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Fünf Fakten über den Tod

dw.com-Logo dw.com 18.04.2019 Alexander Freund

Lässt sich das Tabu-Thema Tod versachlichen? Wann setzt der Tod ein? Was geschieht danach? Was zeigen Nahtoderfahrungen? Haben wir eine Seele? Fünf Aspekte über das Sterben aus Biologie, Medizin und Physik.

© Fotolia  

"Der Tod ist sehr wahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens. Er ist der Motor des Wandels des Lebens. Er beseitigt das Alte und schafft Raum für das Neue!" Die Abschiedsrede von Apple-Mitbegründer Steve Jobs hat viele bewegt. Am Ende seines Lebens halfen ihm sein Vermögen, seine wegweisenden Leistungen, seine Beziehungen nichts. Mit gerade einmal 56 Jahren starb der Technik-Pionier an seinem langjährigen Krebsleiden.

Warum ist der biologische Tod unausweichlich?

Der Tod schafft Platz für Neues. So auch im menschlichen Körper, der aus Aberbillionen von Zellen besteht, die sich tagtäglich teilen und so für das Wachstum sorgen. Lebende Organismen haben eine sehr wirksame Methode, überflüssige oder potenziell gefährliche Zellen wie Viren oder Krebszellen zu zerstören: den programmierten Zelltod. Die alten Zellen werden durch neue, identische Zellen ersetzt. Aber diese Zellteilung verlangsamt und stoppt irgendwann. Verantwortlich dafür sind wahrscheinlich die Telomere an den Enden der Chromosomen. Wenn diese Schutzkappen sich durch die Zellteilung verkürzen, findet keine Zellteilung mehr statt. Erst kommen dann keine neun Zellen mehr hinzu, dann sterben die alten Zellen ab.

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Zwar kann das Enzym Telomerase dafür sorgen, dass die Zellteilung weiter läuft, aber Telomerase kann eben auch den Krebs beschleunigen und deshalb ist es aus biologischer Sicht sinnvoll, das das Enzym nur in wenigen Zellen aktiv ist. Eine Störung des Prozesses – z.B. in unseren Zellkraftwerken, den Mitochondrien, hat weitreichende Konsequenzen für jeden Organismus.

Biologisch funktioniert der Körper maximal etwa 120 Jahre. Entscheidend ist aber die tatsächliche Lebenserwartung, die sich durch verbessere Lebens- und Hygienebedingungen im Laufe der Zeit deutlich verlängert hat – in Deutschland zum Beispiel nimmt die Lebenserwartung jährlich um rund 3 Monate zu.

Wie definiert man den Tod?

Der körperliche Alterungsprozess endet häufig mit dem Ausfall mehrere Organe: das Herz-Kreislauf-System kollabiert, die Lunge und das Gehirn versagen. Der Tod tritt ein. Medizinisch betrachtet gibt es unterschiedliche Todesarten: dem "klinischen Tod", bei dem das Herz-Kreislauf-System versagt, Puls und Atmung setzen aus, die Organe werden nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Bei einem "klinischen Tod" ist allerdings noch eine Reanimation durch Beatmung und Herzdruckmassage möglich und nicht selten auch erfolgreich.

Das ist beim "Hirntod" nicht mehr möglich. Dabei sind Großhirn, Kleinhirn und Hirnstamm ausgefallen. Zwar können auch beim Hirntod noch bestimmte Gehirnzellen in tieferen Schichten aktiv sein, aber das "Bewusstsein" ist bereits verloren gegangen. Trotzdem können "Hirntote" noch lange künstlich am Leben gehalten werden, selbst hirntote Frauen konnten noch Kinder bis zur Geburt austragen. Manche hirntoten Patienten reagieren auch auf äußere Reize, etwa bei Operationen. Allerdings sind dies aus medizinischer Sicht nur Rückenmarks-Reflexe und kein Schmerzempfinden. Trotz strengster Vorschriften etwa der Bundesärztekammer bleibt die Hirntod-Definition indes umstritten.

Was geschieht mit unserem Köper?

Zunächst können unsere Organe noch eine Weile ohne Sauerstoff und Nährstoffe auskommen. Erst allmählich stoppt die Zellteilung vollständig, dann sterben die Zellen ab. Sind zu viele Zellen abgestorben, können sich die Organe nicht mehr regenerieren. Am schnellsten reagiert das Gehirn, wo die Zellen bereits nach drei bis fünf Minuten absterben. Das Herz kann bis zu einer halben Stunde durchhalten. Sobald das Blut nicht mehr zirkuliert, sinkt es ab, es bilden sich "Totenflecken", die Gerichtsmedizinern Hinweise auf die Todesursache und den Todesort geben können.

Nach zwei Stunden setzt die Leichenstarre ein, weil kein Adenosintriphosphat mehr gebildet wird. Dieses ist ein lebenswichtiger Energieträger in den Zellen. Ohne es versteifen die Muskeln. Nach einigen Tagen löst sich diese Leichenstarre wieder. Der Magen-Darm-Trakt stirbt erst nach zwei bis drei Tagen ab, die darin befindlichen Bakterien beschleunigen die Zersetzung des Körpers. Krankheitserreger im Körper bleiben aber zum Teil noch lange gefährlich. Hepatitis-Erreger leben zum Beispiel noch mehrere Tage weiter, Tuberkulose-Bakterien sogar jahrelang. Insgesamt dauert der Zersetzungsprozess des menschlichen Körpers rund 30 Jahre.

Was lehren uns Nahtoderfahrungen?

Wissenschaftlich gesehen treten Nahtoderfahrungen in der Zeit zwischen dem klinischen Tod und der Reanimation ein. Intensiv beschäftigen sich nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Religionen und die Esoterik mit den geschilderten Erlebnissen, die je nach kultureller oder regionaler Prägung stark variieren können. Viele Betroffene haben in dieser Phase keinerlei Nahtoderfahrung gemacht. Andere berichten von einströmenden Erinnerungen, von einer Loslösung vom Körper, von Landschaften oder von einem hellen Licht (am Ende eines Tunnels). Einige berichteten von einem großen Glücksgefühl, Andere erlebten Angst- oder Panikzustände.

© Fotolia/GVS  

Offenbar treten Nahtoderfahrungen häufiger auf, wenn die Reanimation besonders lang gedauert hat und die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff länger beeinträchtigt ist. Diese Unterversorgung des Gehirns hat vor allem Auswirkungen auf die Schläfen- und Scheitellappen des Gehirns sowie auf die dazwischen liegende Schaltstelle Gyrus Angularis. Ob die Nahtoderfahrungen auch dort entstehen, ist indes unklar. Wissenschaftler untersuchen auch, wie die Nahtoderfahrungen mit vergleichbaren Erlebnissen bei Lebenden zusammenhängen könnten. Einige Migräne-Partienten etwa sehen ebenfalls Lichter, Epilepsiepatienten haben zum Teil ebenfalls "out-of-body"-Erfahrungen gemacht.

Was hat die Quantenphysik mit der Seele zu tun?

Mit den rätselhaften Phänomenen bei Nahtoderlebnissen haben sich aber nicht nur Theologen und Esoteriker, sondern auch Physiker intensiv beschäftigt. Grundlage für eine "physikalisch beschreibbare Seele" ist das quantenphysikalische Phänomen der Verschränkung. Bereits Albert Einstein ist auf diesen seltsamen Effekt gestoßen, hat ihn aber als „spukhafte Fernwirkung" abgetan. Danach verhalten sich zwei miteinander verschränkte Teilchen unabhängig von der realen Entfernung wie ein Zwillingspaar. Bestimmt man durch eine Messung die Eigenschaft eines Teilchens, wird augenblicklich auch der Quantenzustand des Partnerteilchens festgelegt. Zahlreiche Quantenphysiker vertreten heute die Auffassung, dass dieser Effekt tatsächlich existiert. Wie bei den Teilchen gebe es einen Dualismus zwischen Körper und Seele. Bei der Frage aber, ob die Quantenphysik die Existenz einer menschlichen Seele "beweisen" kann, beginnt der Glaube, sei er nun wissenschaftlich oder religiös motiviert.

Autor: Alexander Freund

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