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Ein gewaltiger Flächenbrand, der sich vom Boden nährt

DIE WELT-Logo DIE WELT 12.08.2017
CROP _Ausschnitt vom Original_IDL TIFF file In an unusual event, satellites have detected a sizable wildfire burning in Greenland. The fire is in western Greenland, about 150 kilometers (90 miles) northeast of Sisimiut. Most of Greenland is covered by ice, but dwarf willows, shrubs, grasses, mosses, and other vegetation do live in some coastal areas. Satellites first detected evidence of the fire on July 31, 2017. The Moderate Resolution Imaging Spectroradiometer (MODIS) and Visible Infrared Imaging Radiometer Suite Suomi NPP collected daily images of smoke streaming from the fire over the next week. The Operational Land Imager (OLI) on Landsat 8 captured this more detailed image of the fire on August 3, 2017. While it is not unprecedented for satellites to observe fire activity in Greenland, a preliminary analysis shared by Stef Lhermitte of Delft University of Technology in the Netherlands suggests that MODIS has detected far more fire activity in Greenland in 2017 than it did during any other year since the sensor began collecting data in 2000. The fire appears to be burning through peat, noted Miami University scientist Jessica McCarty. It is not clear what triggered the fire. Sisimiut, the second largest town in Greenland, has a population of 5,500 people.**Caption by Adam Voiland.**: Ein gewaltiger Flächenbrand, der sich vom Boden nährt © Adam Voiland Ein gewaltiger Flächenbrand, der sich vom Boden nährt

Zwischen Schnee, Eis und Kälte wütet in der Arktis ein gewaltiger Flächenbrand. Die Menge an Feuern hat in der Region zugenommen, vor allem in den letzten zwei Jahren. Ihre Hauptquelle ist der Boden selbst.

Zwei Kilometer hoch ragen die Rauchschwaden, mehrere Hundert Kilometer weit seien sie sichtbar, berichten lokale Nachrichten. Dieser Flächenbrand ist zwar kleiner als die Feuer, die zuletzt in Frankreich und Portugal wüteten, doch seine Lage ist extrem ungewöhnlich: Er liegt in der Arktis, an der Ostküste von Grönland. Die Aussichten auf ein baldiges Abschwellen seien gering.

Der Satellit Sentinel-2 hatte die Feuer aufgezeichnet, er gehört zum Copernicus-Programm der europäischen Raumfahrtbehörde ESA. Es ist das größte Feuer, das durch Satelliten in dieser Region beobachtet wurde.

Schätzungen über seine Ausbreitung reichen von 1200 bis 3000 Hektar. Unklar ist, was das Feuer ausgelöst haben könnte. In der Region gibt es keine Siedlungen, der nächste Ort Kangerlussuaq dient Forschern als Basisstation für Expeditionen.

Erst seit 2000 gibt es regelmäßige Satellitenaufnahmen aus der Arktis. In dieser Zeit hat die Menge an Feuern zugenommen, vor allem in den letzten zwei Jahren. "Flächenbrände gab es in Grönland schon immer", twitterte der Polarforscher Stef Lhermitte von der Technischen Universität Delft, "aber 2017 wurden außergewöhnlich viele durch Satelliten aufgezeichnet."

Das CO2 im Permafrostboden

Mehr als zwei Drittel des Landes sind von Gletschern bedeckt, nur in den Küstenregionen ist Grönland eisfrei. Doch auch hier ist der Boden die längste Zeit des Jahres über gefroren.

Diese Permafrostböden tauen normalerweise nur wenige Wochen im Jahr auf, sie sind dann morastig und schlammig. Nur, wenn es längere Zeit warm bleibt und kein Regen fällt, können sie austrocknen. Dann dienen sie als perfekte Grundlage für Flächenbrände.

Das Feuer nährt sich nicht nur durch die Vegetation, die hier vorherrscht – Gras, kleine Büsche und Sträucher. Seine Hauptquelle ist der Boden selbst. Er besteht zum größten Teil aus Torf, der in anderen Regionen der Welt zum Befeuern von Öfen und Heizungen verwendet wird. Torf setzt sich aus altem, verrottetem Pflanzenmaterial zusammen und brennt deshalb besonders gut.

Das Problem: Im Torf ist besonders viel Kohlendioxid gespeichert, das durch die alten Pflanzen der Atmosphäre entzogen wurde. Die Permafrostböden der Arktis gelten daher als gewaltige CO2-Speicher. Brennt der Torf, der die oberste Schicht dieser Böden ausmacht, wird dieses CO2 freigesetzt und gelangt so wieder in die Atmosphäre.

Forscher wissen heute, dass es vor 10.000 bis 14.000 Jahren regelmäßig in der Arktis gebrannt hat. Das konnten US-amerikanische Forscher aus Sedimenten vergangener Zeiten ablesen. Damals gab es in der heute baumlosen Tundra noch zahlreiche Birkenwälder, durch die Brände befeuert wurden.

Offenbar spielen größere Pflanzen wie Bäume und Sträucher eine wichtige Rolle als Zündstoff, wenn ein Feuer in der arktischen Tundra ausbricht, schließen sie aus ihren Daten. Schlägt zum Beispiel ein Blitz in der Tundra ein, würden eher Sträucher und Bäume Feuer fangen, als der schwerer entflammbare Boden. Dort würde es sich halten können und schließlich auf den Torf übergehen, um sich dann zu einem Flächenbrand auszuweiten.

Zwischen 1950 und 2005 wurden in der Tundra von Alaska 242 Brände registriert, die vor allem dann auftraten, wenn die Sommer warm und trocken geblieben waren. Längere Warmzeiten begünstigen den Wuchs von Pflanzen. "Die zukünftige Ausbreitung von Buschland in der Tundra zusammen mit ausbleibenden Regenfällen könnten Brände in der gesamten Arktis begünstigen und Reaktionen auslösen, die wichtige Effekte auf das Klima haben", folgern sie.

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