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Spanien ruft im Kampf gegen das Virus die Nato zu Hilfe

WELT-Logo WELT 25.03.2020
In Spanien steht das Gesundheitssystem vor dem Kollaps. Die Ausgangssperre wurde bereits bis mindestens zum 11. April verlängert. Das Militär ist im Einsatz. Miguel Gutierrez Posada beschreibt die Lage in Madrid. Quelle: WELT © WELT In Spanien steht das Gesundheitssystem vor dem Kollaps. Die Ausgangssperre wurde bereits bis mindestens zum 11. April verlängert. Das Militär ist im Einsatz. Miguel Gutierrez Posada beschreibt die Lage in Madrid. Quelle: WELT

In Spanien ruft die Armee die Nato-Partner im Kampf gegen das Coronavirus zur Hilfe. Spanien habe dort Corona-Tests, Beatmungsgeräte und Schutzausrüstung angefordert, sagt Spaniens Generalstabschef Miguel Villarroya.

Konkret nachgefragt wurden demnach 500.000 Testkits, 500 Beatmungsgeräte sowie 1,5 Millionen OP-Masken und 450.000 Atemschutzmasken.

Auf der iberischen Halbinsel sind innerhalb der letzten 24 Stunden 738 Menschen an dem Virus gestorben, das ist der stärkste Anstieg seit dem dortigen Ausbruch. Mittlerweile zählt Spanien sogar mehr Coronavirus-Todesopfer als China: Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Madrid vom Mittwoch starben bislang 3434 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19.

25.03.2020, Spanien, Barcelona: Ein Soldat steht zwischen Etagenbetten, die in einem Pavillon auf der Messe von Barcelona aufgestellt sind, um Obdachlosen aufzunehmen. Foto: David Zorrakino/Europa Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ © dpa/David Zorrakino 25.03.2020, Spanien, Barcelona: Ein Soldat steht zwischen Etagenbetten, die in einem Pavillon auf der Messe von Barcelona aufgestellt sind, um Obdachlosen aufzunehmen. Foto: David Zorrakino/Europa Press/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Nach Italien – inzwischen 6820 Coronavirus-Tote – ist Spanien somit das am stärksten von der Coronavirus-Pandemie betroffene Land in Europa.

Trotz der vor elf Tagen verhängten strikten Ausgangssperre stieg die Zahl der Infizierten derweil auf 47.610 an. Am stärksten betroffen ist nach wie vor die Hauptstadtregion Madrid mit 1825 Toten, das sind 53 Prozent der landesweiten Opferzahl.

„Ihr seid nicht allein“, versichert Ursula von der Leyen

Die Spitzen der EU-Institutionen sicherten Spanien die Solidarität der anderen EU-Staaten zu: „Ich möchte, dass ihr wisst, dass wir unermüdlich arbeiten, um euch zu helfen – ihr seid nicht allein“, erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einer Videobotschaft im Onlinedienst Twitter.

EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte in einem offenen Brief an die Spanier, Europa stehe „in voller Solidarität an eurer Seite, und wir werden keine Anstrengungen scheuen, euch zu helfen“. EU-Parlamentspräsident David Sassoli versicherte auf Twitter, „die Probleme, die ihr habt, sind auch unsere“.

Für viele Spanier dürfte sich das wie ein Lippenbekenntnis anhören. Auf der Pyrenäenhalbinsel kommt es mittlerweile zu dramatischen Szenen. Zahlreiche Corona-Patienten flohen beispielsweise aus den Krankenhäusern. Es habe bereits mehrere Fälle in verschiedenen Krankenhäusern gegeben, sagte der Direktor der Nationalpolizei, Jose Ángel González, auf einer Pressekonferenz in Madrid.

Das bereite den Sicherheitsbehörden unnötigerweise eine „Riesenarbeit“, um diese Patienten ausfindig zu machen und wieder in die Krankenhäuser zu bringen.

Allein in den vergangenen Stunden habe es in Leganés bei Madrid sowie im Küstenort Benidorm im Osten Spaniens zwei solcher Fälle gegeben.

González klagte, neben solchen Patienten gebe es auch sonst „ziemlich viele verantwortungslose“ Bürger, die etwa die vor eineinhalb Wochen verhängte Ausgangssperre verletzten. Im Rahmen des sogenannten Alarmzustandes habe man 80 „verantwortungslose und unsolidarische“ Personen festnehmen müssen.

Wird der Alarmzustand noch einmal verlängert?

Die knapp 47 Millionen Einwohner Spaniens dürfen seit dem 15. März nur noch in wenigen Ausnahmefällen das Haus verlassen, etwa zum Einkaufen. Am Mittwoch soll das Parlament auf Antrag der linken Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez über eine Verlängerung des Alarmzustandes, der dritthöchsten Notstandsstufe, um weitere zwei Wochen bis zum 11. April abstimmen.

Eine Verlängerung ist denkbar, denn das spanische Gesundheitswesen steht unter schwerem Druck. Allein etwa 5400 Beschäftigte im spanischen Gesundheitswesen wurden positiv auf das Virus getestet. Um sie zu unterstützen, haben in der besonders betroffenen Stadt Madrid mehrere Hotels ihre Zimmer für Krankenhauspersonal zur Verfügung gestellt.

Mitarbeiter des Galdakao-Krankenhauses in Vizcaya applaudieren im Gedenken an eine 52-jährige Krankenschwester, die an dem neuen Coronavirus gestorben war Quelle: dpa © dpa Mitarbeiter des Galdakao-Krankenhauses in Vizcaya applaudieren im Gedenken an eine 52-jährige Krankenschwester, die an dem neuen Coronavirus gestorben war Quelle: dpa

Klinikmitarbeiter, die entweder außerhalb der spanischen Hauptstadt leben, wegen ihrer Dienstzeiten nah am Krankenhaus sein müssen oder zu Hause mit gefährdeten Menschen wohnen, könnten sich in acht über Madrid verteilte Hotels von den Strapazen bei der Arbeit erholen, zitierten spanische Medien das Gesundheitsministerium der Region Madrid.

Die Regierung habe eine Liste mit 370 Hotels im Land erstellt, die im Kampf gegen das Virus genutzt werden sollen, berichtete die Nachrichtenagentur Europa Press. Im Rahmen der strikten Ausgangsbeschränkungen in Spanien hatte die Regierung in der vergangenen Woche die Schließung aller Hotels des Landes für den Tourismus angeordnet.

Mehrere Hotels werden zudem bereits seit Tagen genutzt, um Hunderte Covid-19-Patienten aufzunehmen und die Krankenhäuser der Stadt zu entlasten.

Fußballstars spenden Millionen

Unterstützung bekamen die Spanier unterdessen von Barça-Star Lionel Messi. Er spendete eine Million Euro an zwei Krankenhäuser – eines in der katalanischen Metropole und ein anderes in seiner argentinischen Heimat. Das Krankenhaus in Barcelona bestätigte den Eingang der Summe und erklärte: „Diese Spende wird unter anderem für die Forschung und den Erwerb von Beatmungsgeräten zur Versorgung schwer kranker Patienten verwendet.“

Zuvor hatte bereits Pep Guardiola seinem Heimatland mit Geld geholfen. Der spanischstämmige Teammanager von Manchester City gab laut einer Mitteilung eine Million Euro an die in Barcelona ansässige Fundacio Angel Soler Daniel.

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