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Ukraine: Stadt Mykolajiw verhängt Ausgangssperre für Suche nach russischen Kollaborateuren

DER SPIEGEL-Logo DER SPIEGEL 05.08.2022 Felix Keßler

Mykolajiw liegt nur wenige Kilometer von russisch besetztem Gebiet entfernt und wird fast täglich beschossen. Der zuständige Gouverneur der ukrainischen Stadt will nun mit einer drastischen Maßnahme Kremlhelfer fassen.

© OLEKSANDR GIMANOV / AFP

Die Hafenstadt Mykolajiw ist nach dem Vormarsch der russischen Truppen in der Ostukraine zur Frontstadt geworden. Aus der nur rund 25 Kilometer entfernten Region rund um die inzwischen von Russlands Streitkräften besetzte Stadt Cherson gibt es immer wieder teils schweren Raketenbeschuss.

Nun wollen die ukrainischen Behörden mögliche Hinweisgeber für die russischen Angriffe aufspüren – und setzen dafür auf drastische Maßnahmen. Wie Gouverneur Witalij Kim in einer Videobotschaft mitteilte, werde in der Hafenstadt über das Wochenende eine Ausgangssperre verhängt. »Am Wochenende wird die Stadt geschlossen, kaufen Sie rechtzeitig Wasser und Lebensmittel«, sagte Kim. Man arbeite daran, Kollaborateure zu finden.

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Video: Suche nach Kollaborateuren: Ukraine riegelt komplette Stadt Mykolajiw ab! (glomex)

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Die allgemeine Ausgangssperre gilt demnach von Freitag 23 Uhr bis Montag 5 Uhr.

Der Gouverneur hatte die Sperre bereits im Juli angekündigt. Für Hinweise auf Informanten, die den russischen Soldaten Hinweise geben, welche Ziele sie in der Stadt bombardieren sollen, hatte der 41-Jährige zudem eine Prämie von umgerechnet knapp 100 Euro ausgelobt.

Laut ukrainischen Angaben werden bei den Angriffen auf Mykolajiw fast ausschließlich zivile Objekte getroffen. Zuletzt hatte sich die Lage offenbar verschärft. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in einer Videobotschaft in der Nacht zu Montag von einem der »brutalsten Bombenangriffe auf Mykolajiw und die Region« und kündigte eine Reaktion seiner Armee an.

Bei Angriffen auf die Stadt war zuletzt auch der ukrainische Getreide-Tycoon Oleksij Wadaturskyj getötet worden. Wadaturskyj war Eigentümer des ukrainischen Unternehmens für Getreidelogistik Nibulon und kam nach Angaben ukrainischer Behörden zusammen mit seiner Ehefrau Raissa bei einem Beschuss in seinem Wohnhaus ums Leben. Der ukrainische Präsidentenberater Mychailo Podoljak sprach danach von einer »vorsätzlichen Tötung«. Der Schlag hatte die Spannungen im Streit über internationale Getreideexporte aus dem Kriegsgebiet weiter verschärft.

Russland war am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert. Die Stadt hatte vor dem Krieg fast 500.000 Einwohner.

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