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Zehntausende demonstrieren in Paris gegen Rassismus und Polizeigewalt

dw.com-Logo dw.com 03.06.2020 dw.com

In mehreren französischen Städten haben Zehntausende gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstriert. Allein in Paris kamen etwa 20.000 Menschen vor einem Gerichtsgebäude zusammen – trotz eines Demonstrationsverbots.

Demonstranten in Paris erinnern an den Tod von Adama Traoré im Polizeigewahrsam © picture-alliance/NurPhoto/J. Gilles Demonstranten in Paris erinnern an den Tod von Adama Traoré im Polizeigewahrsam

Im Norden der französischen Hauptstadt versammelten sich eine große Menschenmenge und ignorierte damit ein Demonstrationsverbot, das wegen der Corona-Pandemie und aus Sorge vor drohenden Ausschreitungen verhängt worden war. Das teilte eine Sprecherin der Pariser Polizeipräfektur mit. Am Rande des Protests kam es Medienberichten zufolge zu Zusammenstößen mit der Polizei. Demonstranten warfen Wurfgeschosse auf Beamte, diese reagierten mit dem Einsatz von Tränengas. Auch aus Lyon und Marseille wurden derartige Protestaktionen gemeldet.

Die überwiegend jungen Demonstranten riefen bei der größtenteils friedlichen Anti-Rassismus-Kundgebung in Paris als Reaktion auf den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA Slogans der "Black Lives Matter"-Bewegung. Viele hielten außerdem Schilder mit englischen Slogans wie "I can't breathe" in die Höhe. Damit bezogen sie sich auf die derzeitigen Proteste in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz.

Ein Demonstrant in Paris kritisiert am Dienstag den Rassismus als © Reuters/G. Fuentes Ein Demonstrant in Paris kritisiert am Dienstag den Rassismus als

Von Traoré bis Floyd

Der Protest in der französischen Hauptstadt wurde von Assa Traoré, der älteren Schwester des in Polizeigewahrsam gestorbenen Adama Traoré, organisiert. Der 24-Jährige war 2016 zu Tode gekommen, nachdem er sich der Festnahme seines Bruders widersetzt hatte. Eine Schuld der Polizei an seinem Tod ließ sich offiziell nicht nachweisen.

Seither wird in Frankreich darüber gestritten, ob die Polizisten Schuld an Traorés Tod waren. Vergangene Woche hatten mehrere Ärzte die Polizisten entlastet und einen von der Familie in Auftrag gegebenen Bericht zurückgewiesen, wonach der junge Mann erstickt sein soll. Ein weiterer Bericht der Familie vom Dienstag kommt zu dem Schluss, dass der Tod mit den Methoden der Polizei bei der Festnahme Traorés zusammenhing.

"Das ist heute nicht mehr nur der Kampf der Familie Traoré, es ist unser aller Kampf. Wenn wir heute für George Floyd kämpfen, kämpfen wir für Adama Traoré", sagte Assa Traoré zu den Demonstranten, die "Revolte" und "Die ganze Welt hasst die Polizei" riefen.

Tränengas nach Ausschreitungen

Nach Polizeiangaben blockierten einige Demonstranten die Ringstraße der Pariser Autobahn und steckten Gegenstände in Brand. Die Sicherheitskräfte setzten Medienberichten zufolge Tränengas ein. Die Polizeipräfektur forderte die Demonstranten auf Twitter auf, sich zu zerstreuen. Zugleich wies Polizeipräfekt Didier Lallement Vorwürfe von Gewalt und Rassismus entschieden zurück.

Demonstranten in Paris erinnern an den Tod von Adama Traoré im Polizeigewahrsam © picture-alliance/dpa/AP/D. Cole Demonstranten in Paris erinnern an den Tod von Adama Traoré im Polizeigewahrsam

Innenminister Christophe Castaner verurteilte die Ausschreitungen. Gewalt habe in einer Demokratie keinen Platz, schrieb Castaner auf Twitter. "Nichts rechtfertigt die Exzesse, die heute Abend in Paris stattgefunden haben." Er gratulierte den Sicherheits- und Rettungskräften zu Gelassenheit. Der bekannte Menschenrechtsanwalt Arié Alimi beschuldigte jedoch auf dem Sender BFMTV die Polizei, Ärger zu provozieren, indem sie Tränengas auf friedliche Demonstranten abfeuere. Die Pariser Polizei hatte die Demonstration verboten und sich auf die Coronavirus-Beschränkungen berufen. Demnach dürfen sich höchstens zehn Menschen versammeln.

Zwei weitere Polizei-Übergriffe

Neben dem Tod Traorés haben zwei weitere Todesfälle seit Anfang des Jahres in Frankreich für Empörung gesorgt: Präsident Emmanuel Macron hatte erst im Januar Konsequenzen gefordert, nachdem ein 42-jähriger Lieferfahrer nach einer Polizeikontrolle am Pariser Eiffelturm erstickt war. Die Polizisten drückten den Familienvater bäuchlings auf den Boden, er erlitt dadurch einen Kehlkopfbruch.

In der südfranzösischen Stadt Béziers starb zudem im April ein 33-Jähriger nach der Fahrt auf eine Polizeiwache. Auch er wurde mit dem Gesicht nach unten fixiert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International fordert bereits seit Jahren, solche "tödlichen" Methoden bei der französischen Polizei zu verbieten. Auch während der "Gelbwesten"-Proteste gab es massive Klagen über Polizeigewalt, juristische Konsequenzen hatte dies nur in den seltensten Fällen.

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kle/rk (dpa, afp)

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