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"Mama, ich habe einen Menschen getötet"

SZ.de-Logo SZ.de vor 3 Tagen Von Florian Hassel

Er sei nach Deutschland gefahren, um sie noch einmal zu sehen, sagt die Mutter des Bulgaren, der verdächtigt wird, die Journalistin vergewaltigt und ermordet zu haben. In Kürze soll er ausgeliefert werden.

Als er erfahren habe, dass Marinowa eine kleine Tochter hinterlasse, habe er geweint, sagt die Mutter des Mordverdächtigen über ihren Sohn. © dpa Als er erfahren habe, dass Marinowa eine kleine Tochter hinterlasse, habe er geweint, sagt die Mutter des Mordverdächtigen über ihren Sohn.

• Der mordverdächtige, in Deutschland verhaftete Bulgarier soll ausgeliefert werden.

• Vor Gericht gab er zu, die Journalistin Marinowa geschlagen zu haben. Er habe sie aber nicht vergewaltigt und nicht töten wollen.

• Aus Angst vor Racheakten haben die Tante und die Freundin des mutmaßlichen Täters das Viertel verlassen, in dem er in der bulgarischen Stadt Ruse wohnte.

Es dürften nur wenige Tage sein, die der des Mordes an der Fernsehmoderatorin Victoria Marinowa verdächtige Sewerin K. noch in einer deutschen Gefängniszelle sitzt: In Celle ordnete das Oberlandesgericht Auslieferungshaft für den 21 Jahre alten Bulgaren an. Der erklärte sich nicht nur mit einem beschleunigten Auslieferungsverfahren einverstanden, sondern bestätigte die Vorwürfe gegen ihn bei einer Anhörung vor dem Amtsgericht Stade teilweise selbst. Da Auslieferungshaft innerhalb von zehn Tagen vollzogen wird, dürfte K. bis Ende kommender Woche wieder in Bulgarien sein.

Vor dem Amtsgericht in Stade gab K. zu, er habe am vergangenen Samstag unter starkem Einfluss von Alkohol und Drogen gestanden und sei mit der auf der Donaupromendade von Ruse joggenden Victoria Marinowa in Streit geraten und habe ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Daraufhin sei sie hingefallen; er habe sie hochgehoben und in einen Busch geworfen und sei weitergegangen. Er habe Marinowa nicht töten wollen und habe sie auch nicht vergewaltigt.

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Noch einmal die Mutter sehen

K.s Mutter Nadjeschda, in deren Wohnung in Stade bei Hamburg K. am Dienstagabend von einem Polizeikommando festgenommen worden war, erklärte in Interviews mit den bulgarischen Fernsehsendern BTV und Nova, ihr Sohn sei zu ihr und seinem Stiefvater nach Stade gekommen, um sie noch einmal zu sehen, bevor er sich der Polizei stelle. Am Abend vor dem Tod Marinowas sei Sewerin in Ruse auf einem Geburtstag gewesen und habe Bier und Whiskey getrunken und die Droge Kristall genommen. "Mama, ich habe einen Menschen getötet. Ich bin gekommen, um euch noch einmal zu sehen", gab die Mutter seine Worte wieder. Er habe gesagt, er habe Marinowa nicht erwürgt, sie müsse durch seine Schläge auf den Kopf gestorben sein. Als er im Fernsehen gehört habe, dass Marinowa eine kleine Tochter hinterlasse, habe er geweint. Ein oder zwei Stunden nach seinem Eintreffen in Stade sei bereits die Polizei in ihre Wohnung gekommen und habe Sewerin festgenommen.

Sinan, ein langjähriger Freund und Nachbar Sewerin K.s, mit dem er am Freitag vergangener Woche einen Geburtstag gefeiert und Sewerin K. sich dabei betrunken hatte, erzählte Nova, sie hätten die ganze Nacht zum Samstag hindurch gefeiert. Am Samstagmorgen sei Sewerin K. allein nach Hause gegangen. Tags darauf - einen Tag nach dem Tod von Marinowa - habe er Sewerin K. in einer 30 Stunden langen Autofahrt von Ruse nach Hamburg gebracht, doch nicht gewusst, dass er einen Mordverdächtigen fahre. Dies habe er erst erfahren, als er Hamburg wieder verlassen und nach Ruse zurückgefahren sei.

Die Tageszeitung Dnevnik berichtete, den Ermittlern zufolge habe eine Kamera Sewerin K. und zwei Frauen aufgenommen, als sie nacheinander auf die Donaupromenade gegangen seien. Sewerin K. habe Victoria Marinowa offenbar zufällig angegriffen. K. habe in der von Roma bewohnten Siedlung im Haus seiner Tante gewohnt und eine Freundin gehabt. Diese habe ihn mit Blut auf der Kleidung nach Hause kommen sehen und ihn danach gefragt - K. habe geantwortet, er habe sich mit einem anderen Mann geprügelt. Sowohl die Tante wie K.s Freundin hätten das Viertel inzwischen aus Angst vor Racheakten verlassen. Nach einem Zwischenfall mit einer Gruppe von Motorradfahrern am Donnerstagabend in zwei von Roma bewohnten Vierteln von Ruse ordnete Bulgariens Ministerpräsident erhöhte Polizeipräsenz in der Stadt an.

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