wisse das aus eigener Erfahrung mit Scheidung, Kindern und Beruf. Von der Leyen habe die Lage für Frauen deutlich verbessert. Von der Familienpolitik wechselte sie 2013 an die Spitze des Verteidigungsministeriums. Der Übergang war mehr als holprig: sie schien der Verwaltung dieser riesigen Behörde nicht immer gewachsen. Immer wieder war vom schlechten Zustand der Armee die Rede, rechtsextreme Tendenzen wurden nicht ernst genommen, und die Anstellung externer Berater mit üppigen Verträgen drohten ihr, zum Verhängnis zu werden. In Deutschland sei Ursula von der Leyen eine Persönlichkeit, an der sich die Geister schieden, sagt der Spiegel-Journalist Peter Müller. Viele verehrten sie, aber viele hassten sie auch. Deswegen sei in Deutschland zu hören, sie habe Probleme als Verteidigungsministerin, und nun werde sie nach Brüssel abgeschoben. Das Ganze werde als Versuch gesehen, von der Leyen politisch zu retten. Diejenigen, die sie kennen, sagen über sie, sie vermeide gesellschaftliche Verpflichtungen und sei ein eher privater Mensch, der seine Privatsphäre heftig verteidige. Daher wirke sie auf viele kalt. Politsch gilt sie in Deutschland als jemand, der Allianzen schmieden kann - dies wiegt ihre Unerfahrenheit in Sachen Europa auf. Zwischen ihr als überzeugter Europäerin und dem Spitzenjob in der Kommission liegen nun nur noch diese Stimmzettel des Europäischen Parlaments.

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