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#EUroadtrip: Polen und die Gefahr durch rechte Gruppen

Für unseren #EUroadtrip sind wir weiter in Polen unterwegs und fahren heute nach Posen. Es ist kaum zu übersehen, dass in Polen nationalistische Gruppen und rechtsextreme Parteien immer stärker werden. Das ist zwar ein Trend, den es überall auf der Welt gibt. Aber es rückt Polen schon in ein schlechtes Licht, wenn wir so viel darüber hören. Natürlich reden wir nicht gerne über Polen im Zusammenhang mit Straßenkämpfen zwischen linken und rechten Aktivisten, die es manchmal leider auch in Polen gibt. Diese radikalen Gruppen sind vielleicht nicht sehr groß, aber sie sind da. Und gibt es da noch die sehr berühmte Gruppe mit einer hundertjährigen Tradition: die Allpolnische Jugend, eine ultrakatholische, nationalistische Organisation. Sie sind sehr stark in den sozialen Netzwerken präsent, und immer wieder müssen ihre Inhalte auf Facebook gelöscht werden. Amnesty International und die Vereinten Nationen stufen sie als extrem homophob ein. Wir haben ihren Vorsitzenden Zemowit Przebitkowski getroffen und ihn gefragt, warum seine Organisation gegen die Mitgliedschaft Polens in der Europäische Union ist. Obwohl 91% der Polen, laut einer kürzlich veröffentlichten Umfrage, Befürworter der EU sind. Ziemowit Przebitkowski sagt: "Ich liebe die EU nicht sonderlich. Unsere Bewegung ist der Meinung, dass die Europäische Union nicht so ist, wie sie es am Anfang einmal war. Sie ist im Moment so etwas wie ein Superstaat. Oder sie will jedenfalls ein Superstaat sein. Wir sind der Meinung, dass wir die Europäische Union verlassen sollten. Hinzu kommt, dass die liberale Ideologie in der EU sehr stark ist. Es wird zum Beispiel viel Geld, mehr als 40 Milliarden Euro, ausgegeben, um die Rechte der LGBTs zu stärken. Wir wollen nicht, dass solche Organisationen hier in Polen unterstützt werden, wir finden das nicht okay." Ziemowit Przebitkowski: "Homosexualität ist Krankheit" LGBTs sind oft Ziel von Attacken der Allpolnischen Jugend. Teilnehmer von Schwulen-Demonstrationen werden bedroht und sogar mit Flaschen und Steinen beworfen. Ziemowit Przebitkowski meint: "Es ist nicht so, dass ich sie hasse oder so, ich kann niemanden hassen, nur weil er krank ist oder weil er eine psychische Störung hat." euronews: "Für Sie sind es also psychische Störungen?" Przebitkowski: "Natürlich, Forscher haben herausgefunden, dass es einen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie gibt. 30% der Pädophilen sind homosexuell." euronews: "Was halten Sie von den vielen Multikulti in der Europäischen Union?" Przebitkowski: "Das ist natürlich falsch, es ist schlimm. Jeder sollte in seinem Land bleiben, und nach den Grundsätzen leben, die schon vor 2000 Jahren galten. Das ist unsere Identität. Viel Multikulti zerstört die Identität der Menschen." Widerstand gegen rechte Gruppen Marta Lempart tritt für die neue linke Partei „Wiosna“ bei den Europawahlen an. Ihr macht es Hoffnung, dass Gruppen, wie die Allpolnische Jugend auch auf Widerstand stoßen. Sie meint: "Ich stehe derzeit wegen antifaschistischer Blockaden vor Gericht und werde von der Polizei und von vielen, vielen Menschen verfolgt, die förmlich ermutigt werden, gegen Liberale vorzugehen, weil der Staat zunehmend rechte Bewegungen unterstützt. Aber es gibt natürlich auch Widerstand. Wir haben also auf der einen Seite einen Staat, der nach rechts driftet, aber auch linke Strömungen, die einen großen Widerstand bilden." Einer der führenden polnischen Sozialpsychologen, Prof. Zbigniew Nęcki, von der Jagiellonen-Universität hält den Aufstieg der extrem Rechten allerdings für übertrieben. Für ihn gäbe es "viele verschiedene Ansichten und Meinungen zu dem Thema. Die Jugend entwickelt zunehmend radikalere Ansichten. Sowohl nach rechts, ich denke da an Religion und Faschismus, aber auch nach links, was den Atheismus betrifft. Aber es stimmt nicht, dass es immer mehr Rechtsextreme, Fanatiker und Anhänger des Faschismus gibt. Sie sind nur sehr laut, und deshalb fallen sie auf." Zehntausende Menschen, die der Allpolnischen Jugend in den Sozialen Medien folgen und ein Vorsitzender, der vor kurzem stellvertretender Minister in der Regierung wurde – vor den EU- und Parlamentswahlen könnte das zum jetzigen Zeitpunkt für Polen noch nicht abschätzbare Folgen haben. Dieser Artikel ist Teil einer Serie von Euronews. Die anderen Geschichten finden Sie in unserer Übersicht: #EUroadtrip | Euronews berichtet vor den Europawahlen aus der EU

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